Vergifteter Hund Timos erste wackelige Schritte

  • Publiziert: 23.02.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Peter Padrutt
play Peter Padrutt führt Timo zum ersten Mal nach den Dialysen ins Freie. (Blick)

BLICK-Redaktor Peter Padrutt hat seinen Labrador Timo gestern im Tierspital Bern besucht. Timo ist eines der Opfer des Gift-Killers von Zürich-Höngg (BLICK berichtete.)

Scheint die Sonne nur für dich, Timo? Zaghaft machen wir erste Schritte im Garten des Tierspitals. Andere kleine Patienten humpeln herum, aber mit deiner süssen, roten Bandage um die Pfote fällst du am meisten auf.

Ach, Timo, soll ich ehrlich sein? Ich habe mir unseren ersten Spaziergang anders vorgestellt. Du gehst so langsam, den Kopf schwer nach vorn geneigt. Manchmal sackst du einfach zusammen. Du schaust mich kaum an, reagierst nicht auf mich, auch wenn ich laut spreche.

«Platz!» verhallt ins Leere

Meine Anweisungen «Sitz!» oder «Platz!» verhallen ins Leere. Ja, dabei klangen die Nachrichten am Wochenende gut. Deine Nieren funktionieren wieder viel besser, du brauchst keine Dialyse mehr. Auch deine Lieblingsbeschäftigung, das Fressen, hast du wiederentdeckt.

Aber Chefarzt Dr. Thierry Francey macht dein Nervensystem Sorgen. Das sind die Folgen des Gifts, die man noch nicht abschätzen kann.

Du bist noch sehr, sehr matt. Ob dein Gehirn Schaden genommen hat? Wir brauchen jetzt viel Geduld, sagt der Arzt. Weisst du Timo, wir überlegen, unsere USA-Reise im Sommer abzusagen – damit du wieder im See baden kannst.

Medikamente langsam absetzen

Es tat weh, dich gestern so verlassen zu müssen. Du hast schon wieder tief geschlafen und gar nicht gemerkt, dass ich nicht mehr da war. Heute habe ich noch mal mit deinem Arzt telefoniert. Thierry Francey sagte mir, dass sie deine Medikamente in den nächsten Tagen langsam absetzen, um zu schauen ob deine Mattigkeit zurückgeht.

Du warst auf dem Spaziergang etwas lebendiger, aber du hast danach wieder ziemlich viel geschlafen. Timo, jetzt hoffen wir, dass dein Gehirn nach der Vergiftung keinen allzu grossen Schaden genommen hat. Auch wenn du nicht mehr ganz der Alte sein wirst – dein Körbchen bei uns zuhause wartet auf dich.

Aber vermutlich musst du noch einige Zeit im Tierspital Bern bleiben. Wir sind in Gedanken bei dir. Und wenn du schon schläfst, dann träum süss.

Liebe Leserinnen und Leser
Peter Padrutt dankt Ihnen für die grosse Anteilnahme an Timos Schicksal. Er liest alle Einsendungen und freut sich darüber. Leider kann er nicht alle beantworten. Wir bitten um Verständnis!
Die BLICK-Redaktion

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