KAPPEL (SO) - SO - Die Kirchen-Sekretärin über ihr Doppelleben und die Nächstenliebe von Pfarrer Paul Okeke.
Susanne R.* (39) kämpft mit den Tränen. Sie fühlt sich gedemütigt, verletzt. Nach der Affäre mit Paul Okeke (32), dem katholischen Pfarrer von Kappel SO und seiner Beichte (BLICK berichtete). «Ich war nicht verliebt. Ich war einsam», sagt Okeke.
«Was er jetzt tut, ist einfach nur gemein», sagt Susanne R. «Er lügt wie gedruckt. Und jetzt soll ich die Böse sein in dieser ganzen Sache?»
Die «Sache» mit dem Pfarrer und der Sekretärin beginnt im August 2009. Die verheiratete Frau und Mutter von zwei Buben (6 und 10) arbeitet erst einen Monat im Pfarramt, als Pfarrer Paul Okeke dazustösst.
«Als ich ihn das erste Mal sah, gefiel er mir nicht unbedingt», sagt sie. «Aber er war nett, er ist halt ein Charme-Bolzen. Und er hat mich in einem schlechten Moment erwischt.»
Nach fast zehn Jahren harzt die Ehe von Susanne R. und ihrem Mann (40). «Paul fragte mich, ob ich nicht glücklich sei. Ich erzählte ihm von meiner Ehekrise. Von da an pflegten wir eine sehr gute Freundschaft, lernten uns immer besser kennen.»
Klar, sie seien beide einsam gewesen. «Er sagte, er möchte, dass ich glücklich bin. Er hat immer mehr von Nächstenliebe geredet und mich umgarnt.»
Der Nigerianer macht der Schweizerin Komplimente, zur Frisur, zu ihren Kleidern. Er bekocht sie. Gemeinsam jassen sie und machen auch Musik.
Einmal besucht der Pfarrer das Ehepaar R. «Als Seelsorger. Er gab meinem Mann sogar Tipps, wie er mich behandeln soll. Er sei sein Freund. Im Nachhinein muss ich sagen: Das war gemein!»
Susanne R. sagt, sie wisse, dass sie auch eine Mitschuld an der Affäre trage. «Aber ich weiss auch: Ich habe nicht den ersten körperlichen Schritt getan. Er hat meine Krise ausgenützt. Ich habe nicht gemerkt, dass er nicht in mich verliebt ist. Jetzt fühle ich mich verarscht.» Sie sei «schon verliebt» gewesen.
Im März 2010 fasst sich die Kirchen-Sekretärin ein Herz. «Ich konnte dieses Doppelleben nicht mehr führen, eine Affäre haben und daheim die treue Ehefrau spielen. Ich erzählte es meinem Mann. Er hatte gar keine Freude», sagt Susanne R.
«Doch er verzieh mir und suchte das Gespräch mit Paul.» Die drei sind sich einig: Sie soll weiter im Sekretariat arbeiten. Und die Affäre ist beendet.
Nur: «Paul konnte nicht mehr in einer normalen Freundschaft mit mir zusammenarbeiten», so Susanne R. Monatelang plagt sie ein schlechtes Gewissen.
Anfang dieses Jahres kann auch die Sekretärin nicht mehr – und legt ihre Beichte vor dem Kirchgemeinderat ab. «Ich wurde freigestellt», sagt sie. «Dass Paul aber weiterhin als Pfarrer arbeiten darf, das ist unfair. Er soll demissionieren.»
Paul Okeke denkt aber nicht daran. Er will Pfarrer von Kappel bleiben. Ob er das darf, soll heute in einem Gespräch mit Bischof Felix Gmür in Solothurn besprochen werden.
Susanne R. hat etwas aus der Affäre gelernt: «Ich weiss jetzt, wo ich hingehöre – zu meinem Mann!»
* Name der Redaktion bekannt
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Paul Okeke wollte weiter Pfarrer in Kappel bleiben – in der Kirche St. Barbara. Jetzt trat er ab. (Ralph Donghi)
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