Star-DJ wegen Brandstiftung verurteilt Christopher S. muss sechs Jahre in den Knast

Er habe seine Plattensammlung abfackeln lassen, um Versicherungsgeld zu kassieren. Dem House-DJ Christopher S. wurde heute vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland das Urteil eröffnet: Der 47-Jährige kassiert eine harte Strafe.

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Christopher S. erlebte heute seinen persönlichen «Black Friday». Seinen schwarzen Freitag.

Dem Berner, der bürgerlich Christoph Spörri heisst, wurde vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland vorgeworfen, er habe zwei Männer damit beauftragt, seine Musiksammlung anzuzünden. Kurz vor dem Brand seines Lagers in Ostermundigen BE hatte Spörri die Sammlung für 200'000 Franken versichern lassen. (BLICK berichtete). Jetzt muss der DJ ins Gefängnis.

Das Gericht befand den Berner heute Nachmittag unter anderem der Anstiftung zur Brandstiftung und des versuchten Betrugs für schuldig und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von 72 Monaten – das sind genau 6 Jahre.

Er will in Berufung gehen

Spörri und sein Anwalt hatten auf unschuldig plädiert. Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 75 Monaten.

Der Anwalt des Star-DJs kündigte nach der Urteilsverkündung noch im Gerichtssaal Berufung an.

Die anderen beiden Angeklagten wurden zu 42 Monaten Gefängnis unbedingt beziehungsweise zu 24 Monaten Gefängnis bedingt verurteilt.

«Er überliess die Drecksarbeit anderen»

Die beiden Komplizen hatten am Abend des 1. Mai 2012, als sie das Schallplatten-Lager in Ostermundigen BE anzündeten, teils schwere Verletzungen erlitten.

Der Richter sagte heute bei der Urteilsbegründung über Drahtzieher Spörri: «Er überliess die Drecksarbeit anderen. Er blieb im Hintergrund und beschaffte sich ein Alibi mit einem Fussballspiel.»

Für den Staatsanwalt war von Anfang an klar gewesen, dass Spörri den Brand in Auftrag gegeben hatte. Er habe als Einziger Interesse an der Zerstörung der Plattensammlung gehabt.

Denn: Spörri sei es finanziell schlecht gegangen. «Es brannte damals an allen Ecken», erklärte der Staatsanwalt. Der DJ habe das Versicherungsgeld kassieren wollen, um seinen hohen Lebensstandard zu halten.

Wie der Staatsanwalt weiter ausführte, ging es Spörri auch bei seinen zwei GmbHs, die er im selben Zeitraum gegründet hatte, nur um die Beschaffung von privatem Geld – es habe fast keine Geschäftstätigkeiten gegeben. Eine der beiden GmbHs, eine Kleiderfirma, habe Spörri absichtlich in den Konkurs getrieben. Dabei hatte ein Kollege von ihm 50'000 Franken in den Aufbau der Firma gesteckt. Spörri gab zwar zu, in Finanz-Dingen ein Chaot zu sein, Privates aber stets von Geschäftlichem getrennt zu haben. «Am Schluss hat die Buchhaltung gestimmt.»

Keine Kuscheljustiz für das SVP-Mitglied

Noch Anfang dieser Woche war der DJ erstaunlich zuversichtlich. Spörri beteuerte gegenüber BLICK seine Unschuld. «Die Vorwürfe stimmen nicht», sagt er noch am Dienstag. «Mir geht es gut.» Und sein Anwalt Stefan Emmenegger ergänzte: «Wir sind guten Mutes, dass das Gericht den Anträgen der Staatsanwaltschaft nicht folgt und bestätigt, dass Spörri nicht am Brand beteiligt war.»

Es kam nun anders. Dass das Gericht dem Antrag des Staatsanwalts fast komplett gefolgt ist und Christopher S. zu 72 Monaten verurteilt hat, lässt vermuten, dass man Härte zeigen wollte.

Im BLICK-Interview im Jahr 2011 (wenige Monate vor dem Brand) unterstützte Christopher S. die SVP-Ausschaffungsinitiative: «Wer sich in unserem Land nicht korrekt verhält, sollte ausgewiesen werden können», sagte er. Und er bezeichnete die Kriminalität als eines der drängendsten politischen Probleme, «da diese auch durch die Migration auftritt.»

Christopher S. ist eingetragenes Mitglied der SVP Belp. Heute erlebte er alles andere als eine Kuscheljustiz. (btg/bö/noo)

Publiziert am 25.11.2016 | Aktualisiert am 27.11.2016
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45 Kommentare
  • Reto  Leutenegger 25.11.2016
    Halt: Sie dürfen in der Schweiz schon Geld stehlen, einfach die Schuld auf ein Finanzinstitut schieben, dann wird es auch "legal"!
    Die Strafe ist O.K für mich aber Mord, Körperverletzung und vorallem Sexualdedelikte sollten endlich viel härter bestraft werden.
  • David  Brunner aus Wetzikon
    25.11.2016
    "72 Monaten – das sind genau 6 Jahre", weiss nicht, ob die Juristen daran dachten. Der Staatsanwalt forderte jedenfalls 75 Monate. Es fehlen also 3 Monate, genau ein Vierteljahr. Diese Monate dienen nun als Reserve.
  • Daniela  Bauschmann 25.11.2016
    Und unsere so gut Integrierten Schweizer kommen bei schwerem Betrug von Hunderten von Tausend Franken Bedingt davon.
  • Rögu  Dellenbach 25.11.2016
    Ich finde das Urteil gerechtfertigt. Kein Promi-Bonus und hart wie die SVP es verlangt. Bravo
  • Karin  Schwegler 25.11.2016
    Etwas unlogisch, jemand der vorsätzlichen mordet bekomme 3-5 Jahre, jemand der seine Platten verbrennt 6 Jahre.
    In der Schweiz stimmt das Verhältnis schon lange nicht mehr. Beide gehören bestraft, aber Mord sollte doch höher sein.
    • peter  Schaad 25.11.2016
      Nein, weil er Versicherungsbetrug im grossen Stil gemacht hat. Seine Platten kann er straffrei verbrennen. Ich gebe Ihnen aber absolut recht, dass da die Verhältnismässigkeit oft nicht mehr verstanden werden kann.
    • Lorenz  Hügli 25.11.2016
      Stimmt einfach nicht! Aus Wikipedia:"Gesetz nennt keine fest umrissenen Mordmerkmale, sondern lässt dem Gericht bei der Qualifikation einen Ermessensspielraum. Der Strafrahmen für Mord reicht von 10 Jahren Freiheitsstrafe bis zu lebenslänglich."
      Nich jedes Töten einer Person gilt als Mord, aber für Mord ist die Minimalstrafe 10 Jahre!