Solidarität für Russen SVP gegen Ausschaffung von Artur (15)

MÜNSINGEN - BE - Eine Klasse aus Münsingen setzt sich gegen die Ausweisung ihres 15-jährigen Schulkollegen ein. Am Samstag müsste Artur ins Flugzeug steigen. Schützenhilfe erhält er ausgerechnet von einer SVP-Frau.

Sie halten fest zusammen: Mutter Julia B., Artur B., SVP-Politikerin Monika Heinis (v.l.) und Arturs Schulfreunde. play

Sie halten fest zusammen: Mutter Julia B., Artur B., SVP-Politikerin Monika Heinis (v.l.) und Arturs Schulfreunde.

Céline Trachsel

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«Ich kann fast kein Russisch mehr – und schreiben erst recht nicht», sagt Artur. Der Münsiger Schüler muss am Samstag mit seiner russischen Mutter in deren alte Heimat zurückfliegen. Für immer. Obwohl er seit der ersten Klasse im Kanton Bern wohnt, hier unbedingt das Gymnasium besuchen möchte. Demnächst hätte er die Aufnahmeprüfung gemacht.

Artur spricht Berndeutsch

Nun solidarisiert sich seine Klasse mit dem 15-Jährigen. Die Kollegen und die Lehrer haben einen Brief an den Regierungsrat des Kantons Bern geschrieben. Ausnahmslos alle haben unterschrieben, die Lehrer bekräftigen zudem, dass Artur ein guter und lernwilliger Schüler sei.

Seine Kollegen bezeichnen ihn als mehr als gut integriert – Artur spricht perfekt Berndeutsch. Dennoch: Der Brief mit den hoffnungsvollen und zugleich wehmütigen Worten blieb unbeantwortet.

SVP-Frau: «Verhältnisblödsinn»

Schützenhilfe erhalten die Schulkollegen nun ausgerechnet von einer SVP-Politikerin. Die Gemeindeparlamentarierin Monika Heinis macht sich dafür stark, dass Artur und seine Mutter diesen Samstag kein Flugzeug besteigen müssen.

«Das hat nichts mit der Partei zu tun – das ist gesunder Menschenverstand.» Sie kenne Artur, seit er hierher kam, genauso sein Mami Julia B. «Die Mütter aus dem Dorf stehen hinter ihr, sie gehört dazu, hat immer gut für Artur gesorgt.»

Der Schönheitsfehler in der ganzen Geschichte ist der Grund der Ausweisung. Denn Julia B. soll kriminell sein. Sie heiratete 2003 einen Schweizer, der sie schlug und unterdrückte. Als sie in Thailand Ferien machten, versteckte er Thaipillen in ihrem Koffer. «Die Richter verurteilten mich, weil ich vom Drogenhandel meines Mannes gewusst hatte, ich soll sogar Teil der Bande gewesen sein. Aber was hätte ich tun sollen, er hat über mich regiert.»

Mutter im Frauenhaus

Julia B. flüchtete ins Frauenhaus. Dennoch wirft ihr die Schweizer Justiz Mitwissenschaft vor. Die Russin ­hätte ihren Schweizer Mann anzeigen müssen. «Aber ich fürchtete um mein Leben.»

«Das ist so unfair», ärgert sich die SVP-lerin. «Ich erlebe eins zu eins, was diese arme Frau derzeit durchmacht.» Dem Migrationsamt wirft sie Verhältnisblödsinn vor. Und Julia B. sagt: «Mir bangt vor dem Samstag. Die Schweiz ist meine Heimat, in Russland muss ich wieder bei null anfangen.»

Publiziert am 30.08.2012 | Aktualisiert am 30.08.2012
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49 Kommentare
  •   Oggier Silvan aus Naters
    02.09.2012
    Ich finde das gut so. Man soll die leute die kriminell sind ausschaffen. auch wenn es hart für manche ist. man soll diese geschichte nicht so traurig darstellen. wir haben viel zu viele imigranten, wenn eine kriminelle tat begangen wird, soll man auch die strafe akzeptieren. Die frau hat davon gewusst also hätte sie ihren ehemann anzeigen können sogar müssen. Das war eine klare mithilfe was sie gemacht hat und somit ist auch die bestrafung in ordnung. Man kann danach immer ausreden bringen, fakt ist aber das sie das ganze genau gewusst hat.
  • Alessandra  Opper-Luciano , via Facebook 31.08.2012
    schande über Bern wenn die Ausschaffung wirklich statt findet!!! schafft mal alle Kriminellen Asylanten aus!!!!Das wäre mal eine sinnvolle Handlung!
  • Camille  LaFontaine aus Bern
    31.08.2012
    Hier geht es nicht um fair oder unfair sondern um das Gesetz. Und wenn dieses besagt, dass der junge Herr ausgeschafft werden muss, dann ist das so. Sonst kann ja jeder mit seiner Tränendrüsengeschichte kommen.
  • Marlise  Rothenbühler , via Facebook 31.08.2012
    Ich stehe hinter der Ausschaffungsinitiative. Kriminelle Ausländer sollen das Land verlassen. Es gibt aber auch einen gesunden Menschenverstand. Hier geht es um eine Frau, die anscheinend von ihrem Schweizer Ehemann unter Druck gesetzt wurde und um einen gut integrierten Sohn, der mit den kriminellen Handlungen nichts zu tun hatte. Für mich wäre hier Bleiben auf Bewährung die richtige Antwort.
  • Andrea  Scupola , via Facebook 31.08.2012
    Könnt Ihr noch logisch denken?Wie sollte die Mutter ihren Mann anzeigen, wenn sie von ihm Bedroht wurde.Mutter und Sohn gehören zusammen.Wer selber Kinder hat kann das verstehen.Um ihr Leben hat diese Mutter kämpfen müssen.