«So übten wir im Bundeshaus die Schweinegrippe»

  • Publiziert: 03.05.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Georges Wüthrich

Am 19. Januar 2005 proben Bundesrat, Verwaltung, Kantone und Grossbetriebe den «Ernstfall Schweine-grippe». BLICK-Reporter Georges Wüthrich war dabei.

«Ich bin einem K-Stab zugeteilt, der mit «Wildcards» den Übungsverlauf auf Trab halten muss. Um 08.00 Uhr legen wir vorerst einmal die Informationsdienste der Bundeskanzlei und der Departemente praktisch lahm – mit 50 fingierten Anrufen ausländischer Medien. Sie kommen von Telefonapparaten in einer geheimen Führungsanlage in Bern.

Einschränkungen führen im Szenario zu Unmut

Das Pandemie-Szenario beginnt nicht im fernen Mexiko, sondern in einem Schweinemastbetrieb im Kanton Thurgau. Es geschieht dasselbe wie heute: Die Schweinegrippe wird zuerst auf den Menschen übertragen, danach von Mensch zu Mensch. In alle Welt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will von der Schweiz am 20.  Januar Auskunft über den Verlauf der Epidemie und die Gegenmassnahmen. Ultimativ bis zum Mittag.

Der Bundesrat kommt zu einer Sondersitzung zusammen. Die Ereignisse überschlagen sich: Das WEF in Davos muss abgesagt werden. Ebenso die Basler Fasnacht. Die Bevölkerung hat den Ernst der Lage noch nicht erkannt: Es gibt massiven Unmut über die massiven Einschränkungen.

Schwachstellen treten zutage

Wir bereiten uns auf Stufe 6 vor, die höchste Pandemiestufe: 15 Prozent der Bevölkerung erkranken. Ein Sechstel davon stirbt. 20 000 bis 30 000 Todesopfer.
Schulen bleiben geschlossen. Grossverteiler sind nur noch zum Teil offen. Zeitungen werden nicht mehr ausgeliefert. Und woher soll man 25 000 Särge hernehmen? Die Gemeinden können die vielen Beerdigungen gar nicht mehr bewältigen. Horror.

Die gross angelegte Pandemieübung bringt auch Schwachstellen zutage. Die Mängel werden im Laufe der Zeit behoben. Die Pandemieplanung wird vor allem auf kantonaler Ebene verbessert. Auch die Grossbetriebe arbeiten solche Pläne aus. Gesetze und Verordnungen werden angepasst.

Für einmal herrscht «Früherkennung» im Bundesrat.

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