Der arme Bär! Still leidet Finn in seinem Stall. Mit dem Polizei-Geschoss in seiner Brust.
Die Wunde ist tief, am Einschussloch rechts an der Brust. Der 250-Kilo-Bär Finn (4) ist noch nicht über den Berg und macht dem Berner Bärenpark-Direktor schwere Sorgen. Müde steht Bernd Schildger (53) vor dem Eingang zu den Stallungen. Er hat die Nacht durchwacht. «Ja, noch lebt Finn und er frisst. Wir tun, was wir können, um ihm zu helfen.»Am Samstag kam es zum Drama im neuen Bärenpark in
Bern: Ein geistig Behinderter (25) kletterte zu Finn ins Gehege. Der Bär verteidigte natürlich sein Revier, griff den Eindringling an und verletzte ihn schwer. Um den Mann zu retten, schoss ein Polizist auf den Bären (im BLICK). Die Bilder des Angriffs gingen um die Welt.«Wir hatten Glück, dass weder das Herz noch eine Schlagader getroffen wurde. Sonst wäre Finn längst verblutet», sagt Schildger, aber: «Wir wissen nicht, wie grossflächig die Verletzungen sind, die die Deformationsmunition angerichtet hat.»Die von der
Polizei eingesetzte Spezialmunition «Mannstopp» wirkt effektiv, verursacht aber grosse Wunden (siehe Box rechts). Schildger: «Wollten wir herausfinden, wie die vom Schuss angerichteten Zerstörungen sind, müssten wir Finn in Narkose versetzen und ihn durch einen Riesen-Computertomografen schicken. Schliesslich könnten wir doch nichts machen, weil zu viele Operationen nötig wären und tödlich enden würden.»«Finn lahmt hochgradig», sagt der Bärenpark-DirektorBär Finn liegt jetzt still in seinem Stall, vermeidet laut Bärenpark-Direktor Schildger «jede Bewegung. Und wenn er sich etwas erhebt, lahmt er hochgradig.»Behandelt wird der Bär mit Schmerzmitteln, Kreislaufmedikamenten, er ist «bis zum Stehkragen vollgepumpt mit Antibiotika». Schildger: «Was wir ihm nicht spritzen, geben wir ihm pulverisiert in sein Müesli. Und er frisst das zum Glück. Das zeigt uns, dass es ihm einen Hauch besser geht als am Vortag.»Viele Besucher beim Bärenpark in Bern sind fassungslos ob des blutigen Dramas. «Ich dachte, ein Besoffener sei ins Gehege gesprungen», sagt Annemarie Rüegg (66) aus Flawil SG. «Weshalb hat niemand den Mann aufgehalten?», fragt ihre Kollegin Brigitte Steiner (59). Und Walter E. Strahm (64), Unternehmensberater aus Münsingen BE, würde gerne wissen: «Wo war denn der Betreuer des Behinderten?»Und Bärendame Björk? Sie durfte nicht raus, weil Polizisten des Unfalltechnischen Dienstes im Gehege Messungen machten.