Bärenpark-Direktor Bernd Schildger: So kämpfen wir um Finn
Der arme Bär! Still leidet Finn in seinem Stall. Mit dem Polizei-Geschoss in seiner Brust.
Von Hannes Heldstab | Aktualisiert um 10:03 | 24.11.2009
Die Wunde ist tief, am Einschussloch rechts an der Brust. Der 250-Kilo-Bär Finn (4) ist noch nicht über den Berg und macht dem Berner Bärenpark-Direktor schwere Sorgen. Müde steht Bernd Schildger (53) vor dem Eingang zu den Stallungen. Er hat die Nacht durchwacht. «Ja, noch lebt Finn und er frisst. Wir tun, was wir können, um ihm zu helfen.»
Am Samstag kam es zum Drama im neuen Bärenpark in Bern: Ein geistig Behinderter (25) kletterte zu Finn ins Gehege. Der Bär verteidigte natürlich sein Revier, griff den Eindringling an und verletzte ihn schwer. Um den Mann zu retten, schoss ein Polizist auf den Bären (im BLICK). Die Bilder des Angriffs gingen um die Welt.
«Wir hatten Glück, dass weder das Herz noch eine Schlagader getroffen wurde. Sonst wäre Finn längst verblutet», sagt Schildger, aber: «Wir wissen nicht, wie grossflächig die Verletzungen sind, die die Deformationsmunition angerichtet hat.»
Die von der Polizei eingesetzte Spezialmunition «Mannstopp» wirkt effektiv, verursacht aber grosse Wunden (siehe Box rechts). Schildger: «Wollten wir herausfinden, wie die vom Schuss angerichteten Zerstörungen sind, müssten wir Finn in Narkose versetzen und ihn durch einen Riesen-Computertomografen schicken. Schliesslich könnten wir doch nichts machen, weil zu viele Operationen nötig wären und tödlich enden würden.»
Bär Finn liegt jetzt still in seinem Stall, vermeidet laut Bärenpark-Direktor Schildger «jede Bewegung. Und wenn er sich etwas erhebt, lahmt er hochgradig.»
Behandelt wird der Bär mit Schmerzmitteln, Kreislaufmedikamenten, er ist «bis zum Stehkragen vollgepumpt mit Antibiotika». Schildger: «Was wir ihm nicht spritzen, geben wir ihm pulverisiert in sein Müesli. Und er frisst das zum Glück. Das zeigt uns, dass es ihm einen Hauch besser geht als am Vortag.»
Viele Besucher beim Bärenpark in Bern sind fassungslos ob des blutigen Dramas. «Ich dachte, ein Besoffener sei ins Gehege gesprungen», sagt Annemarie Rüegg (66) aus Flawil SG. «Weshalb hat niemand den Mann aufgehalten?», fragt ihre Kollegin Brigitte Steiner (59). Und Walter E. Strahm (64), Unternehmensberater aus Münsingen BE, würde gerne wissen: «Wo war denn der Betreuer des Behinderten?»
Und Bärendame Björk? Sie durfte nicht raus, weil Polizisten des Unfalltechnischen Dienstes im Gehege Messungen machten.
Am Samstag kam es zum Drama im neuen Bärenpark in Bern: Ein geistig Behinderter (25) kletterte zu Finn ins Gehege. Der Bär verteidigte natürlich sein Revier, griff den Eindringling an und verletzte ihn schwer. Um den Mann zu retten, schoss ein Polizist auf den Bären (im BLICK). Die Bilder des Angriffs gingen um die Welt.
«Wir hatten Glück, dass weder das Herz noch eine Schlagader getroffen wurde. Sonst wäre Finn längst verblutet», sagt Schildger, aber: «Wir wissen nicht, wie grossflächig die Verletzungen sind, die die Deformationsmunition angerichtet hat.»
Die von der Polizei eingesetzte Spezialmunition «Mannstopp» wirkt effektiv, verursacht aber grosse Wunden (siehe Box rechts). Schildger: «Wollten wir herausfinden, wie die vom Schuss angerichteten Zerstörungen sind, müssten wir Finn in Narkose versetzen und ihn durch einen Riesen-Computertomografen schicken. Schliesslich könnten wir doch nichts machen, weil zu viele Operationen nötig wären und tödlich enden würden.»
«Finn lahmt hochgradig», sagt der Bärenpark-Direktor
Bär Finn liegt jetzt still in seinem Stall, vermeidet laut Bärenpark-Direktor Schildger «jede Bewegung. Und wenn er sich etwas erhebt, lahmt er hochgradig.»
Behandelt wird der Bär mit Schmerzmitteln, Kreislaufmedikamenten, er ist «bis zum Stehkragen vollgepumpt mit Antibiotika». Schildger: «Was wir ihm nicht spritzen, geben wir ihm pulverisiert in sein Müesli. Und er frisst das zum Glück. Das zeigt uns, dass es ihm einen Hauch besser geht als am Vortag.»
Viele Besucher beim Bärenpark in Bern sind fassungslos ob des blutigen Dramas. «Ich dachte, ein Besoffener sei ins Gehege gesprungen», sagt Annemarie Rüegg (66) aus Flawil SG. «Weshalb hat niemand den Mann aufgehalten?», fragt ihre Kollegin Brigitte Steiner (59). Und Walter E. Strahm (64), Unternehmensberater aus Münsingen BE, würde gerne wissen: «Wo war denn der Betreuer des Behinderten?»
Und Bärendame Björk? Sie durfte nicht raus, weil Polizisten des Unfalltechnischen Dienstes im Gehege Messungen machten.
Warum ist die Kugel, die Finn traf, so zerstörerisch?
(ZVG)
Die Berner Kantonspolizei schoss mit Mannstopp-Munition auf den Bären (Bild). Das Geschoss verformt sich beim Eintritt ins Körpergewebe und verursacht schwere Verletzungen. So dass ein Mann oder eben auch ein Bär sofort ausser Gefecht gesetzt ist. Das Berner Polizeikorps setzt diese Projektile seit 2008 ein. Ihr Vorteil ist die geringe Gefahr von Durchschüssen, Unbeteiligte werden so verschont. Mannstopp-Munition ist umstritten: Sie ist in der Haager Landkriegsordnung, die auch für die Schweiz gilt, verboten. Diese Übereinkunft verbietet den «Gebrauch von Waffen, Geschossen oder Stoffen, die geeignet sind, unnötigerweise Leiden zu verursachen.»
Bärenpark-Direktor Bernd Schildger zeigt Pillen und Spritzen, die der Bär verabreicht bekommt. (Peter Gerber)
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Das sagen Blick.ch-Leser
- Ulrich Künzi, Mexico - 21:08 | 24.11.2009
- » Geistige Behinderung ist eine Krankheit oder ein Defekt. Nichts mehr und Nichts weniger. Niemand wünscht sich das. Ich hoffe, dass Gaddafi nicht doch recht hatte als er uns Nazis nannte.
- Ulrich Künzi, Mexico - 17:47 | 24.11.2009
- » @Simon Staufer. Bravo. Es wird mir schlecht, wenn ich diese menschenverachtende Kommentare lese. Und wenn nun der Wolf, der 13 Schafe gerissen hat, gejagt wird: ‘Armer Wolf ist doch seine Natur’. Tip an viele Komentatoren über den Gebrauch der Tastatur: VOR DEM TIPPEN HIRN EINSCHALTEN.
- Simon Stauffer, CH - 13:36 | 24.11.2009
- » Fakt ist: Im Moment des Geschehens, wurde absolut richtig gehandelt! Es wurde auch die richtige Munition verwendet, den mit einem herkömmlichen P10 Projektil währe wohl der Mensch auch getroffen worden! Aus Fehler sollte nun gelernt werden, so dass solche Geschehnisse nicht mehr vorkommen können.
- Simon Stauffer, CH - 13:35 | 24.11.2009
- » @Helga Baechler, Cardarella Vito, Michelle Hofer, Weber V, Nicole Baumann Es ist mir klar dass in China schlimme Verhältnisse sind. Ich wollte jedoch mit meinem Kommentar nur sagen, dass wir Schweizer die Tiere mit uns gleich stellen. @all Und dass ist absolut nicht Akzeptabel! Ein Geistig Behinderter Mensch wurde schwer Verletzt und wir sorgen uns nur um den Bären! Keiner scheint es wohl zu Interessieren wie es dem halb tot gebissenen Menschen geht (der wie auch der Bär nix dafür kann!)
- Joel Weber, Winterthur - 12:03 | 24.11.2009
- » Herr Fritz Bachmann aus Emmenbrück, Behinderte muss man nicht in Verliese schicken. Man soll sie begleiten. Wäre dieser Mann begleitet unterwegs gewesen, wäre jetzt niemand zu Schaden gekommen!! Das Finn jetzt schwer verletzt ist, ist die Schuld dieses Mannes und auch die der Betreuer und der Securitas, da sie ihre Arbeit nicht richtig gemacht haben!! Behinderte Menschen müssen immer begleitet werden!!!!!!
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