Amokschütze von Biel Sie wollten ihm sein Eltern-Haus wegnehmen

  • Publiziert: 10.09.2010, Aktualisiert: 03.01.2012

BIEL - BE - Sie wollten ihm das Liebste nehmen. Sein Elternhaus. Da griff Peter Kneubühl zur Waffe.

Er ist bewaffnet, zu allem entschlossen – und die Polizei hat keine Ahnung, wo er ist. Rentner Peter Kneubühl (67) .

Sein Elternhaus sollte zwangsversteigert werden. Dagegen wehrt sich Kneubühl schon seit Jahren vehement.

Am Mittwoch war von 15 bis 17 Uhr von einem Notar ein Besichtigungstermin angesetzt. Verschiedene Behördenstellen versuchten, mit Kneubühl Kontakt aufzunehmen. Vergebens.

Das Protokoll des Dramas

Mittwoch, 9 Uhr Nachbarn, die das Haus am Nachmittag besichtigen wollten, sehen ein Schild an der Türe. «Dieses Haus ist nicht zu verkaufen.»

Mittwoch, 10 Uhr Da Peter Kneubühl als Querulant bekannt ist und er von einem Psychiater untersucht werden sollte, wurde die Polizei aufgeboten. Der Rentner fühlt sich in die Ecke gedrängt, verschanzt sich in seinem Haus. Die Spezialisten der Polizei versuchen mit dem Rentner zu sprechen. Doch er lässt nicht mit sich reden.

Mittwoch, 13.30 Uhr Die Polizei evakuiert die ersten Bewohner des Linde-Quartiers. Im Verlaufe des Nachmittags werden 40 Bewohner aus ihren Häusern und in Luftschutzräume gebracht.

Mittwoch, 22.30 Uhr Die Sondereinheiten «Diamant» und «Enzian» legen Vollmontur an. Sie versuchen, ein erstes Mal in das Haus einzudringen. «Zwei Detonationen waren daraufhin zu hören, es handelt sich möglicherweise um Schüsse», sagt François Gaudy, Chef der Regionalpolizei Seeland.

Mittwoch, 23 Uhr Die Spezialtruppe formiert sich erneut, versucht ein zweites Mal ins Haus zu kommen. «Der Mann gab daraufhin einen Schuss in Richtung eines Polizisten ab, traf ihn aber nicht», erklärt Gaudy.

Gestern, 1 Uhr Peter Kneubühl versucht zu fliehen. «Er verliess vorerst unbemerkt und für uns überraschend das Haus», sagt François Gaudy. Ein Polizist ruft ihm zu, da schiesst Kneubühl sofort mit seinem Gewehr. Und trifft den Polizisten der Sondereinheit «Enzian» aus nächster Nähe in den Kopf. Kneubühl flieht. Die Polizei bemerkt das nicht, geht davon aus, er habe sich ins Haus zurückbegeben. «Es war Nacht und es gab Schatten, so konnten wir nicht sehen, was genau passiert ist», sagt Gaudy.

Gestern, 7.15 Uhr Ein Super-Puma des Militärs fliegt über das Linde-Quartier. Mit einer Wärmebild-Kamera wird nach Peter Kneubühl gesucht.

Gestern, 12 Uhr Die Polizei ist ins Haus vorgedrungen, hat es Millimeter für Millimeter abgesucht. Doch vom Täter findet sie keine Spur. Erst da hat sie Gewissheit: Peter Kneubühl ist längst abgehauen.

Gestern, 14.15 Uhr Die Polizei weitet das gesperrte Gebiet aus, durchsucht den nahen Wald. Es sind Schreie zu hören, doch von Peter Kneubühl fehlt weiter jede Spur.

Gestern, 14.30 Uhr Die Polizei verkündet, dass sie nicht weiss, wo Peter Kneubühl sich befindet. Sie sucht mit über hundert Einsatzkräften nach dem Amokschützen.

Gestern, 18 Uhr Der Zugang zum Wohnhaus des Amokschützen im Linde-Quartier wird freigegeben. Die Polizei bleibt aber vor Ort. «Der Täter hat sehr an seinem Haus gehangen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er hierher zurückkehrt», sagt Polizeisprecher Franz Märki.

Gestern, 20 Uhr Die letzten Polizeisperren werden aufgehoben. Die Menschen, die in unmittelbarer Nähe des Täterhauses leben, dürfen aber noch nicht in ihre Wohnungen zurückkehren.

Heute wird die Polizei weiter nach Peter Kneubühl suchen. «Die Bevölkerung sollte jetzt nicht überreagieren. Es besteht zwar durchaus eine Gefahr, aber er hat bisher sein Haus verteidigt, aber nicht auf unbeteiligte Bürger geschossen», sagt Regionalpolizei-Chef Gaudy.

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