Als Erstes schraubte die Berner Polizei die Kontrollschilder ab Sepp-Häfeli, Sepp-Deckeli!

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Thomas Ley

Es hätte so viel schiefgehen können bei Sepp Blatters Frontalcrash. Doch die Polizei sorgt sich vor allem um eins: den Ruf des Fifa-Bosses.

Auf der A8 bei Spiez BE, als er nach dem Tunnel endlich wieder Gas geben kann, hat der Weltfussball-Präsident so richtig Glück im Unglück.

Sepp Blatter (72) baut einen Frontalcrash – und bleibt heil.

Es ist Samstag, 11.30 Uhr: Blatter überholt mit seinem 525-PS-Boliden gleich mal ein Auto. Touchiert es. Schleudert über die doppelte Sicherheitslinie auf die Gegenfahrbahn – und erwischt einen Golf III.

Beide Fahrzeuge landen in der Böschung. Blatters Mercedes SL 63 AMG auf den Rädern, der Golf auf der Seite. Sein Fahrer wird leicht verletzt.

Jetzt aber hat Blatter so richtig Glück – mit den Berner Kantonspolizisten. Sie erkennen sofort, wen sie vor sich haben. Und lassen dem Fifa-Boss den VIP-Service angedeihen.

Zuerst mit tagelanger Diskretion. Das dürre Communiqué vom Unfalltag meldet eine «Kollision von drei Fahrzeugen» und eine «leicht verletzte» Person. Eine kleine Meldung im «Berner Oberländer» bringt am Montag das Bild.

Doch die Polizei sagt nicht, in welchem Auto der Verletzte sass. Sie behält für sich, dass alle drei Lenker zum Alkoholtest mussten.

Als BLICK am Mittwoch enthüllt, dass Fifa-Boss Blatter den Unfall verursachte, fällt ein weiteres Detail auf: Am Mercedes fehlt das Nummernschild.

Die Kapo druckst herum: Vielleicht flog das Schild beim Crash davon. Am Donnerstag muss sie zugeben: Ein Polizist hat es noch am Unfallort entfernt. Um zu vertuschen, wer der prominente Fahrer war.

«Jede Person hat das Recht auf Persönlichkeitsschutz», sagt Kapo-Sprecher Franz Märki, «auch Personen im öffentlichen Interesse.» Darum habe ein Mitarbeiter das Mercedes-Schild entfernt – nicht aber jenes am Golf. Denn: «Bei diesem mussten wir nicht annehmen, dass er im medialen Fokus steht.»

Dafür tut das jetzt die VIP-Fürsorge der Kapo: «Vor dem Gesetz sind alle gleich», ärgert sich FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen (26). Sogar andere Polizeikorps verstehen die Kollegen nicht.

Nur die ebenso leise Fifa dankt die Diskretion. Und freut sich über die gestrige Entwarnung per Alkoholtest: Null Promille bei allen Beteiligten.

Bleibt noch eine Frage: Fuhr eigentlich jemand zu schnell? Antwort der Kapo: Stille.

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