Wahnsinns-Wahl in Biel Schwule Regierung, Grüner tickt aus

BIEL - BE - Warme bis hitzige Wahl in Biel: Erst gewinnen die Homosexuellen die Mehrheit in der Regierung. Und dann rastet ein betrunkener Grüner völlig aus.

  • Publiziert: 13.43 Uhr, Aktualisiert: 17.46 Uhr
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Traditionsreiches Städtchen, moderne Regierung: Biel wird mehrheitlich von Homosexuellen regiert.

Im Gemeinderat von Biel sitzen neu zwei schwule Mitglieder und ein lesbisches. Barbara Schwickert von den Grünen wurde am Sonntag wiedergewählt. Neu hinzu kamen Cédric Némitz (SP Romandie) sowie Beat Feurer (SVP). Alle drei leben in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung. Die fünfköpfige Exekutive ist erstmals mit mehr Homo- als Heterosexuellen besetzt, Biel wird von Schwulen regiert.

Freude über die «Regenbogen-Regierung»

Im Parlament will niemand den Sieg der Homosexuellen an die grosse Glocke hängen. Biels Stadtpräsident Erich Fehr (SP): «Die persönliche Neigung der Kandidaten ist für deren Wahl oder Nichtwahl nicht ausschlaggebend.» Und auch die Gewählten selbst stapeln tief: «Die sexuelle Orientierung ist persönlich und sollte es auch bleiben», so der neue Gemeinderat Cédric Némitz zum Bieler Tagblatt.

Eine besondere Rolle nimmt Beat Feurer von der SVP ein. Ein schwuler als Vertreter der Volkspartei, das klingt ungewohnt. «Homosexuell und SVP ist kein Wiederspruch», widerspricht Feurer.  «Die SVP steht ja für eine freiheitliche Politik, die eben ermöglicht, dass jeder so leben kann, wie er möchte.» Allerdings sei es schon nicht immer einfach, «dass die nationale SVP sich etwas schwer tut mit der vollen Anerkennung der Homosexuellen», so der Gründer und Präsident der Gay-SVP zu Blick am Abend.

Freude bei der Gay-Community

Die Schweizerische Schwulenorganisation Pink Cross lobt nach der Wahl die Bieler Stimmbevölkerung: «Gerade junge Menschen kann das ermutigen, sich zu outen», so Geschäftsführerin Alicia Parel.Biels Gay-Community freut sich darüber, dass ihre Anliegen nun ein politisches Gehör finden. Auch alle Stadtpolitiker stehen bisher hinter der «Regenbogen-Regierung». Nur die Eidgenössische Demokratische Union reagierte negativ. «Ich finde das nicht sehr erfreulich», so der Bieler Sektionspräsident Martin Wüthrich zum Tagblatt.

Besoffener Stadtrat auf Pöbeltour

Unvergesslich bleibt der Wahlsonntag nicht nur für die schwule Mehrheit im Gemeinderat. Für Aufsehen sorgte auch der grüne Stadtrat Pablo Donzé, allerdings ungewollt: Der 27-Jährige hat mächtig einen sitzen, als er im Kongresshaus verschiedene Parlamentarier aufs Übelste beschimpft.

Am schlimmsten erwischt es Mathias Müller von der SVP. «Bist du nicht dieser Trottel vom Militär?», fragt er den Berufsoffizier. «Du Drecksfaschist, ich mag solche wie dich nicht», beschimpft er ihn weiter. Danach zieht der ehemalige Nationalratskandidat Donzé über die SVP her: «Ihr seid alle Drecksfaschisten, alle in der Scheiss-SVP.»

«Das war ein Ausrutscher»

«Er hat einfach zuviel getrunken», so der grünliberale Stadtrat Max Wiher. Auch er erlebt den Ausraster von Donzé nach den Wahlen live mit: «Es ist blöd gelaufen für ihn. Er ist halt etwas emotional, er ist eigentlich sonst kein Polteri», so Wiher zu Blick.ch. Der Querulant selbst hat seinen Rausch mittlerweile ausgeschlafen. «Ich bin nicht stolz darauf, das war ein Ausrutscher», so Donzé. Bei den Beteiligten will er sich entschuldigen, es sei zu viel Alkohol im Spiel gewesen. (tcc / gpr)

Beliebteste Kommentare

  • Heinz  Schweizer
    Der Alkohol ist nicht schuld, sondern derjenige der zu viel säuft. Nervt mich immer wieder, dass bei Schlägereien, Sachbeschädigungen Mord und sonstigen Pöbeleien immer wieder auf verminderte Zurechnungsfähigkeit hingewiesen wird. Dann hört doch auf zu saufen!
  • Studer  Werner
    Im Alkohol liegt die Wahrheit, darin offenbart sich das eigentliche Gedankengut. Schlimm, schlimm. Entschuldigungen sind unnötig, können eigentlich gar nicht stattfinden, weil diese im Prinzip gegen die Überzeugung geht. Schmierenkomödie ersten Ranges.

Alle Kommentare (44)

  • Torsten  Berger , Düsseldorf , via Facebook
    Pablo Donzé sollte sich häufiger betrinken, hat er doch nur die Wahrheit gesagt.
  • Michael  Hänggi
    Eigentlich müsste man alle Politiker so richtig abfüllen, bis sie total besoffen sind, dann vor den Fernseher stellen und ein paar "dumme" Fragen stellen. Dann käme heraus, was wirklich gedacht wird - und - die Sendung wäre ein Abendfüller.
    • 26.09.2012
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    • 3
    • Gabor  Posch
      Das ist die geilste Idee, die ich seit langem gehört habe! Ja, das sollten wir unbedingt mal tun!
      • 26.09.2012
      • als Kommentar auf Michael  Hänggi
      • 29
      • 3
  • Josua  Häfeli , Luzern
    Warum muss das mit dem "schwul" eigentlich immer so an die grosse Glocke gehängt werden??
    Ich dachte das sei normal. Muss man dass jedes Mal extra erwähnen?
    Also doch noch nicht so akzeptiert oder wie jetzt?
  • Rolf  Rossi , Buchs
    Na toll. Sorry, sexuelle Ausrichtung hat viel mit der Denkweise eines betreffenden Menschen zu tun. Und die ist nicht jederman Sache
    • Sandro  Galatti , Luzern
      Vielleicht sollten Sie, Herr Rossi Ihren Horizont etwas erweitern! Die denkweise von homosexuellen ist etwas vielfältiger und nicht so engstirnig!
      • 26.09.2012
      • als Kommentar auf Rolf  Rossi , Buchs
      • 26
      • 41
    • Gabor  Posch
      Herr Galatti, die Denkweise von Homosexuellen kann genau so vielfältig oder engstirnig sein wie die jedes anderen Menschen auch. Vielleicht sollten Sie von Ihren Klischees etwas wegkommen.
      • 26.09.2012
      • als Kommentar auf Rolf  Rossi , Buchs
      • 17
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  • Heinz  Moll , via Facebook
    Ob Alkohol im Spiel war, ist zweitrangig: So wie man spricht, denkt man auch. Nun ist also aktenkundig, wie der grüne Politiker Donzé über die Konkurrenz denkt.
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