Testkäufe bei Sportfesten Schwinger lassen Kinder saufen

BERN - Testkäufe an Sportveranstaltungen zeigen ein erschreckendes Bild: Bei den Schwingern und im Eisstadion kommen Kinder problemlos an Alkohol. Jetzt greifen die Behörden durch.

  • Publiziert: 05.09.2012
  • Von Roger Baur
play Bier-Lieferung am Schwingfest: Hier kommen Kinder leicht zu einer Flasche. (Toto Marti)

In der Mitte fliegt das staubige Sägemehl, und drum herum sprudelt das frische Bier. Das enge Verhältnis der Schwinger und der Bierbrauer ist an jedem Schwingfest sichtbar. «Teilweise gibt es hier noch Stände von Sponsoren, wo nur Bier verkauft wird», sagt Mike Neeser, Leiter «Jugendschutz und Sport» beim Blauen Kreuz.

Seine Organisation führt im Kanton Bern die offiziellen Testkäufe durch. Und der nimmt als erster Kanton auch Sportveranstaltungen konsequent unter die Lupe. Eine Auswertung, die Blick.ch exklusiv vorliegt, zeigt: Beim Schwingen saufen selbst die Kleinen ungehundert. In über 70 Prozent der Fälle haben die jungen Tester ohne Nachfrage Alkohol bekommen.

Schwinger wollen ausmisten

«Wir haben den Eindruck, dass die Schwinger das Gefühl haben, Jugend und Alkohol sei nur andernorts ein Problem», sagt Neeser.

Davon will Ueli Steffen, Sprecher des Kantonalbernischen Schwingverbands, nichts wissen. «Da läuten bei mir die Alarmglocken.» Er wolle mit dem Blauen Kreuz das Gespräch suchen, «und die schwarzen Schafe finden».

Fussballer sind vorbildlich

Am besten auf den Jugendschutz geschaut wird beim Fussball (25 Prozent) und bei den Turnern (41 Prozent). Das Ende der Rangliste teilen sich die Schwinger (73 Prozent) und das Eishockey (72 Prozent). «Das ist erstaunlich, da in den Eisstadien meist Wirte am Werk sind», sagt Neeser vom Blauen Kreuz. «Denn eines der Probleme beim Sport ist, dass die Verkäufer oft Amateure sind.»

Alle fehlbaren Veranstalter wurden den Regierungsstatthalterämtern gemeldet, sind sind im Kanton Bern zuständig für die Ausschankbewilligungen. Das Regierungsstatthalteramt Biel hat darauf sofort gehandelt: Es verbietet ab sofort, dass Jugendliche selbst Alkohol verkaufen dürfen und pocht auf die Einhaltung des sogenannten Sirup-Artikels: An jedem Stand müssen drei alkoholfreie Getränke angeboten werden, die billiger sind als das günstigste Bier.

Beliebteste Kommentare

  • reinhard  hertig , gibswil
    Jugendschutz??? muss doch primär zu hause beginnen. kinder sind sache der eltern. es ist logisch falsch, wenn ich als verkäufer einem kind sowas verkaufe. aber dass ich ausweise verlangen muss, kann doch nicht meine aufgabe sein. man kann nicht immer andere verantwortlich machen fürs eigene versagen. eltern, nehmt die verantwortung wahr, lebt gutes vor, es ist eure aufgabe.
  • Dominik  Teuscher , Muttenz , via Facebook
    Früher kaufte ich noch Zigaretten und Weine für meine Eltern:-
    • 05.09.2012
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Alle Kommentare (9)

  • Silvano  Polinetti , maunin
    Mit dieser Sch....schlagzeile werden die Schwinger als Alkoholverkäufer verurteilt und nicht diejenigen,die wirklich daran Schuld sind,dass Kinder/Jugendliche leicht zu Alkohol kommen.
    Zählen doch leider nur Profitgier.
  • Dominik  Teuscher , Muttenz , via Facebook
    Früher kaufte ich noch Zigaretten und Weine für meine Eltern:-
    • 05.09.2012
    • 44
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  • Rudolf  Kuhn
    Wenn die Jungendlichen den Alkohol nicht selbst kaufen können, so lassen sie diesen ganz einfach durch ältere Kollegen kaufen. Wie sagt man so schön; "zuhause muss beginnen, was im Vaterland soll leuchten".
    • 05.09.2012
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  • Silvano  Polinetti , maunin
    Wieder einmal mehr die alte Leier was den Verkauf von alkoholischen Getränken anbelangt.
    Solange es die schweizerische Gesetzgebung nicht zu Stande bringt,eine und wirklich nur eine einheitliche gesamtschweizerische Lösung zu finden was den Verkauf von Alkohol/Zigaretten anbelangt,muss man doch nicht darüber diskutieren wenn an irgendeinem Fest Alkohol an Jugendliche verkauft wird.Und zudem gibt es ja noch die Ausweispflicht.
    KEIN AUSWEIS,KEIN ALKOHOL.
    Aber zuguterletzt geht es ja doch nur ums liebe Geld=sprich Einnahmen.
    • 05.09.2012
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  • Friedrich  Nellen , Naters
    Mit den Testkäufen ist es fast gleich wie mit den Umfragen:
    Sie sind sicher auch der Meinung, dass kein Alkahol an Jugendliche verkauft werden sollte?
    Die Antwort muss ja wohl ja sein!
    • 05.09.2012
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