Rekrut ging unter – an ungefährlicher Stelle!

  • Publiziert: 28.05.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Roman Neumann

AARWANGEN BE – Er verschwand beim Schwimmen vor den Augen seiner Kameraden – obwohl die Stelle ungefährlich ist, wie eine ortskundige Rettungsschwimmerin sagt. Was geschah wirklich im Wasser?

Dienstagmittag, Aarwangen, 30 Grad. Drei Rekruten der Genietruppen haben Mittagspause – und heiss. Sie beschliessen, schwimmen zu gehen. Ein fataler Fehler. Ein 21-jähriger Mann, ein Bauernsohn aus der Zentralschweiz, wird seither vermisst.

Was passierte in der Aare? Fälschlicherweise ist in einigen Medien von einem Schwächeanfall des Rekruten die Rede. Der Sprecher der Militärjustiz, Frank Zellweger, präzisiert: «Das kann noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, vielleicht ist er auch von einem Gegenstand getroffen worden.» Man müsse alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.

War es ein Wirbel?

Zog ein Wirbel den Rekruten unter Wasser? Die Präsidentin der Sektion Nordwestschweiz der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft in Aarwangen, Daniela Balsiger-Müller, kennt das Gebiet gut und verneint diese Möglichkeit: «Die Stelle dort ist ungefährlich.» Sie sei dort auch schon schwimmen gegangen. Es habe in diesem Gebiet keine gefährlichen Wirbel. Einzig an der anderen Uferseite befinde sich ein Widerwasser, welches aber ungefährlich sei.

War es ein Krampf?

Eine andere Möglichkeit ist ein Krampf, beispielsweise in den Beinen. Was hätte der Rekrut tun sollen? «Man muss in so einem Fall sofort auf sich aufmerksam machen, um Hilfe schreien», sagt Balsiger-Müller. Auch ungeübte Schwimmer könnten dann versuchen, den Hilfesuchenden über Wasser zu ziehen.

War es ein Schwächeanfall?

Laut Daniel Reist, Sprecher Heer, verschwand der Rekrut vor den Augen seiner Kameraden in den Fluten. Ein Schwächeanfall? Der könnte durch den grossen Temperatur-Unterschied ausgelöst worden sein. Am Dienstag war es brennend heiss – das Wasser aber immer noch kühl. Daniela Balsiger-Müller: «Eine der obersten Regeln: immer erst annetzen.»

Wer trägt die Verantwortung?

Die Soldaten gingen trotz Verbot und ohne Schwimmwesten ins Wasser. Anders als beim Kander-Unglück 2008 erhielten sie keinen Befehl, der den Rekruten ins Verderben stürzte. Wird trotzdem jemand zur Rechenschaft gezogen? Militärjustiz-Sprecher Frank Zellweger sagt dazu: «Wir werden prüfen, ob möglicherweise im Umfeld Sicherheitsvorschriften verletzt wurden.» Doch grundsätzlich sei es dafür noch zu früh. Erst müssten die Ereignisse lückenlos aufgeklärt werden.

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