
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
9 Uhr. Ramona öffnet die Türe ihres Daheims in Obergerlafingen SO. Sie ist locker angezogen, barfuss. Auf dem Arm hält sie ihr Baby, das die Oberstufenschülerin völlig überraschend vor drei Wochen zur Welt brachte. «Sie haben einen schönen Rummel ausgelöst mit dem Interview mit mir», grinst die 13-Jährige. «Ich konnte noch nicht mal duschen.»
Auch ihr Mami ist da. Heidi O.* (47) läuft in der Küche hin und her. Am rechten Ohr ihr Handy. In der linken Hand das Festnetz-Telefon. «Ich rufe zurück.» Schon klingelt es wieder. «Die halbe Welt will mit meiner Tochter reden.»
«Ich bin fitter als meine Mam»
Kein Wunder: Ramona ist die jüngste Mutter der Schweiz – und findets lustig: «Ich bin fitter als meine Mam. Denn meistens geht sie nachts zu Nico, wenn er schreit.»
Der Kleine ist ruhig – Ramona hat ihn in der Stube in eine Trage gelegt. Weil Nico gerade den Schoppen hatte, schläft er rasch ein. «Er ist so lieb, weint selten.» Dafür ist Ramonas Mami ums Weinen: «Jetzt nehme ich keine Telefonate mehr an.» Auf dem Tisch liegen Zettel mit Nummern von Journalisten. Zeitungen. TV-Stationen – sogar aus dem Ausland. Draussen stehen Reporter. Sie will sie nicht reinlassen. «Das ist uns alles zu viel.»
Jetzt steht erst mal Klein Nico im Vordergrund. Der ist nach einer Stunde bereits wieder aufgewacht – und auf den Armen seines Mamis Ramona. Sie bahnt sich einen Weg zwischen ihren drei Büsi in den oberen Stock. «Ich habe zwei Baby-Bücher. Doch ich brauche keines.»
«Er schläft bei mir im Zimmer»
Ramona zeigt ihr Kinderzimmer. Ihre Pokale vom Skifahren. Ihre Justin-Timberlake-CDs. Ihren PC. «Ich freue mich. Am Abend treffe ich mich mit Kollegen im Chat.» Ein Teenager, 13 Jahre jung – und schon ganz Mami. Denn Ramona spricht schon wieder von ihrem Nico, zeigt sein Bettchen. «Er schläft bei mir im Zimmer. Bis ich wieder in die Schule gehe.» Von einer Kollegin lässt sie sich Hausaufgaben heimbringen. «Freiwillig. Ich möchte Hotelfachfrau werden.»
In der Küche wartet schon ihre Kollegin. Ramonas Mutter kocht in der Pfanne Käse- und Spinat-Plätzli. «Eigentlich sollte es was Gesünderes geben. Doch heute – keine Zeit.» Ramona macht Nico wieder einen Schoppen. Nach ein paar Minuten ist der leer. Ramona knuddelt ihr Baby, legt es wieder in die Wiege. «Endlich essen.»
Jetzt schreit der Kleine. Erstmals an diesem Tag. «Ui, er hat wohl die Windeln voll.» Ramona riecht am Po ihres Babys. «Ja, er hat.» Wieder gehts in den oberen Stock – diesmal zum Wickeln. Auch das kann Ramona. Wenngleich sie für ein SMS kurz unterbricht. «Ich habe viele Glückwünsche gekriegt.» Ramona strahlt und drückt ihrem Nico einen Kuss auf den Mund. «Aber ich bin froh, wenn sich der Rummel wieder legt.»
* Name der Redaktion bekannt
play
Süss: Ramona mit ihrem kleinen Fratz. (Ralph Donghi)