Brand im Simplontunnel Mindestens bis Mittag bleibt der Tunnel zu

  • Publiziert: 10.06.2011, Aktualisiert: 03.01.2012

BRIG - VS - Der Brand eines Güterzugs im Simplontunnel ist unter Kontrolle. Bis Mittag bleibt der Tunnel sicher geschlossen.

Der Brand im Simplontunnel ist unter Kontrolle. Seit gestern Abend kurz nach 18 Uhr konnten die Einsatzkräfte kein offenes Feuer mehr ausmachen.

Der Simplontunnel wird dennoch am heutigen Freitag bis mindestens am Mittag geschlossen bleiben, wie ein Sprecher der SBB sagte. Die Lage werde weiter geprüft.

Für Reisende von Bern durch den Lötschberg steht zwischen Brig und Domodossola (I) ein Shuttle-Betrieb zur Verfügung. Kunden aus Basel und Olten empfiehlt die SBB, via Gotthard zu fahren. Für Reisende von Genf werden in Martigny Busse für die Fahrt über den Grossen St. Bernhard eingesetzt.

Wegen des dichten Rauchs aus dem Südportal des Tunnels hatte am Donnerstag auch die Strassenverbindung unterbrochen werden müssen. Nach Angaben der BLS fällt auch der extra für die Pfingsttage geplante Autoverlad zwischen Kandersteg und Iselle aus.

Enorme Hitze hatte sich entwickelt

Die Löscharbeiten waren äusserst schwierig, weil sich im Tunnel eine enorme Hitze entwickelte. Die mit Atemschutzgeräten ausgerüsteten Löschspezialisten konnten nur in die Nähe, aber nicht bis zum Ort des Brandes vorstossen. Um das Feuer zu löschen und die Umgebung abzukühlen, sprühten die Feuerwehrleute grosse Mengen Wasser in Richtung des Brandherdes.

Im Einsatz standen drei Löschzüge der SBB und BLS mit insgesamt rund 50 Feuerwehrleuten. Wegen der Luftströmung im Tunnel tritt der Rauch im Süden aus, so dass die Löschaktion vom Norden aus durchgeführt wird.

Ausgebrochen war das Feuer am Morgen kurz vor 6 Uhr in einem einzelnen Güterwagen, der mit Stahl- und Keramikprodukten beladen war. Verletzt wurde niemand. Wegen der grossen Hitze im Tunnel brach auch in weiteren Wagen des Güterzuges Feuer aus.

Die Brandstelle befand sich rund drei Kilometer vom Südportal des 20 Kilometer langen Tunnels entfernt auf italienischem Boden.

Wie schlimm der Schaden sein könnte, den das Feuer im alten Simplontunnel angerichtet hat, dazu wollte sich die SBB nicht konkret äussern. Die Bahn schliesst eine längere Schliessung aber offenbar nicht aus: Sie bereitet jedenfalls Ersatzlösungen für die verkehrsreichen Pfingstfeiertage vor. Vom Brand ist zwar nur eine Röhre des zweiröhrigen Tunnels betroffen, doch ist nicht bekannt, wie stark die zweite Röhre in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das wird nun untersucht.

Sind die Schienen verformt?

Spezialistenteams stehen laut SBB bereit, um den Schaden im Tunnel zu ermitteln und mit der Bergung des Zuges sowie der Reparatur zu beginnen, sobald ein Zugang möglich ist. Das Feuer dürfte die Fahrleitung zerstört sowie Kabel und Schienen verformt haben.

Entscheidend für die Schwere des Schadens wird unter anderem sein, wie stark Feuer und Hitze die Decke beschädigt haben. Aufwendig gestaltet sich nach einem Tunnelbrand jeweils auch die Bergung der ausgebrannten Wagenwracks.

Zug hatte Haushaltgeräte an Bord


Der Lokomotivführer konnte sich in Sicherheit bringen. Der Güterzug der BLS Cargo war von Italien nach Deutschland unterwegs und führte Haushaltgeräte, aber kein Gefahrengut mit. Über die Ursache des Feuers konnten SBB und BLS noch keine Angaben machen.

Wegen des Unterbruchs war der Bahnverkehr zwischen der Schweiz und Italien über das Wallis heute unterbrochen. Die internationalen Züge von Basel via Bern nach Mailand sowie von Genf nach Mailand fielen zwischen Brig und Domodossola aus.

Reisende nach Mailand mussten über die Gotthardstrecke ausweichen. Wer von der Westschweiz nach Italien reisen wollte, musste mit einer um zwei bis drei Stunden verlängerten Reisezeit rechnen. Die SBB richtete unter der Nummer 0800 99 66 33 eine kostenlose Hotline.

Der dichte Rauch, der aus dem Tunnel strömte, beeinträchtigte auch den Strassenverkehr über den Simplonpass. Die italienischen Carabinieri schlossen darum einen Teil der Simplonpassstrasse. Wegen der gesperrten Strasse zwischen Gondo VS und Iselle (I) konnten auch keine Bahnersatzbusse eingesetzt werden. (SDA/gtq/sik)

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