Militär-Unfall: Experte übt Kritik

  • Publiziert: 12.06.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

BERN – Zum Militärunfall gab es gegen Abend folgende neue Infos: Die BLICK-Zahlen zu Toten und Verletzten wurden bestätigt. Ein Rafting-Experte übte massive Kritik an der Armee.

Zu den Opfern lagen BLICK schon früh folgende Zahlen vor: Drei Armeeangehörige sind tot, zwei werden vermisst. Nachdem das Verteidigungs-Departement (VBS) bis zum Abend nur von einem Toten und von vier Vermissten gesprochen hatte, bestätigte die Sprecherin der Militärjustiz, Silvia Schenker, schliesslich die BLICK-Angaben.

Am Abend gab es eine weitere Medienkonferenz der Armee. Gemäss «10vor10» wurde dabei bekannt, dass die tödliche Schlauchboot-Unternehmung der Teambildung der Armeeleute dienen sollte. Also keinen direkten militärischen Zweck erfüllte!

Einfach leichtsinnig war die Armee möglicherweise nicht. Die Schlauchboot-Fahrer trugen Helm und Schwimmweste. Eher schon total unerfahren. Daniel Chézière, Rafting-Experte, sagte in der «10vor10»-Sendung: Die Schlauchboote der Armee seien vollkommen ungeeignet für solche Wildwasser-Fahrten. Mit diesen Booten hätte man die Tour nie unternehmen dürfen!

Das Befahren eines solchen Flussabschnitts sei sehr gefährlich. «Es ist, als würde man mit 80 Kilometern in der Stunde absichtlich gegen eine Wand fahren», illustrierte Chézière mit einem Vergleich.

Wenn die Ertrunkenen in eine sogenannte Walzerwalze geraten seien, hätten die Schwimmwesten sogar wie eine tödlich Falle gewirkt. Sie hätten die Männer nämlich daran gehindert, auf den Grund des Flusses zu tauchen, um dann in Sicherheit zu schwimmen.

Zu diesen Vorwürfen nahmen die Armee-Verantwortlichen in Spiez nicht Stellung. Diese Fragen seien Gegenstand der Ermittlungen der Militärjustiz. Auch zum genauen Unfallhergang machte die Armee keine Angaben. Nach neusten Erkenntnissen befanden sich insgesamt zehn Personen auf zwei Booten. Bei den Betroffenen handelt es sich um Angehörige der Lufttransportabteilung 3 (LT Abt 3).

Homebase ist der Militärflugplatz Alpnach. Die Lufttransport- Sicherungskompanie 3 (LT Si Kp 3) hat ihren Standort in Wimmis. Ihr Auftrag ist es, den Militärflugplatz Alpnach und Tagesstandorte der LT Abt 3 zu sichern.

Die Kameraden der Verunglückten werden durch ein Care Team betreut. Warum die Militärangehörigen auf der Kander unterwegs waren, konnte Korpskommandant Walter Knutti nicht sagen. Es sei nicht «das tägliche Brot» dieser Einheit. Zum Sinn der Übung machte Knutti keine Angaben.

Im betroffenen Teilstück der Kander gibt es Schwellen. Ob der Fluss auf diesem Abschnitt gefährlich zu befahren sei, sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen, ebenso die Wetter- und Wasserverhältnisse zum Unfallzeitpunkt, sagte Knutti.

Zwei Todesopfer wurden bei den Schwellen gefunden, der dritte Tote etwas weiter unten am Ufer. Die Unglücksboote konnten noch nicht geborgen werden.

Suche eingestellt

Die Suche nach den beiden noch Vermissten wurde inzwischen eingestellt. Zwei Stellen an der Kander und das Kanderdelta werden aber über Nacht überwacht.

Die Chancen, die beiden noch lebend zu finden, beurteilen die Armeeverantwortlichen als klein.

Den fünf Verletzten gehe es den Umständen entsprechend gut. Sie können nach Angaben der Armee das Spital am Freitag möglicherweise schon verlassen. Die Suche nach den beiden noch Vermissten wird am Freitag wieder aufgenommen. Die Überlebenden werden ebenfalls am Freitag befragt.
(SDA/snx)

Bundesrat Schmid erschüttert

Das Bootsunglück hat Verteidigungsminister Samuel Schmid erschüttert und traurig gestimmt. «Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen», zitierte er aus einem Kirchenlied. Nach dem Lawinenunglück im Jungfrau-Gebiet vor einem Jahr, das sechs Armeeangehörige in den Tod gerissen hatte, sei die Armee erneut von einem schweren Unfall betroffen. Schmid wünschte den Verletzten baldige Genesung. Den Angehörigen, Freunden und Dienstkameraden, die um den Verstorbenen trauerten und um die Vermissten bangten, wünschte Schmid Mut, Kraft und Zuversicht. (SDA)

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