Schock im Oberland Mann hetzt in Gemeinde-Blatt gegen Juden

  • Aktualisiert am 02.01.2012

THUN – Schock im Berner Oberland: Ein Antisemit publiziert im «Sigriswiler Anzeiger» Hasstiraden und Verschwörungstheorien gegen Juden und Israel.

Die 4500 Einwohner der Gemeide trauen ihren Augen nicht, als sie den Beitrag von Otto Grossglauser im «Sigriswiler Anzeiger» lesen. In einer Art Leserbrief verbreitet er auf über fünf Seiten seine Ansichten über die Lage der Welt, wie der «Berner Oberländer» berichtet. Doch seine Weltanschauung ist die eines antisemitischen Verschwörungstheoretikers.

Grossglauser schreibt:
  • «Das organiserte Weltjudentum (Zionismus) hat die totale Ausraubung gewisser reicher Länder, wie Deutschland, Schweiz, Österreich und anderer Staaten längst begonnen.»
  • «Das Prinzip der Weltanschauung der Zionisten ist Zerstörung. Darauf kann nichts entstehen, das es wert wäre, Leben genannt zu werden.»
  • «Die Wahrheit (...) wird strafrechtlich verfolgt, wenn sie mit den Interessen des Staates und der Macht im Staat, den Zionisten, nicht konform ist.»

Gemeinde distanziert sich

Grossglauser selbst will sich nicht zum Text äussern. Dafür der Gemeindepräsident Martin Sommer umso mehr: Die Gemeinde distanziere sich von diesem Text und weise darauf hin, dass der «Anzeiger» ein Privatprodukt sei. «Wir haben keinen Einfluss auf den Inhalt des Blattes.»

Pikant: Otto Grossglauser ist bei der Gemeinde zu 50 Prozent als Schwellenmeister angestellt. Die Gemeinde werde prüfen, ob sich gemäss Personalrichtlinien gewisse Massnahmen aufdrängen würden, sagt Gemeindepräsident Sommer.

Die Herausgeberin des «Sigriswiler Anzeigers» ist die Druckerei Wägli in Gunten. Den Inhabern der Druckerei ist das Ganze peinlich: «Das lief wirklich unglücklich. Ich habe nur den ersten Teil des Textes gelesen und ihn dann in den Druck gegeben», sagt Werner Wägli.

Da nach dem ersten Abdruck keine Beschwerden der Bevölkerung eingegangen seien, habe man auch den zweiten Text ohne Bedenken gedruckt. Dann sei aber eine Lawine von negativen Reaktionen über die Druckerei eingebrochen, erklärt Wägli «Einen solchen Text werden wir nie mehr drucken!» (gca)

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