BERN – In der SVP herrscht Bürgerkrieg. Neuer Höhepunkt: Hermann Weyeneth, Berner SVP-Veteran, fährt seinem alten Spezi Bundesrat Schmid massiv an den Karren.
Nach der Abwahl von Christoph Blocher am 12. Dezember taumelt die
SVP von Krise zu Krise. Streit der SVP Schweiz mit den Kantonalparteien Graubünden,
Bern und
Glarus. Parteiaustritte. Neugründungen in den Kantonen.Und jetzt geht es direkt Mann gegen Mann. Hermann Weyeneth. Lässt sich gern als «Grand Old Man der bernischen SVP» bezeichnen. Jetzt kann er seine Wut gegen seinen alten Freund
Bundesrat Samuel Schmid nicht mehr zurückhalten. Weil der in der neuen Kantonalpartei, der Bürgerlich-Demokratischen
Partei mitmacht. Jetzt lässt Weyeneth im Interview mit dem Zürcher «Tages-Anzeiger» alles raus: «Eitle Parteiexponenten haben der SVP massiv geschadet, allen voran der Bundesrat (Schmid).» «Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es ihm zunehmend um sich selbst geht. Der Bundesrat ist die treibende Kraft hinter der Spaltung der SVP.» «Ich empfinde sein Verhalten als Akt des Verrats.» «Wir konnten offen miteinander reden. Heute erträgt er keine Kritik mehr.»Bundesrat Schmid nimmt zu Weyeneths Verbal-Amok nicht direkt Stellung, wie Blick.ch erfuhr. Aber zur Spaltung der SVP mit den Neugründungen in den Kantonen in Graubünden und Bern hält Schmid fest: »Nachdem mich die SVP Schweiz nach über 40-jähriger Parteimitgliedschaft aus der eidgenössischen Fraktion ausgeschlossen hat und vor allem nachdem eine ganze Kantonalsektion rüde aus der Schweizerischen Partei ausgeschlossen wurde, ist es für mich an der Zeit, die Konsequenzen zu ziehen.» Die SVP entwickelt sich weg von einer Volkspartei und hin zu einer Bewegung, «in der differenzierte Argumentation, die Einsicht in die Notwendigkeit der politischen Zusammenarbeit oder auch der Respekt vor einer anderen Meinung immer weniger erwünscht waren.» «Ich hätte den Delegierten der SVP des Kantons Bern die Gründe dafür gerne persönlich erläutert. Leider war meine Präsenz an der Delegiertenversammlung (von gestern) nicht mehr erwünscht.» «Das ändert jedoch nichts an meinem eigenen Entscheid. Dieser ist hart und tut weh. Aber wir haben auch eine Loyalität unserer Überzeugung gegenüber.»Es brodelt in der SVP. Und das dürfte noch eine Weile andauern. Jüngster Akt dieses Dramas: Die SVP verliert im Kanton Glarus ihren einzigen Vertreter in der
Regierung. Der 54-jährige Baudirektor Robert Marti wechselt zur neuen Bürgerlich-Demokratischen Partei (
BDP), die in Glarus im August gegründet werden soll. Begründung: Er habe genug vom immer aggressiveren Stil der SVP Schweiz. Auch der Chef der Staatskanzlei, Ratsschreiber Hansjörg Dürst, tritt der neuen Partei bei.Die Reaktion folgte auf dem Fuss: «Treuebruch» gegenüber der Glarner SVP, schimpft deren Präsident. (SDA/snx)