Geschasster Luftwaffen-Chef Knutti «Ich hoffe, die verseckeln mich nicht»

  • Publiziert: 24.06.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Adrian Schulthess und Thomas Ley

Seit seinem Grounding als Luftwaffen-Chef hat er geschwiegen. Jetzt redet Korpskommandant Walter Knutti (60) erstmals.

Seit Donnerstag ist er weg. Geschasst, entlassen, erledigt. Luftwaffenchef Walter Knutti (60). Der Korpskommandant, den Armeechef Roland Nef verantwortlich macht für regelwidrige Beförderungen bei der Luftwaffe.

Auch für die Fast-Beförderung von Unglücks-Kadi Yves M.* (29), auf dessen Bootstour fünf Soldaten ertranken. Knutti hätte den forschen Kadi am liebsten auf einen Posten im Generalstab gehievt.

Doch jetzt sitzt Knutti zu Hause: «Ich habe meine Demission eingereicht und am gleichen Tag mein Büro geräumt», sagt er. «Jetzt muss ich es nie wieder betreten.»

Doch noch ist Knutti auf der Lohnliste der Armee: «Die Vorabklärungen für einen vorzeitigen Altersrücktritt sind im Gang», sagt Armeesprecher Felix Endrich: «Das sollte bis spätestens Ende August erledigt sein. Dann wird Antrag an den Bundesrat gestellt. Zuletzt muss das Ganze von der Finanzdelegation genehmigt werden.»

Es wird also verhandelt. Dumm nur: Knutti selbst weiss davon nichts. «Ich habe nichts mehr vom V gehört, seit ich mein Büro geräumt habe.» Knutti meint das VBS. «Auch Verhandlungen gab es keine: Bei mir hat sich niemand gemeldet.»

An seine Lohnklasse mag er sich nicht erinnern: «Wenn Sie das wissen wollen, müssen Sie beim VBS-Personal nachfragen», sagt Knutti. «Zum Lohn kam noch eine Zusatzvergütung. Den Endbetrag möchte ich nicht nennen.»

Gemäss Bundespersonalverordnung sind Korpskommandanten in der Regel in der Lohnklasse 36. Bei guter Beurteilung seiner Arbeit hat Knutti im Jahr rund 265000 Franken Grundlohn. Allfällige Vergütungen nicht eingerechnet.

«Geplant war, dass ich bis zur Pensionierung bei der Luftwaffe bleibe. Bis 62», sagt er. «Jetzt musste offenbar jemand die Konsequenzen tragen. Man war der Meinung, das sei ich.» Die Konsequenzen für das Schlauchboot-Drama auf der Kander.

Am liebsten wäre Walter Knutti so schnell wie möglich gegangen: «Per Ende Monat. Aber das ging nicht. So wie es aussieht, bin ich per 1. August frei. Offiziell ziehe ich jetzt meine Ferien ein.»

Darben müssen Top-Militärs wie Knutti deswegen nicht: Bis zur regulären Pensionierung mit 65 kriegen sie 80 bis 90 Prozent ihres Lohnes. Ob sie nun in Ehren abtreten – oder nicht: «Rücktrittsgründe haben keinen Einfluss auf die Höhe der Pensionsregelungen», sagt VBS-Sprecher Endrich. «Massgebend sind die personal- und vorsorgerechtlichen Bestimmungen des Bundes.» Der geschasste Luftwaffen-Chef erwartet nicht viel: «Die Armee gehört nicht zur Privatwirtschaft. Bei uns gibts keine goldenen Fallschirme. Niemand sagt: Jetzt muss der zwar gehen, aber wir schauen, dass es ihm weiter gut geht.»

Hier handle es schliesslich um den Bund. Da gebe es Reglemente, und die würden jetzt genau angeschaut. «Mehr als das Minimum werde ich bestimmt nicht bekommen», ist Knutti überzeugt. «Ich hoffe nur, dass die mich nicht verseckeln.» Jetzt zeige sich, ob Freundschaften echt waren. «Oder ob man mich behandelt wie einen Aussätzigen.»

Sicher ist: Knutti fühlt sich ungerecht behandelt. «Ich war 39 Jahre lang bei der Luftwaffe. Seit der RS. Fast mein ganzes Leben, manchmal jede Minute. Jetzt ist das vorbei. Dieses Kapitel ist abgeschlossen. Jetzt mache ich ein neues auf.»

In der Zeitung

Unglücks-Kadi frei und abgetaucht Der Kugelgrill auf seinem Vorplatz bleibt getarnt. Und auch Yves M. versteckt sich.
play Walter Knutti: Der gefeuerte Korpskommandant wollte Unglückskadi in den Generalstab holen. (Keystone)

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