Exklusiv! Kosovare gesteht «Ich habe den Schwinger aufgeschlitzt»

  • Publiziert: 17.11.2011, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Sandro Inguscio

Es war das spektakulärste Verbrechen des Sommers. Vor einer Beiz in Interlaken schlitzt ein Kosovare dem Schwinger Kari Zingrich die Kehle auf. Drei Monate später gesteht er die Tat.

Rasim R.* (31) sitzt im Gefängnis in Thun BE. Endlich gibt der Kosovare zu, dass er dem Schwinger Kari Zingrich (45) am 15. August im Restaurant Waldrand in Interlaken die Kehle aufgeschlitzt hat!

«Mein Mandant hat nach der zweiten Einvernahme ein Geständnis abgelegt. Er konnte sich im Gefängnis dazu durchringen, endlich reinen Tisch zu machen und alles zuzugeben», sagt sein Pflichtverteidiger Krishna Müller.

Sein Bruder belastet ihn

«Vorher hatte er gesagt, dass er zwar an jenem Abend dort gewesen sei, allerdings nicht zugestochen habe.» Doch die Serviertochter des Restaurants und sogar sein Bruder Jeton R.* (33) belasteten ihn schwer.

Und so lautet die Version des Tathergangs von Rasim R: An jenem Montagabend fahren die zwei Brüder zum Restaurant. «Sie seien schon total betrunken gewesen, als sie dort ankamen», sagt Rasims Anwalt.

Auf der Terrasse trinkt Kranzschwinger Kari Zingrich gerade sein Feierabendbier.

«Scheiss-Schweizer»

Als Jeton R. auf der Terrasse raucht, soll ihn Zingrich auf das Fumoir hingewiesen haben. Der Kosovare reagiert gereizt, es kommt zu Pöbeleien. Die beiden Brüder bezeichnen den Schwinger laut Zeugen als «Scheiss-Schweizer». Bis Zingrich genug hat und aufsteht.

«Er hat Jeton den Rest seines Biers über das T-Shirt geschüttet. Als der mächtige Schwinger plötzlich aufstand, empfand Rasim dies als bedrohlich», sagt Anwalt Müller. Rasim R. zückt sein Messer. «Es war ein weisses Arbeitermesser, das er im Zug gefunden habe. Er trug es auf sich wie ein Sackmesser.»

Der Kosovare sticht zu.

In seiner Aussage gibt Rasim R. jetzt zu: «Ich dachte, er bedroht meinen Bruder. Ja, ich habe den Schwinger aufgeschlitzt.»

Verteidiger: keine sinnlose Bluttat

«Es ist zwar ein Notwehr-Exzess und die Tat unentschuldbar. Aber nach dem heutigen Stand der Ermittlungen ist klar, dass es sich nicht mehr um eine sinnlose Bluttat handelt, bei der mein Mandant ihn grundlos aufgeschlitzt hat», erklärt der Pflichtverteidiger.

Das Verfahren gegen Rasim R. läuft unter «versuchte vorsätzliche Tötung». Ihm droht eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren.

«Durch den Alkoholkonsum und die Notwehrhilfe könnte die Strafe weit niedriger ausfallen», sagt Müller. «Rasim R. will seine Haft frühzeitig antreten und voraussichtlich Antrag auf eine bedingte oder teilbedingte Strafe stellen.»

*Name der Redaktion bekannt

play Kari Zingrich wieder daheim. Mit Gattin Ottilia und den Töchtern Olivia und Lea (v. r.) im Alpkäsekeller. (Peter Gerber)

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