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Die Rollläden des mehrstöckigen Eckhauses in Birchwil ZH sind gschlossen. Zwei Männer in Zivil sichern die Eingangstür, ein Dritter beobachtet die Umgebung aus einem Auto. Es sind Militärpolizisten des Spezialdetachements (MP Spez Det.), einer Elitetruppe der Berufsarmee für besondere Einsätze. Ihr Auftrag an diesem Donnerstag: das Haus im Zürcher Unterland zu durchsuchen, in dem Yves M. (29) lebt, unter dessen Kommando fünf Kameraden auf der Kander in den Tod fuhren.
Akribisch durchsuchen Polizisten jeden einzelnen Raum – stundenlang. Sie sind auf der Suche nach Beweismaterial, nach Unterlagen, welche die Umstände des Schlauchboot-Dramas klären sollen. «Die Aktion wurde am Morgen angeordnet», bestätigt Silvia Schenker, Sprecherin der Militärjustiz.
Anwesend ist auch Kadi Yves M. selbst. Schwer bewacht muss er den Ermittlern Auskunft geben. «Der Verdächtige ist bei einer Hausdurchsuchung immer dabei, wenn sein Gesundheitszustand dies zulässt», erklärt Schenker. Yves M. wurde beim Drama auf der Kander verletzt. Von seinem Kieferbruch ist eine Woche nach dem Unglück aber kaum etwas zu sehen.
Der Unglücks-Kadi steht unter Polizeiarrest. Rund um die Uhr wird er bewacht. Schenker: «Es gibt keinen unkontrollierten Kontakt zu seinem Umfeld.» Die Befürchtung: M. könnte sich mit anderen Beteiligten absprechen oder Beweise verschwinden lassen.
Kurz vor 17 Uhr öffnet sich die Haustür in Birchwil. Die Ermittler laden Ordner, Dokumente und Taschen in ein bereitgestelltes Auto. Den Computer von M. haben die Männer bereits in der Militärunterkunft in Wimmis sichergestellt. Die Hausdurchsuchung ist vorbei, die Militärpolizisten ziehen ab. Yves M. wird auf dem Rücksitz eines Range Rovers zurück in den Arrest verfrachtet.
Wie brisant die sichergestellten Dokumente sind, will die Militärjustiz nicht sagen. Doch einen Tag nach der Hausdurchsuchung geht alles Schlag auf Schlag. Zuerst wird bekannt: Die Untersuchungen werden auf Vorgesetzte des Kadis ausgeweitet. Die Bootsfahrt stand nicht auf dem Wochenplan und nicht auf dem Tagesbefehl. Wer war informiert? Und wer bewilligte die verhängnisvolle Fahrt?
Am Freitag hat das Schlauchboot-Drama auf der Kander dann Konsequenzen auf oberster Ebene: Luftwaffenchef Walter Knutti (59) muss gehen. Er wollte den Unglückskommandanten vor drei Wochen in den Generalstab befördern, obwohl M. mit 29 Jahren noch zu jung für diese Funktion ist. Knutti hatte den Antrag weitergereicht, ohne ihn zu prüfen. Sonst hätte er merken müssen, dass Yves M. in der Armee umstritten ist. Bei ehemaligen Militärkameraden gilt M. als «Rambo».
«Er genoss es, wenn er als Korporal Rekruten quälen konnte», erzählt Roger L.* Er erlebte den Unglücks-Kadi während seiner RS-Zeit in Thun BE. «Wenn man nicht spurte, gabs Strafen. Einmal schikanierte er mich damit, dass ich mitten in der Nacht Patronenhülsen auflesen musste.»
Seine Militärbesessenheit soll Yves M. auch neben dem regulären Dienst ausgelebt haben. 2003 gründet er eine eigene Privatarmee, die «Swiss Army Group». Als Präsident kommandiert er eine Gruppe von gut 30 Männern. Mit dieser Truppe unternimmt er zwölf Tage vor dem Drama eine Bootsfahrt auf der Kander, damals im sicheren unteren Teil des Flusses.
Warum er zwei Wochen später die tödliche Stelle flussaufwärts wählt, wird die Untersuchung zeigen. Vorläufig bleibt Yves M. unter Polizeiarrest. Die Rollläden an seinem Haus in Birchwil werden noch einige Zeit geschlossen bleiben.
* Name der Redaktion bekannt
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Unglücks-Kommandant Yves M. (29). (Swiss Army Group)