Grindelwald: ein Meter – und der See überläuft

  • Publiziert: 14.55 Uhr, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Michael Scharenberg
play Der Gletschersee ob Grindelwald: Wenn der Damm bricht, gibts eine Katastrophe. (ZVG)

GRINDELWALD BE – Die Meldungen vom Gletschersee ob Grindelwald am Wochenende machen Angst. 300'000 Kubikmeter Geröll waren abgestürzt und zum Teil in den See gelangt. Zum Glück hielt der Damm. Aber Entwarnung gibt es nicht.

Die aktuelle Lage sieht so aus: 200000 Kubik sind weiterhin in Bewegung, bilden aber keine unmittelbare Gefahr. Durch das Schmelzwasser steigt zudem der Seepegel. Bis zur Dammoberkante fehlt inzwischen nur noch ein Meter. Diese Situation wird jedoch als nicht kritisch beurteilt. Es ist aber weiterhin möglich, dass es zu einem unterirdischen Spontanausbruch oder zu einem gemächlichen Ausfliessen des Gletschersees kommt. Mittlerweile hat der See ein Volumen von gut 2,2 Millionen Kubikmetern (2 Milliarden Liter).

Also: Eine unmittelbare Gefahr besteht nicht. Trotzdem kann niemand eine Garantie geben, dass es nicht zur grossen Katastrophe kommt. Da bleiben Fragen.

Warum wird der See nicht einfach abgepumpt?

«Das ist technisch nicht möglich», erklärt der zuständige Oberingenieur Nils Hählen gegenüber Blick.ch. «Jeden Tag fliessen neu 100 bis 400 Millionen Liter in den See», rechnet er vor. «Die grössten in Frage kommenden Armee-Pumpen schaffen aber nur maximal 60 Millionen Liter. Dies im 24-Stunden-Betrieb. Wegen des steilen Ufers aber erreichen sie diese Leistung nicht. Ausserdem wäre der Standort der Pumpen extrem lawinen- und steinschlaggefährdet – für das Personal nicht zumutbar.»

Warum werden die Bewohner nicht evakuiert?

«Das ist nicht realistisch», sagt Hählen. Eine totale Spontanentleerung würde zwar grosse Schäden anrichten. Es ist aber überhaupt nicht klar, dass es dazu kommt. Oder wann. «Wir können die Leute nicht permanent auf Vorrat evakuieren!», erklärt Hählen. Ausserdem hat es in den letzten Jahren wiederholt allmähliche Entleerungen gegeben, deren Risiko kalkulierbar ist.

Wie wird der See überwacht?

«Selbstverständlich ist ein ausgeklügeltes Überwachungssystem installiert», sagt Hählen. Der Pegel des Gletschersees und der Abfluss in der Lütschine würden an verschiedenen Stellen mit Messinstrumenten überwacht. «Im See befindet sich eine Drucksonde, über welche die jeweilige Wasserspiegelhöhe bestimmt werden kann.» Innerhalb der Gletscherschlucht, also im obersten Abflussbereich eines Gletscherseehochwassers, sei eine Abflussmessstelle installiert.

Der Seepegel und die Abflussmessstelle in der Gletscherschlucht lösen bei einer kritischen Unter- oder Überschreitung der Messwerte bei den zuständigen Stellen Alarme aus.

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