BERN - Zum vierten Mal innert acht Tagen flog gestern nahe der Berner Reitschule eine Flasche auf ein Polizeiauto. Jetzt hat sich eine Gruppierung offen zur Provokation bekannt.
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Polizeieinsatz gestern Nachmittag vor der Reitschule (Bild: Andreas Blatter/Berner Zeitung)
Der Zeitpunkt könnte nicht brisanter sein. Gestern Mittag treffen sich Stadtpräsident Alexander Tschäppät, Sicherheitsdirektor Reto Nause und Polizei zur Sitzung. Das Traktandum: Sicherheit bei der Reitschule.
Von dem Meeting wissen nur Eingeweihte. Doch gleichzeitig fliegt von der Neubrückstrasse eine Flasche auf ein Polizeiauto. Der Täter flieht in das alternative Berner Kulturzentrum Reitschule. Es ist der vierte solche Vorfall innert acht Tagen.
Heute früh bekennt sich «Die faulste Stadtguerilla der Welt» zum Flaschenwurf. Sie ist keine Unbekannte: Regelmässig ruft sie offen zur Gewalt gegen Behörden auf.
«Ausgerechnet jetzt», sagen unisono Befürworter und Gegner der Reitschule zum neusten Vorfall. Denn ein neuer Leistungsvertrag mit der Stadt durchläuft ab nächsten Montag die vorberatende Kommission und kommt am 15. November vor den Stadtrat.
Er soll den Kulturbetrieb in der Reitschule wieder auf eine offizielle Basis stellen. Zehn Tage vor den Wahlen ist da ein Schlagabtausch garantiert.
«Das ist einmal mehr ein Zeichen, dass man den Vertrag nicht unterschreiben darf», sagt SVP-Stadtrat und Reitschul-Gegner Erich Hess. Er macht kein Geheimnis aus seinem Misstrauen gegenüber den Verantwortlichen. «Die Sicherheit hatten sie noch nie im Griff. Das war schon immer so.»
Doch Insider vermuten hinter der Gruppierung einen harten Kern, der eine friedliche Zusammenarbeit mit den Behörden bewusst sabotieren will. Ivan K., selbst der Reitschule nachstehend, beschreibt sie offen als «das immer gleich doofe Dutzend, das zuverlässig in heiklen politischen Phasen zu provozieren weiss.»
In einer Mitteilung grenzt sich die offizielle Reitschule selbst aber nur teilweise davon ab. Vielmehr wirft sie der Polizei vor, die anschliessende Durchsuchung sei «schikanös und für die Medien inszeniert» gewesen. Denn von den Verantwortlichen der Reitschule sei niemand in den Vorfall involviert.
Laut dem Generalsekretär Peter Tschanz von der Stadtberner Präsidialdirektion ist die rechtliche Lage aber klar. Die Ermittlungen dürfen heute und auch in Zukunft nicht behindert werden. «Ob mit oder ohne neuen Vertrag. Das war ein krimineller Akt, da gilt das geltende Recht.»
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