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Finster ist es draussen, als Zimmermann Toby (20) im blauen VW Golf an den Bahnübergang «Gryden» bei Boltigen BE fährt. Er lässt seinen Arbeitskollegen Werner Grünenwald (47) einsteigen, wendet auf den Schienen – und dann kracht es.
Der BLS-Regionalzug hat das Fahrzeug erfasst und schleudert es fort. Grünenwald bleibt auf der Strasse liegen, tödlich verletzt. Toby muss von der Feuerwehr aus dem Wrack geholt werden. Auch er stirbt noch auf der Unfallstelle.
Das war am vergangenen Freitag, 7 Uhr. Der Moment, in dem Christian (55) und Sonja (49) Rothenbühler ihren Toby verlieren.
«Es wird immer ein Rätsel bleiben, weshalb er den heranbrausenden Zug übersehen hat», sagt Vater Christian. «Vielleicht musste es so sein. Ein tragisches Schicksal.»
Sonja sagt: «Es ist schon seltsam. BLICK schreibt jetzt das zweite Mal über Toby. Einen Bericht gabs schon nach seiner Geburt am 8.8. 88 – als meine Schwester und ich am gleichen Tag unsere Buben zur Welt brachten.»
Es ist nicht der einzige Zufall: «Toby war für den Fahrer eingesprungen, der sonst Werner zur Arbeit abholt», erzählt Vater Christian weiter. Eigentlich hätte auch noch Werners Tochter mitfahren sollen. Aber sie war krank und blieb daheim. «Und wäre der Stift, den Toby sonst auch noch mitnimmt, da gewesen – dann müssten wir jetzt vier Opfer beklagen.»
Der unbewachte Bahnübergang «Gryden» in der Weissenbachebene – eine Todesfalle. Jetzt haben schon vier Menschen hier ihr Leben verloren. 2002 traf es ein deutsches Touristenpaar.
Doch seit Jahren spricht man über eine Absicherung. «Echt etwas getan wurde nichts», klagt Christian. «Ich muss mir fast selber Vorwürfe machen: Ich hätte mich nach dem Unfall von 2002 stärker für eine Sanierung einsetzen sollen.»
Jetzt setzt Tobys Familie ein ungewöhnliches Zeichen: «Anstelle von Blumenspenden gedenke man einer Spende an die Behörde (BAV und BLS) für einen sicheren Bahnübergang Grydsteg. Dass Toby und Werner und die zwei deutschen Touristen Elke und Horst nicht vergebens gestorben sind.»
So steht es in ihrer Todesanzeige für Roby.
Die Rothenbühlers hoffen auf einen rechten Betrag. «Die zuständigen Stellen sollen merken, dass sie endlich spuren müssen», betont Christian. Und Sonja ergänzt: «Mittlerweile wissen wir nämlich, dass schon mehrere Menschen an diesem Übergang nur dank viel Glück unversehrt davongekommen sind.»
Ein wütender Aufruf – doch der BLS macht er wenig Eindruck. Sprecher Hans Martin Schaer teilte zur Todesanzeige dürr mit: «Kein Kommentar.»