Schock-Ausstellung in Bern Die hässliche Seite von Österreich

BERN - Deppen, Dreck und Dosenbier: Eine Ausstellung in Bern zeigt die abstrusen Folgen von Billig-Skitourismus in Österreich. In der Schweiz geht man derweil genau in eine andere Richtung.

  • Publiziert: 27.09.2012
  • Roger Baur

In seiner Heimat ist Lois Hechenblaikner bereits ein vielgeschmähter Mann. Die Ausstellungen des Österreichers werden regelmässig verschrien und verklagt. Nun hat der Fotograf in Bern Asyl gefunden. Das Alpine Museum zeigt seine Ausstellung «Intensivstationen». Die wirft einen erschreckend ehrlichen Blick hinter die Kulisse des alpinen Tourismus.

Da gibts etwa hydraulische Rohrsysteme zu sehen, die Alkohol aus riesigen Tanks direkt in die Alp­hütte pumpen. Oder viele Berge, aber nicht die aus dem Prospekt. Sondern Berge von leeren Fässern, von Harassen, von Abfall. Besonders interessant: Kein Motiv wurde illegal fotografiert, alles ist offen zu ­sehen. Nur schaut halt in der Regel keiner hin.

Klasse statt Masse in der Schweiz

Auch Jerun Vils, Präsident der Destination Berner Oberland, kennt die Bilder. «Wir haben in der  Schweiz eine andere Strategie. Wir setzen auf Qualität statt auf Quantität.»

Das heisse etwa, dass im Berner Oberland keine neuen Skigebiete erschlossen werden, während Österreich immer noch zubaue. «Wir dürften nicht vergessen», sagt Vils, «unser bestes Produkt ist die intakte Natur.»

Gerade Destinationen wie Interlaken ist deshalb in den letzten Jahren gelungen, eine neue, teils weit her gereiste Kundschaft anzuziehen.

play Was übrig bleibt: Abfallberge aus den Alpen im Berner Alpinmuseum.

Beliebteste Kommentare

  • Marianne  Müller , Uster
    Ja super! Qualität statt Quantität in der Schweiz??
    Dann könnte man ja beim Service Personal beginnen:
    Freundlichkeit, Professionalität, Sprachbeherrschung...

    Was sich hinter den Kulissen abspielt, das weiss ich aus eigener Erfahrung nicht, aber bei obigen Punkten hat das österreichische Servicepersonal eindeutig mehr Punkte!
  •   Jacqueline Castrischer , Flims
    "unser bestes Produkt ist eine intakte Natur". Ich finde diesen Leitfaden sensationell und erhaltenswert. Nur ist dies nicht der Leitfaden der Mehrheit. Ich lebe auch in einem Tourismusort. Aber wenn man im Frühling unter den Bergbahnen entlangläuft, stehen einem die Haare zu Berge!! Müll, Zigarettenstummel, alles, was man sich vorstellen kann. Im Wald liegen Batterien, Papier, Dosen usw. Und jeder zweite trägt während dem Bummel durch die Natur Kopfhörer. Was bekommt man denn da noch mit von unserer Natur? Ich glaube, viele Menschen können das Geschenk unserer Natur nicht mehr schätzen, sie ist einfach da und schenkt uns unser Leben. Aber sie wird mit Füssen getreten. Traurige Tendenz einer degenerierenden Gesellschaft.

Alle Kommentare (10)

  • Franz  Steiger
    Tirol is das Mallorca der Wintertouristen, das ist nicht erst seit heute so. Wer auf Partyferien steht, soll doch dahin. Ist das wirklich ein Problem?
    • 28.09.2012
    • 33
    • 8
  • Pierre-André  Bertholet , Aarau
    Die ICH-SAUF-UND-SPASS Gesellschaft fordert halt ihr Tribut! Gerade die Österreicher sind darauf spezialisiert diese Art von Touristen zu locken. Hauptsache die Kasse stimmt! Die Folgen sind katastrophal!
  • Fritz  Meyer , Amden
    Österreich ist vor den Kulissen super, die Schweiz hinter den Kulissen. Die Schweiz brauchte nur noch das Österreichische Personal, dann wären wir eine super Ski - Destination...
  • Peter  Montanari , Rayong
    Tu felix Austria! Diese Story stinkt zum Himmel. In Österreich ist der Service um Welten besser und das Personal etwa 100 Mal freundlicher. Leider, leider!
  • Meyer  Hans
    Wir haben in der Schweiz eine andere Strategie. Wir setzen auf Qualität statt auf Quantität.» Leider ist dieser Motto noch nicht bei alle Wirte und Hotelbesiter angekommen !
    • 28.09.2012
    • 82
    • 9
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