Drama am Lagginhorn: Top-Alpinist übt Kritik Deutsche zu geizig für den Bergführer?

Am Lagginhorn sterben fünf deutsche Touristen. Sie waren ohne Bergführer unterwegs. Haben sie am falschen Ort gespart?

  • Publiziert: 05.07.2012, Aktualisiert: 06.07.2012
  • Interview: Adrian Schulthess
play Pierre Mathey (46), Vizepräsident des Schweizer Bergführerverbands. (Montage Blick.ch)

Herr Mathey, auch Sie ­waren schon auf dem Lagginhorn. Der Berg gilt als «vergleichsweise einfach». Was heisst das?
Pierre Mathey: Wir stufen das Lagginhorn als mittelschwer ein. Das bedeutet, dass man sich im Gebirge grundsätzlich zurechtfinden muss, dass man mit den Grundsituationen am Berg vertraut ist. Es gibt beim Aufstieg Stellen, die über Gletscher führen. So etwas sollte man nicht zum ersten Mal ­machen, wenn man aufs Lagginhorn will. Und man muss die richtige ­Ausrüstung haben, Pickel und Steigeisen zum Beispiel.

Das Lagginhorn liegt 4010 Meter über Meer. Könnte diese Höhe beim Unfall eine Rolle gespielt haben?
Auf dieser Höhe wird die Luft schon dünn. Auch das sollte man bereits kennen, wenn man aufs Lagginhorn will. Ich kenne die Details auch nicht, könnte mir aber vorstellen, dass der Zurückgebliebene Probleme mit dem Atmen hatte.

Auf der Tour waren auch zwei Teenager, darunter ein 14-jähriges Mädchen. Ist das nicht zu jung zum Bergsteigen?
So pauschal kann man das nicht sagen. Ich habe selber Kinder in diesem Alter und nehme sie oft mit auf Touren. Alles ist eine Frage der Erfahrung. Ich kann mir theoretisch schon vorstellen, dass eine 14-Jährige die nötige Erfahrung hat für einen Berg wie das Lagginhorn.

Die fünf Deutschen waren nicht angeseilt, als sie abstürzten. ­Haben Sie eine Erklärung dafür?
Das wäre reine Spekulation. Es kann am Berg an fast jeder Stelle gute Gründe dafür geben, nicht angeseilt zu sein. Ich selber kann dazu nur sagen: Meine Gruppen führe ich grundsätzlich immer angeseilt auf das Lagginhorn. Ab der Weissmies-Hütte. Auch auf dem Gipfel bleibt das Seil dran, ebenso für den Abstieg.

Die Gruppe stammt nicht aus dem Wallis, war aber ohne Bergsteiger unterwegs. Ein Fehler?
Wenn man die nötige Erfahrung hat, kann man das Lagginhorn schon ohne Bergführer besteigen. Im Zweifel sollte man ­sicher einen mitnehmen. Wir machen aber schon länger die Beobachtung, dass gerade deutsche Bergsteiger versuchen, möglichst günstig davonzukommen. Dann ist halt der Bergführer einer der ersten Posten, die man einspart. Auch wenn es nur um ein paar Hundert Franken geht.

Beliebteste Kommentare

  • B. 
    Sehr Pietätlos so eine Berichterstattung, es sind fünf Menschen gestorben und es verunglücken nicht nur Deutsche in den Schweizer Bergen!
  • Werner  huber , Freistaat
    Ich hab es noch und noch erlebt, wie Touris in Halbschuhen oder Sandaletten über dem Gletscher wanderten. Wie sie in SAC Hütten übernachteten, am Abend eine 1:25000 Landeskarte ausbreiteten um für den nächsten Tag die Route zu besprechen. Leider war keiner dabei, überhaupt die Karte zu lesen. Keine Ahnung der Höhenkurven. Ihr Weg führte über die steilsten Felswände und Blanken. Und sie irrten planlos umher.

Alle Kommentare (21)

  • Florian  Ruppen , via Facebook
    Was sind schon ein paar hundert Franken wenn mann das ganze auch mit dem Leben bezahlen kann??

    Florian Ruppen
  • S.  Wander
    Vielleicht müssen die Schweizer Bergführer einfach günstiger werden und nicht auf den hohen Preisen verharren.
  • Marc  Hubertus , via Facebook
    Um ein paar 100 Franken geht? Was kostet so eine Begleitung "Bergführer-In" auf das Lagginhorn?
  • Michael  Schurr , via Facebook
    Da hört man den Bergführerverband ja aufs Deutlichste heraus, wie billig ist das denn!
    Hauptsächlich sehen viele Bergsteiger darin die Herausforderung, eine Tour selber zu planen und auch selbst mit allen Abwägungen und Entscheidungen selbst durchzuführen und sich nicht von einem Bergführer ab der Hütte am Seil hochziehen zu lassen. Was hat das bitte mit Alpinismus zu tun? Das ist Tourismus.
    Und zum anderen hat nicht jeder ein paar hundert Franken mal eben locker in der Hosentasche.
    • Rahim  Zulkifli
      Bin voll Ihrer Meinung. Wer eine Tour nur mit Bergführer durchführen kann oder übersteht, der gehört schon grundsätzlich nicht auf die Tour. Das wäre als ob man verlangt, bei jeder Autofahrt nur noch mit Fahrlerer unterwegs zu sein.
      • 06.07.2012
      • als Kommentar auf Michael  Schurr
      • 20
      • 32
  • Martin  Buerger , via Facebook
    Wer kein Geld hat, der fährt nicht in die Schweiz. Wenn sie hätten sparen wollen, dann wären sie morgens mit der Hohsaasbahn raufgefahren, und hätten nicht noch in der Weissmieshütte genächtigt und zu Abend gegessen. Geizkragen zahlen nicht doppelt für eine Ferienwohnung und Weissmieshütte.
    • Hugo  Meier
      Es gibt auch viele Leute die überaus viel Geld haben und dann am falschen Ort sparen und geizig sind.
      • 06.07.2012
      • als Kommentar auf Martin  Buerger
      • 18
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