
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Die Notiz ist ebenso klein wie brisant. «Angemeldete Fusionen: Railion Deutschland AG/BLS AG (Schweiz)» meldet das deutsche Internetportal Finanz Nachrichten.de. Und beruft sich auf das deutsche Bundeskartellamt. Tatsächlich: Auf dessen Homepage wird das Geschäft als «laufendes Zusammenschlussverfahren» geführt.
Railion Deutschland. Das ist die Gütersparte der Deutschen Bahn (DB). Sie arbeitet im Güterverkehr seit Jahren mit der Schweizer Lötschbergbahn BLS zusammen.
Heisst die Fusions-Meldung, dass die mächtige und börsenkotierte Deutsche Bahn die kleine, aber feine Schweizer BLS schluckt? Und mit ihr das Juwel am Lötschberg , die neue, 4,3 Milliarden Franken teure Neat-Röhre?
Genau das befürchtet SP-Ständerat und Verkehrspolitiker Ernst «Aschi» Leuenberger. Dass der Lötschberg in die Hand der Deutschen gelangen könnte. «Über Nacht, mit einem Federstrich, könnte so etwas passieren», sagt Leuenberger (siehe Interview).
Denn rein rechtlich gehört der neue Lötschberg -Basistunnel heute noch der BLS, deren Tochterfirma BLS Alptransit ihn im Auftrag des Bundes gebaut hat.
Nicht nur der neue Tunnel. Zur BLS gehören auch die alte Bergstrecke zwischen Spiez und Brig sowie weitere Teilstücke wie die Bahnstrecke Bern-Neuenburg.
Und das kann alles über Nacht an die Deutschen gehen? Weil der Bund es bisher versäumt hat, die BLS-Infrastrukturen in eine von ihm kontrollierte Gesellschaft einzubringen?
Die Sprecher sowohl von BLS in Bern als auch der Deutschen Bahn in Mainz wiegeln ab. Sie dementieren, dass die Fusion der Unternehmen ansteht.
Die Fusionsmeldung in Deutschland beziehe sich auf den Entscheid vom letzten Juni, wonach die BLS AG der Deutschen Bahn weitere 25 Prozent der Aktien der BLS Cargo AG verkaufe, sagt BLS-Sprecher Hans Martin Schaer. 20 Prozent hat die DB bereits.
«Der Verkauf eines Aktienpakets von 25 Prozent gilt in Deutschland als Fusion», sagt Schaer. Es gehe somit auch nicht um die ganze BLS, sondern nur um die Tochter BLS Cargo.
«Über die genannten 45 Prozent hinaus gibt es wirklich keine neue Meldung», beteuert auch Marek Polster, Sprecher der Deutschen Bahn.
«Diesen Behauptungen traue ich nicht», sagt indessen Ständerat Leuenberger. «Meine These, dass sich die DB die bernische Staatsbahn schnappen will, erhalte ich aufrecht.» Darum drängt er darauf, dass sich der Bund endlich die Kontrolle über die BLS-Schienen und Tunnels verschafft.
Der Lötschberg in deutscher Hand? Was meinen Sie dazu?
play
4,3 Milliarden Franken kostete das Bauwerk, durch das jetzt die Züge rollen. (Keystone)