Neue Züge Der Mutz kommt schon zu spät

BERN - BE - Der erste neue Doppelstöcker der Berner S-Bahn ist getauft. Und startet bereits mit Verspätung.

  • Publiziert: 04.09.2012
  • Roger Baur

Ein kleines Baby ist er nicht. 102 Meter lang, 211 Tonnen schwer. Und mit 160km/h schon raus aus dem Krabbelalter: Der erste von 28 Mutzen, wie die neuen Doppelstäcker der BLS genannt werden, wurde heute Nachmittag offiziell eingeweiht. Berns Stapi Alexander Tschäppät und Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer tauften ihn auf den Namen «Stadt Bern».

Massiv mehr Passagiere

Auch die anderen 27 werden ­Namen und Wappen von Gemeinden erhalten. Und sie seien ein Meilenstein, betonte Egger-Jenzer in ­ihrer Eröffnungsrede. Schliesslich habe die Zahl der Passagiere deutlich stärker zugenommen als noch in den 90ern prophezeit. Und für die nächsten Jahre rechnet man nochmals mit massiv mehr Passagieren: 70 Prozent etwa auf der Achse zwischen Bern und Thun.

Da reichen die 30 Prozent mehr Platz, die ein Doppelstöcker bietet, schon nicht mehr. Die BLS wird darum auf überlasteten Linien teilweise Doppeltraktionen einsetzen: Zwei Doppelstöcker werden zu einem Zug zusammengesetzt.

Neue Züge im Monatstakt

Ab sofort wird alle drei bis vier Wochen ein neuer Zug ausgeliefert und dann auf der Linie der S31 exakt 22 Tage getestet. Die «Stadt Bern» nimmt ihre Fahrt am 19.September auf, zwei Wochen später als geplant. Ursprünglich sollte der erste Doppelstöcker bereits morgen in Betrieb gehen. «Wir sind immer noch im Zeitplan», sagt BLS-Sprecher Hugo Wyler. «Aber wir brauchen noch ein paar Tage für letzte technische Arbeiten.»

Ab Dezember verkehren dann die neuen Züge auf der S1, ein Jahr später auf der S6 und ab April 2014 auf der S3. Ab Ende 2014 ist dann auf den Linien der S1, S3, S31 und S6 immer ein Doppelstöcker anzutreffen, ausser bei Zusatzzügen.

Spuhler will weiter liefern

Die neuen Züge stammen aus den Produktionshallen der Stadler Rail. Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler bot sich bei der Taufe an, auch künftig Züge nach Bern zu liefern. Schliesslich hat die BLS vermutlich schon bald Aufträge für neue Einstöcker zu vergeben.

«Du konntest es nicht lassen, die Züge in den Farben Deiner Partei zu liefern», feixte Berns Stapi Alexander Tschäppät auf dieses Angebot und mit Blick auf die grün-weisse Lackierung der neuen Züge. Spuhlers Antwort: «Die nächsten liefere ich Dir gerne in rot».

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