Lokführer der Matterhorn Gottahrd Bahn sind wütend: «Der Glacier-Express ist ein Fahrplan-Killer»

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Mario Gertschen
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FIESCH - VS - Der Glacier-Express ist bei Touristen beliebt. Einheimische und Lokführer sind aber nicht gut auf den Prestige-Zug zu sprechen. Der Grund: Er sorgt permanent für Verspätungen.

Die Schuldfrage am tragischen Unglück des Glacier-Express bei Fiesch, bleibt mindestens bis morgen Freitag unbeantwortet. Dann wollen die zuständigen Behörden in Brig wieder informieren. Doch ein menschliches Versagen rückt immer mehr in den Vordergrund.

Fuhr der Lokführer zu schnell aus der Kurve und hebelte so die letzten drei Wagen aus den Schienen? Musste die japanische Touristin (64) ihr Leben lassen, weil der Zug Verspätung hatte und die Zeit aufholen musste?

Gemäss dem Personal der Matterhorn Gotthard Bahn (MGB), die auch den Glacier Express betreibt, ist das durchaus möglich.

Lokführer des Touristenzugs unter Druck

Denn schon seit längerem stehen die Lokführer der MGB unter enormen Druck den Fahrplan einzuhalten, wie der «Walliser Bote» heute berichtet. Das Problem: Es gibt nur eine Spur. Zum Kreuzen bleiben den Zügen nur wenige Stellen.

Seit der neue Lötschberg-Basistunnel eröffnet wurde, hat sich die Zugsdichte noch einmal erhöht.

Glacier-Express bevorzugt

Vor allem der Glacier-Express ist berüchtigt für seine Verspätungen. Unter dem MGB-Personal wird er deshalb spöttisch «Fahrplan-Killer» genannt. Aber natürlich werde der Touristenzug den «normalen» Zügen vorgezogen. Folge: Die Regionalzüge erhalten Verspätungen, die praktisch nicht mehr aufzuholen sind.

Dem widerspricht der Direktor der Bahn Hans-Rudolf Mooser: «Die Priorität hat bei uns der Regionalverkehr. Wir wollen pünktlich abfahren und pünktlich ankommen», sagt er. «Wenn der Regionalverkehr pünktlich ist, schafft es auch der Glacier-Express durchzukommen.»

Gleise verformt

Zum Problem mit dem dichten Fahrplan komme hinzu, dass vor allem zwischen Oberwald und Fiesch die Gleise in einem miserablen Zustand seien, klagen die MGB-Lokführer. Die Verformungen seien an einigen Stellen so stark, dass der Zug diese nur sehr langsam passieren könne.

War die Unglücks-Stelle zwischen Fiesch und Lax eine dieser «Langsamfahrstellen»? Die Pressenkonferenz morgen wird es zeigen, ob einer der oben genannten Gründe den Unfall verursachte. Immerhin, die Matterhorn Gotthard Bahn will in den nächsten Monaten die heiklen Stellen ausbessern.

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