Sorry Darbellay krebst zurück

  • Publiziert: 04.12.2009, Aktualisiert: 13.01.2012

BERN – Keine neuen Friedhöfe für Muslime oder Juden. CVP-Chef Darbellay bereut jetzt diese provokative Aussage: «Es tut mir leid! So habe ich das nicht gemeint.»

Da hat sich der CVP-Präsident bös in die Nesseln gesetzt: Seine Forderung, künftig keine neuen Friedhöfe für Muslime oder Juden zu genehmigen (im BLICK), brachten Christophe Darbellay massive Proteste ein: «Ich erhielt in kürzester Zeit massenhaft erboste Mails», gibt er zu. Jetzt bereut er seine Aussagen im Lokal-TV «Tele M1».

Was hat Darbellay genau zur Friedhofsfrage gesagt? Hier der Ausschnitt aus der Diskussion:

Darbellay: «In Zukunft, das muss ich sagen: Keine Ausnahmen mehr schaffen!»
Moderator: «Auch nicht für jüdische Friedhöfe?»

Darbellay: «Die, die es gibt, soll man behalten. Aber in Zukunft sollte man keine separaten für Muslime machen.»

Moderator: «Für keine Religion?»

Darbellay: «Nein. (...) Es gibt so viele neue Sekten und spirituelle Bewegungen. Wenn man für jede ein Sonderzügli fahren will, geht das nicht mehr.»

Und was will Darbellay damit gemeint haben? «Es ging mir ums Prinzip: Wir gehören alle zur gleichen Schweizer Gemeinschaft», erklärt der Parteipräsident. Davon solle es möglichst wenige Ausnahmen geben. «Aber das kann man nicht in 15 Sekunden erklären», entschuldigt er sich.

Juden sauer

Die Reaktion auf Darbellays gestrige Forderung sind heftig. Der Chefredaktor von «Tacheles», Yves Kugelmann, sagte gegenüber dem «Tagesanzeiger»: «Was Darbellay herausposaunt, ist ein Rückschritt hinter die Aufklärung und völlig unchristlich» Und der Generalsekratär der israelischen Cultusgemeinde Zürich, Frédéric P. Weil, erklärte: «Wenn Herr Darbellay diese Aussage gemacht hat, ist dies bedenklich und für uns nicht akzeptabel. Wir hoffen, dass die Anti-Minarett-Initiative nicht der Startschuss gewesen war, die Religionsfreiheit in diesem Land einzuschränken.»

CVP: Vergeben, vergessen

Die CVP ist eiligst bemüht, den Darbellay-Schnitzer wieder auszubügeln und versucht, die Aussage ihre Präsidenten möglichst in ein anderes Licht zu rücken: Mit seiner Forderung nach einem jüdischen ujnd muslimischen Friedhofsverbot habe sich Darbellay vor allem gegen eine «Sonderbewillgung für kleine Sekten» ausprechen wollen. Die Aussage sei unglücklich gewesen, so CVP-Generalsekretär Tim Ney gegenüber «News».
play Reden, dann denken? Christophe Darbellay. (Karl-Heinz Hug)

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