Schock-Studie Beim Super-Gau in Mühleberg liegt die halbe Schweiz flach

BERN - Eine Untersuchung malt schwarz: Im Falle eines Super-GAU in Mühleberg fehlen in vielen Gemeinden die überlebenswichtigen Jod-Tabletten.

  • Publiziert: 06.09.2012
  • Roger Baur
play Das Kernkraftwerk Mühleberg im Kanton Bern (Archiv) (sda)

Die Liste ist quälend lang. Von A wie Affoltern bis Z wie Zollikofen müssten die Bewohner von über 70 Gemeinden umgesiedelt werden. Das ist das Horror-Szenario, das heute die Greenpeace-nahe Organisation «Ärzte für Umweltschutz» vorgestellt hat.

Sie stützt sich dabei auf eine Studie des Öko-Instituts Darmstadt. Und kommt zum Schluss, dass ein wesentlich grös­seres Gebiet betroffen wäre, als heute in behördlichen Plänen festgelegt. Die ziehen nämlich um Mühleberg drei runde Kreise.

Nach den Berechnungen der Organisation würde der Wind die Strahlung aber viel ­weiter tragen. Etwa nach Burgdorf oder Sursee, die nach den Katastrophenplänen in nicht gross ­gefährdeten Gebieten liegen und darum auch keine Jod-Tabletten an die Bevölkerung verteilt haben.

Behörden sind am überprüfen

Das sei problematisch, kritisiert Christian Küppers vom Öko-Institut Darmstadt. «Die Bevölkerung in Burgdorf muss die Tabletten innerhalb von zwei Stunden einnehmen. Bern bleibt sogar nur eine Stunde.»

Zuständig für die Planung der Zonen ist das eidgenössische Nuklear­sicherheitsinspektorat Ensi. Laut Sprecher Anton Treier überprüft die Arbeitsgruppe «IDA Nomex» im Auftrag des Bundesrates ohnehin die heutigen Schutzzonen sowie alle anderen Massnahmen im Katastrophenfall

Und Antonio Sommavilla, Sprecher der Mühleberg-Betreiberin BKW: «Unsere ganzen Massnahmen sind darauf ausgerichtet, die Sicherheit der Anlage zu erhöhen. Sodass es gar nie soweit kommt.»

Beliebteste Kommentare

  • Tim  Felder , Bern
    Beim GAU ist mir die Tablette eh egal. Das ist eh nur fürs Gewissen
  • Hanspeter  Niederer
    Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: wenn die Kiste hochgeht, werden wir von Behörden und Betreibern vernehmen, dass man den GAU unmöglich hat voraussehen können und folgedessen wird niemand schuld sein und die Verantwortung tragen müssen !

Alle Kommentare (14)

  • gabor  balazs , Bolligen
    Echt? Liegt die "halbe" Schweiz flach? Guter Witz, gut abgeschrieben. Als wüssten das normale, gebildete Menschen nicht schon längst. Wow was für eine tolle neue Erkenntnis.
    • 07.09.2012
    • 11
    • 4
  • Carina  König , Stuttgart
    Bei einem Supergau hilft auch keine Jodtablette mehr. Die ist nur Placebo fürs schlechte Gefühl. Diese Maßnahme erinnert mich an Übungen bei einem möglichen Angriff mit Atomwaffen: Friesennerz anziehen und flach auf den Boden legen, Beine geschlossen halten. Das ist leider kein Scherz, wurde so propagiert. Hilft aber genau so gut/schlecht wie Jodtabletten. Was macht einer, der kein Jod zu sich nehmen darf, weil seine Schilddrüse sonst verrückt spielt?
    • 07.09.2012
    • 6
    • 3
  • Felix  Ruthishauser , Marseille
    Feines Foto, idylisch romantisch? Und doch ist es ein Kernkraftwerk. Geht das Ding in die Luft, helfen keine Tabletten mehr in der ganzen Schweiz! Aber wir brauchen sie wie die Staumauererhöhung am Grimsel!
  • Hanspeter  Niederer
    Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: wenn die Kiste hochgeht, werden wir von Behörden und Betreibern vernehmen, dass man den GAU unmöglich hat voraussehen können und folgedessen wird niemand schuld sein und die Verantwortung tragen müssen !
  • Anita  Leimgruber , Unterentfelden
    Da ist hätte ich, wenn ich im Wallis und in der Genfersee-Region leben würde, viel, viel mehr Angst, wenn durch ein Erdbeben eine Staumauer z.B. Grande Dixence bersten würde.
    Ich lebe praktisch in Sichtweite eines KKWs und fühle mich sicher.
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