Geklaut im grossen Stil Bedingte Bussen für Berner Polenbande

BERN - Eine polnische Gangsterbande klaute sich quer durch Berns Kleiderläden. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft entschieden: Drei der Vier kommen fast ungeschoren davon.

  • Publiziert: 07.08.2012, Aktualisiert: 08.08.2012
  • Von Roger Baur

In einem Geschäft in der Innenstadt klauten sie Kleider im Wert von 4000 Franken; in einem anderen bedienten sie sich für 1500 Franken. Und weitere Ware im Wert von 10'000 Franken lag im Kofferraum: Zwei polnische Paare liessen es sich in Bern am letzten Donnerstag so richtig gut gehen – bis sie von den Ladendetektiven der City-Spion gestellt und der Polizei übergeben wurden (Blick.ch berichtete).

Unterdessen haben die Gaunerpärchen das Land verlassen. Alice Born von der Kantonspolizei: «Die Staatsanwaltschaft hat den Fall bereits abgeschlossen.»

Und die Staatsanwaltschaft will weder zum Fall, noch zum Urteil im Detail Stellung nehmen. Sie lässt nur ausrichten: Einer der vier Angeschuldigten erhielt eine unbedingte, die anderen drei eine bedingte Busse.

Laut unbestätigten Informationen hatte einer der Männer schon einmal in einer anderen Schweizer Stadt gestohlen. «Gegen die anderen drei Personen lag nichts vor», sagt Born.

Wird nun die Viererbande im Ausland wieder straffällig, wird sich den Behörden dort das genau gleiche Bild präsentieren. Denn solche Vorfälle werden auf europäischer Ebene noch nicht ausgetauscht. Darum hat die Staatsanwaltschaft auch nur Einblick in Delikte dieser Art, wenn sie in der Schweiz verübt wurden. Es sei denn, die ermittelnden Behörden fragen aktiv in der Schweiz nach.

Klauen unterhalb des Radars

Dabei wissen Experten schon lange: Banden nutzen diesen Umstand aus und entgehen mit wohldosierten Straftaten dem europäischen Radar.

Laut City-Spion-Chef Pavel Müller ist der Vorfall von letzter Woche kein Einzelfall: «Erst vor kurzem stellten wir ein russisches Männer-Duo in Bern. Auch sie klauten Kleider im grossen Stil.»

Der bandenmässig organisierte Klau-Tourismus habe stark zugenommen. «Und darum kann ich solche Urteile nicht verstehen. Das zieht noch mehr Ladendiebe an.» Besorgt ist man auch bei Bern-City, der Vereinigung der Läden.

Direktor Sven Gubler: «Das Urteil ist unglücklich. Es fehlt das Signal, dass so etwas ganz klar eine Straftat ist.» Auch er sieht die Gefahr einer Einladung an Ladendiebe. «Mit Glück haben sie Kleider für mehrere Tausend Franken, mit Pech halt eine Busse.»

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