Ausdrucken Weiterleiten
 

Bärenpark-Drama: Bär Finn liegt im Sterben

BERN - Der geistig behinderte Mann, der gestern in den Bärenpark in Bern stieg, ist ausser Lebensgefahr. Der Bär, der ihn angegriffen hatte, wurde durch eine Schusswunde lebensgefährlich verletzt.

Aktualisiert um 13:53 | 23.11.2009
Nach der dritten Nacht steht der angeschossene Bär wieder auf. (Bärenpark Bern)
Der Bär liegt im Stroh. In seinem Pelz steckt eine Medikamenten-Gewehrspritze. (ZVG)
Tief ist die Wunde am Einschussloch in Finns rechter Brustwand. (ZVG)
Angriff: Finn stürzt sich auf den Eindringling. Nur knapp überlebt der geistig behinderte Alex. (Marc Beyeler/Keystone)
An Kopf und Bein blutend, liegt der Mann regungslos im Gras. (Marc Beyeler/Keystone)
Der Bär schubst sein Opfer im Gehege umher. (Marc Beyeler/Keystone)
Feuerwehrmänner bergen den Verletzten aus dem Bärenpark. (Marc Beyeler/Keystone)
Bären-Junge Finn, als er noch im Tierpark Dählhölzli lebte. (Keystone)
Bär, was begehrst du mehr? Noch guckt sich Finn etwas skeptisch im neuen Stall um. Doch schon bald gehts zum ersten Mal in die grosse Anlage – der allerschönsten weit und breit. (Karl-Heinz Hug)
(Keystone)
(Keystone)
(Keystone)
(Keystone)
Macht Männchen – und hoffentlich Junge: Braunbär Finn. (Keystone)
Sicht auf das Gehege des Baerenpark mit dem Treppengelaender und der dahinter liegenden Mauer, ueber die ein Mann am Samstag, 21. November in das Gehege kletterte und auf das Rasenstueck darunter fiel.
Pelziger Schwertransport: Viele Männer waren nötig, um Fell-Koloss Finn, 250 Kilo, umzugsgerecht zu verpacken und ihn in den neuen Berner Bärenpark zu bringen.. (Karl-Heinz Hug)
Bergung des Verletzten im Bärenpark. (Keystone)
Der Bärenpark kurz vor seiner Eröffnung: Im Bereich der Betonwand links unten hat sich die Bärenattacke ereignet. (Keystone)
Der geistig behinderte 25-Jährige, der am Samstag Nachmittag in den Bärenpark gestiegten ist, befindet sich laut den Ärzten nicht in Lebensgefahr. Bisher konnten jedoch noch keine genaueren Angaben zum Umfang seiner Verletzungen gemacht werden.

Der Bär Finn wurde jedoch nicht, wie erst angenommen, von der Gewehrkugel am Hinterteil getroffen. Nach Angaben von Bernd Schildger, Direktor des Bärenparks und des Tierparks Dählhölzli, erlitt er eine lebensgefährliche Schusswunde an der rechten Brustwand. Das Tier werde jetzt rund um die Uhr überwacht.

Richtiger Entscheid


Der Entscheid des Polizisten, auf den Bären zu schiessen, sei angesichts der dramatischen Situation jedoch richtig gewesen, fügte Schildger an.

Ob das Sicherheitsdispositiv des Bärenparks anzupassen sei, bleibe offen, sagte der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause. Das hängt nicht zuletzt von den Ergebnissen der polizeilichen Ermittlungen ab. Es sei aber schwierig, sich vollständig gegen ein aktives Eindringen in das Gehege zu schützen.

«Wir konnten nur hilflos zuschauen.»


Das Drama ereignete sich am Samstag kurz nach 16 Uhr. Der Mann kletterte laut Augenzeugen absichtlich in das Bärengehege am Aareufer – und rannte auf Finn zu. «Der Bär stürzte sich sofort auf ihn. Er biss ihn ins Gesicht, in den Kopf, ins Bein. Das Opfer war blutüberstömt», so der Augenzeuge Philipp Müller (46), Berner FDP-Stadtrat. «Es war einfach schrecklich. Wir konnten nur hilflos zuschauen.»

Erst die angerückte Polizei befreite den Mann aus den Pranken des Zootiers. «Ein Polizist gab aus einem Gewehr einen Schuss ab. Das Tier blutete und liess von seinem Opfer ab.» Zunächst rückte Finn nur wenige Meter ab, zog sich dann aber in seine Höhle zurück. Dort schlossen ihn die Wärter ein.

Erst vor einem Monat war der Berner Bärenpark feierlich eröffnet worden. Ausser Finn lebt auch Björk in der Anlage, ein Weibchen. Finn wurde 2006 im Zoo Helsinki geboren und kam 2008 nach Bern. (SDA/lec)

4 Tote nach Angriffen im alten Bärengraben

Zuletzt war Ende 1998 ein betrunkener Mann zum Entsetzen anderer Besucher des Bärengrabens beim hinteren Gehege über die Umzäunung gestiegen und dann ausgerutscht. Dem Tierpfleger gelang es jedoch die Bärin Selma abzulenken und den verletzten Mann zu retten. In den 140 Jahren davor, in denen der Bärengraben in Betrieb war, wurden vier Menschen von Bären getötet. Bereits in den Vorfällen von 1860 und 1896 war Alkohol im Spiel. 1920 fiel ein Mann in den Graben und starb später im Spital.1926 schliesslich ereignete sich ein Verkehrsunfall. Ein Velofahrer, dessen Bremsen versagten, raste auf den Bärengraben zu, wo er ein Kind mit sich in die Tiefe riss. Der Bärenwärter stellte sich den Bären mutig entgegen, doch das Kind starb später im Spital.

Verletzt liegen gelassen: Nach wenigen Minuten konnte der Verletzte geborgen werden.
Bergung des Verletzten im Bärenpark. (Keystone)
Bernd Schildger, Direktor Baerenpark und Tierpark Daehlhoelzli.
Sicht auf das Gehege des Baerenpark mit dem Treppengelaender und der dahinter liegenden Mauer, ueber die ein Mann am Samstag, 21. November in das Gehege kletterte und auf das Rasenstueck darunter fiel.
Reto Nause, Gemeinderat Stadt Bern, orientiert die Medien.
Der Bärenpark kurz vor seiner Eröffnung: Im Bereich der Betonwand links unten hat sich die Bärenattacke ereignet. (Keystone)
Bernd Schildger, Direktor Baerenpark und Tierpark Daehlhoelzli.
Bernd Schildger, Direktor Baerenpark und Tierpark Daehlhoelzli.
Sicht auf das Gehege des Baerenpark mit dem Treppengelaender und der dahinter liegenden Mauer, ueber die ein Mann am Samstag, 21. November in das Gehege kletterte und auf das Rasenstueck darunter fiel.
Sicht auf das Gehege des Baerenpark mit dem Treppengelaender und der dahinter liegenden Mauer, ueber die ein Mann am Samstag, 21. November in das Gehege kletterte und auf das Rasenstueck darunter fiel.
Umfrage
Muss der Zaun um den Bärenpark erhöht werden?
Ja, so ein Drama darf nicht mehr passieren.
22.78%
Nein, das ist ein bedauerlicher Einzelfall.
64.74%
Der Park ist eine gigantische Fehlinvestition.
12.48%

Das sagen Blick.ch-Leser
Markus Rieder, Bern - 13:18 | 24.11.2009
» Klar kann man jetzt den Behinderten nicht in die Pfanne werfen. Aber wenn der Mann offensichtlich so unzurechenfähig ist, kann ich mir nicht vorstellen dass er nicht entsprechend betreut wird. Meiner Meinung nach hat die Aufsicht des Bärenparks sowie die des behinderten Menschen versagt!
Recht Haber, Dübendorf - 01:21 | 24.11.2009
» Zeigt mal wieder die Intelligenz der Frau (an Mona gerichtet). Weil der gottverdammte Bär nicht sofort einschläft, sonder vorher den Menschen tötet. Ist das denn so schwer?
Marc Weber, Luzern - 00:12 | 24.11.2009
» Bitte liebe LeserInnen! Die meisten schreiben: Der arme Finn! Ich kann auch nicht verstehen wieso dass der Bär nicht betäubt wurde, aber dass Ihr alle den behinderten Menschen vergessen, dass kann ich von unserem Volk nicht verstehen!!! Da ist einzig allein der Park und die Aufsichtsperson schuld! Hoffe die werden beide bestraft und den beiden Opfer geht es bald wieder gut!
Mona Clément, Dornach - 21:37 | 23.11.2009
» Ich kann nicht verstehen, wieso der Bär mit einer so hinterlistigen Waffe gestoppt wurde und nicht mit einer Betäubungswaffe! Überall bei öffentlichen Raubtier-Gehegen sollten Betäubungsgewehre für Polizei und Sicherheitsleute zugänglich deponiert sein! Man kann doch nicht einerseits eine teure, "artgerechte Anlage für die Berner Bären" bauen und andererseits bei einem solchen - wenn auch traurigen - Zwischenfall den artgerecht gehaltenen Bären derart grausam verletzen. Ich bin sprachlos!!
Nicole Brouard, zürich - 20:04 | 23.11.2009
» Wann lernt der Mensch endlich das natürliche Verhalten eines Tieres zu respektieren!?- Ein anscheinend "geistes gestöhrter" Mann klettert in einen Bärengraben und Schuld ist nun der böse Bär! Hätte ein Betäubungsschuss nicht auch genügt? Wo sind die Polizisten wenn es darum geht randalierende Menschen zu erschiessen?..Ich hoffe das Finn überlebt sonst ist es ein weitere trauriger Siegszug eines Menschen der das Tier nicht respektiert.
Marktplatz