Bern schlägt zurück: Gelder für OECD gesperrt!

  • Publiziert: 07.04.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
play Auf die Franken aus Bern muss die OECD nun warten. (Keystone)

BERN – Die Schweiz lässt ihre Müskelchen spielen: Aus Rache für die heimlich erstellte schwarze Liste liefert der Bund der OECD vorläufig keinen Rappen ab.

Die Schweiz wäre beinahe auf der schwarzen OECD-Liste der Steueroasen gelandet. Dafür will der Bund die internationale Wirtschaftsorganisation nicht ungeschoren davonkommen lassen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat nun für die Organisation budgetierte Gelder gesperrt.

Dies sagte Seco-Chef Jean-Daniel Gerber heute gegenüber der Onlinepublikation «cash». Der Budgetposten von 136000 Euro (207000 Franken) sei für die Förderung der Zusammenarbeit zwischen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und den grossen Industrie- und Schwellenländern (G20) vorgesehen gewesen.

Harsche Kritik an Gurría

An einer OECD-Ratssitzung von heute hätten die Schweizer Vertreter OECD-Sekretär Angel Gurría harsch kritisiert. Zusammen mit Österreich, Belgien und Luxemburg habe die Schweiz schliesslich das Veto gegen den Budgetposten eingereicht, sagte Gerber. Es handle sich dabei um eine «gewichtige symbolische Geste».

Unter folgender Bedingung wird das Veto laut Gerber zurückgezogen: Der Generalsekretär müsse versichern, dass er die Schweiz informiert, wenn er der G20 Dokumente aushändigt. Gurría habe sich aber bisher «uneinsichtig» gezeigt, monierte Seco-Sprecherin Rita Baldegger.

Stein des Anstosses war ein Entwurf für eine Schwarze Liste der «unkooperativen Staaten», die Gurría ohne Wissen des OECD-Mitglieds Schweiz hatte ausarbeiten und den G20 zustellen lassen (Blick.ch berichtete). Gerber bezeichnete dieses Verhalten als «unannehmbar».

Calmy-Rey doppelt nach

Kritik an den Listen der OECD übte heute auch Aussenministerin Micheline Calmy-Rey. Sie seien nach rein politischen Kriterien zusammengestellt worden. Die Schweiz müsse nun ihre weitere Strategie mit Ländern wie Österreich und Luxemburg abstimmen.

Für die Schweiz sei es wichtig, dass für alle Länder die gleichen Kriterien gälten, sagte Calmy-Rey an einem Medienanlass in Bern. «Die Kriterien der OECD sind politisch, man kann das anschauen wie man will. Es gibt keine qualitativen Kriterien», sagte Calmy-Rey. (SDA/hhs)

Nationalratskommission kritisiert Konzeptlosigkeit des Bundesrates

BERN – Die Aussenpolitische Kommission (APK) des Nationalrates ist mit dem Bundesrat nicht zufrieden. Im Streit um das Bankgeheimnis und die Rechtshilfe bei Steuerdelikten fehle eine klare Strategie. Die APK hat ihr Augenmerk auf die Stellung der Schweiz in der OECD gerichtet. Der Bundesrat hatte beschlossen, dass die Schweiz die Standards der internationalen Wirtschaftsorganisation bei Steuerhinterziehung und Steuerbetrug übernimmt. Die APK war sich «mit grosser Besorgnis» einig, dass der Bundesrat kein Konzept für den Umgang mit den gegenwärtigen Problemen habe. Sie übte scharfe Kritik an der Tatsache, dass der Bundesrat die gesetzlich verankerten Mitwirkungsrechte des Parlamentes und der APK missachtet habe. Der Bundesrat habe die APK über seine Absichten und Beschlüsse nie informiert oder konsultiert. (SDA)

Gurría einbestellt

Auch die Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK) ist muff: Sie hat OECD-Generalsekretär Angel Gurría zu einer Anhörung bestellt. Die WAK stört sich an der Rolle der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Zusammenhang mit Listen von Staaten, die beim internationalen Informationsaustausch bei Steuerfragen nicht kooperieren. Die WAK wirft der OECD vor, mit dem beitragszahlenden Mitgliedsland Schweiz schlecht umgesprungen zu sein. Gurría habe auf die Anfrage der WAK noch nicht geantwortet, sagte de Buman.

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