Bergbahnen geben US-Botschafterin Recht Wir sind eine Drängler-Nation

ADELBODEN - BE - Obwohl sonst so diszipliniert, herrscht vor den Schweizer Skiliften dafür umso mehr ein Chaos. Das moniert jedenfalls die US-Botschafterin der Schweiz nach einem Skitag im Berner Oberland. Sogar Bergbahn-Direktoren geben ihr jetzt teilweise Recht.

Am Anfang des Gitters eine schöne Linie, statt einer dichten Menschentraube: So diszipliniert stehen die Amis an - im Gegensatz zu den Schweizern. play

Am Anfang des Gitters eine schöne Linie, statt einer dichten Menschentraube: So diszipliniert stehen die Amis an - im Gegensatz zu den Schweizern.

AP

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Ennetbadener Schüler im Glück Aargauer Schule halbiert Ufzgi
2 Drama bei Alpabzug in Charmey FR Pferd brennt durch - mehrere Verletzte
3 Experte zum Abgang von Gottéron-Zenhäusern «Männer wollen gute Väter...

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
22 Kommentare
Fehler
Melden

Die höchste amerikanische Diplomatin in der Schweiz Suzi LeVine (42) schrieb nach einem Skitag in Adelboden BE auf Facebook: «Ich versuche, das Chaos vor Skiliften in Schweizer Skigebieten zu verstehen.» Die Liftbetreiber müssten sich besser organisieren, fordert sie (Blick.ch berichtete).

Schweizer stehen «weniger kultiviert» an

Sogar die Bergbahn-Direktoren geben ihr jetzt teilweise Recht.. «Die Schweizer stehen vielleicht etwas weniger kultiviert als Amerikaner oder Engländer in einer Warteschlange», sagt Silvio Schmid, Präsident der Bündner Bergbahnen, heute zur Südostschweiz. Von «Chaos» will Silvio Schmid jedoch nichts wissen. Unsere Schlangen seien lediglich «anderes organisiert» als die der Amis.

Der Savogninger Bergbahndirektor Leo Jeker hat ebenfalls beobachtet, dass es in Amerika und Kanada weniger Gedränge gibt. «Weil dort eine Mentalität herrscht, die von mehr Disziplin geprägt ist als bei uns».

«Aktiv anstehen»

Blick.ch hat mit einem Mann gesprochen, der es wissen muss: Peter Krafft, Skigebiet-Tester und Geschäftsführer von skiresort.de. «Weltweit gibts tatsächlich unterschiedliche Arten, wie man sich in der Warteschlange anstellt», sagt er.

Im Alpenraum sei das eher ein «aktives Anstellen», während das in Amerika ganz gesittet vonstatten geht. «Dort steigt man sich nicht gegenseitig auf die Skier, wohingegen dies bei uns ganz normal ist und kaum zu Streitigkeiten führt.»  Bei uns fülle man halt jede Lücke, während in den USA und Kanada der Abstand gewahrt werde.

In Amerika würden sich Fremde auch fragen, ob das okay sei, wenn man gemeinsam auf einem Sessellift oder in einem Gondeli fährt. «Das fragt man in der Schweiz oder Österreich höchstens, wenn man sich einen Bügel teilt, wo man ja bloss zu zweit ist».

Peter Krafft erstaunt die Aussage von LeVine deshalb nicht. «Sie ist es sich halt einfach nicht gewohnt. Das ist eine kulturelle Sache.»

Tipps vom Profi

Wer in der Schlange schneller vorwärts kommen will, müsse sich ganz rechts oder ganz links aussen anstellen. «In der Mitte gehts langsamer», weiss Krafft. In Kurven sei der innerste Weg zwar der kürzere, aber der mühsamere.

Besser organisieren könnte man das Anstellen zwar schon, zum Beispiel mit längeren Bändern, sodass keine Traube entstehen kann. Aber in den Alpen fehlt hierzu meist der Platz. Ein Angestellter könnte auch helfen, dass alle Sitze besetzt werden, damit es schneller vorwärts geht.

Verbesserungspotential sieht der Skigebiet-Tester in der Schweiz in der modernisierung der Anlagen. «Mit mehr Kapazität steht man weniger an. Und das ist sehr gefragt.» Hier hinke die Schweiz den Österreichern noch etwas hinterher.

Andere kulturelle Unterschiede fänden sich übrigens auch in weiteren Teilen der Welt. In Japan etwa verbeuge sich der Liftboy bei jedem Gast und wünsche ihm eine gute Fahrt. (ct)

Publiziert am 05.01.2015 | Aktualisiert am 05.01.2015
teilen
teilen
0 shares
22 Kommentare
Fehler
Melden

Hand aufs Herz: Drängeln sie manchmal auch?

Abstimmen

22 Kommentare
  • alois  Leimgruber aus Villmergen
    06.01.2015
    Bei dieser massiven Zuwanderung ist es halt eng geworden in unserem Land, wir spüren das jeden Tag.
  • Dave  McWide 06.01.2015
    Dann geht mal nach China, erst dann wisst Ihr drängeln bedeutet.
  • Jürg  Caviezel , via Facebook 06.01.2015
    Frau LeVine ist keine Diplomatin, sondern eine von der USA aufgrund ihrer Spendensammlung für die Wahl des Präsidenten als Botschafterin ernannt wurde. Als Diplomatin hätte sie sich nicht in die Angelegenheiten des Gastlandes eingemischt.
  • René  Baron , via Facebook 06.01.2015
    In der USA Colorado und Kanada ist der oberflächliche Befund der eigenen Persönlichkeit den sich die Menschen dort immer lautstark und ungefragt mitzuteilen haben ooohhh myyyy Gooood it is soooo amaaaazing ... ohne entsprechenden Abstand auch kaum zu ertragen :-
  • Urs  Dupont aus Küsnacht
    06.01.2015
    Das Problem ist nicht das Drängeln sondern die Gleichgültigkeit der Skiliftbetreiber gegenüber Effizienz. Man lässt auch bei hohem Andrang lieber Sitzkapazitäten frei als dass man sich bequemt, einen Einzeleinstieg einzurichten, trotz jahrelangen Hinweisen.