Tourenskifahrer fotografiert Lawine Begegnung mit dem Tod

  • Publiziert: 23.02.2010, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Gabriel Brönnimann
play Tourenskifahrer Michael Senn fotografierte diese Lawine am Piz Beverin. (8989 Leserbild)

Tourenskifahrer Michael Senn wird Zeuge, wie zwei Tourengänger um ihr Leben fahren müssen. Doch am Piz Beverin ist der Tod gnädig.

Sonntag. Blauer Himmel. Ein wunderbarer Tag für eine Skitour. Nichts deutet darauf hin, dass Michael Senn (24) aus Glis GR bald dabei zuschauen muss, wie zwei Tourenskifahrer um ihr Leben kämpfen.

Senn besteigt am frühen Morgen mit zwei Freunden von Mathon GR aus den Piz Beverin (2997,5 m ü. M.). Wintersportler lieben seine wilden Hänge.

Kurz vor halb elf, Senn ist noch am Aufsteigen. «Wir genossen die Stille. Ich schaute hinüber Richtung Piz Beverin. Dort, ein gutes Stück unter dem Gipfel, traversierten zwei Tourenskifahrer einen Hang.»

Da geschieht es. «Plötzlich löste sich ein Schneebrett, etwa 40 Höhenmeter über den Skifahrern, nur etwa 200 Meter von ihnen entfernt», schildert Senn. «Zuerst hörte man nichts. Dann ein unheimliches, lautes Rauschen, als die Lawine auf die Skifahrer zudonnerte», erzählt Senn weiter.

Michael Senn muss zusehen, wie die zwei Tourengänger am anderen Hang um ihr Leben fahren. «Schrecklich. Ich dachte: Jetzt kommen die unter das Schneebrett.»

«Das Schlimmste», erinnert sich Senn, «war dieses Gefühl der Machtlosigkeit. Wir waren ja mindestens zehn Minuten von denen entfernt, man kann nichts tun ausser zuschauen.» Leise fügt er an: «Und daran denken, ob es wohl reicht, wenn man sie dann sucht und ausgräbt.»

Am Piz Beverin ist der Tod gnädig. Die Skifahrer entkommen der Lawine knapp. Anderswo kennt der Tod kein Erbarmen: Vier Tourenskifahrer sterben am Wochenende in Lawinen. Zwei am Samstag am Tomülpass im Safiental GR. Je einer oberhalb von Realp UR und von Scuol GR (BLICK berichtete).

Michael Senn: «Ich war so unbeschreiblich froh, dass den Skifahrern nichts passiert ist!»