Bedingte Strafen Jeder 3. Vergewaltiger muss nicht in Knast

Letztes Jahr wurden 82 Vergewaltiger rechtskräftig in der Schweiz verurteilt, davon kamen 26 Täter mit einer bedingten Strafe davon.

Der Platzmangel in Schweizer Gefängnissen ist nicht mehr so dramatisch, dennoch braucht es mehr Haftplätze. (Symbolbild) play
Bei schweren Sexualdelikten sprechen die Schweizer Richter oft nur bedingte Strafen aus. Keystone

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Letzte Woche begann der Prozess im Mordfall Adeline. Der angeklagte Fabrice A., ein vorbestrafte Mehrfachvergewaltiger, höhnte vor dem Genfer Kriminalgericht, die milde Strafe für sein erstes Sexualdelikt sei für ihn «fast ein Freipass zum Weitermachen» gewesen. Tatsächlich werden Vergewaltiger in der Schweiz bis heute mit Samthandschuhen angefasst, wie die SonntagsZeitung berichtet.

Das zeigen die Urteile im Schweizer Strafregister, die das Bundesamt für Statistik (BfS) ausgewertet hat. Ergebnis: Letztes Jahr wurden 82 Vergewaltiger rechtskräftig verurteilt, davon kamen 26 Täter mit einer bedingten Strafe davon. Das heisst: Fast jeder dritte Vergewaltiger bleibt auf freiem Fuss. Nicht einmal die Hälfte der verurteilten Vergewaltiger erhielten eine unbedingte Strafe. Hinzu kommen 17 teilbedingte Strafen, bei denen der Täter nur einen Teil der Haftstrafe absitzen muss.

Nur bedingte Strafen für Ersttäter

Seit 2006, das zeigen die BfS-Zahlen weiter, wurden im Schweizer Strafregister 1155 Urteile wegen Vergewaltigungen eingetragen. Dabei kamen 327 Täter mit einer bedingten Strafe davon und spazierten nach dem Schuldspruch aus dem Gerichtssaal. Ersttäter, sagt Anwalt Carlo Häfeli von der Opferhilfeorganisation Weisser Ring, bekommen «praktisch nur bedingte Freiheitsstrafen». Mit anderen Worten: Für die erste Vergewaltigung gibt es keinen Knast.

«Es gibt Täter», sagt Häfeli, «die lachen einem nach einem solchen Urteil ins Gesicht.» In der Schweiz gebe es ein «krasses Missverhältnis» in der Wertschätzung der verschiedenen Rechtsgüter, kritisiert Anwalt Häfeli. «Für Betrug gibt es sofort eine unbedingte Strafe von drei bis vier Jahren, für eine Vergewaltigung kommen die Täter oft nicht mal einen Tag hinter Gitter».

Sogar für Verkehrsdelikte werde man «zum Teil härter bestraft als für ein Sexualdelikt wie sexuelle Nötigung». Bei der gegenwärtigen Strafpraxis, sagt Tina Krüger von der Opferhilfe St. Gallen, «bleibt sexuelle Gewalt in vielen Fällen ein Kavaliersdelikt.» Das Grundproblem besteht laut dem Kriminologen Martin Killias darin, dass die weitaus meisten Strafen bedingt ausfallen würden. Darin sei die Schweiz «ein Sonderfall», so Killias. «Es gibt kein Land in Europa, wo man nach einer Verurteilung wegen einer schweren Straftat wie Raub, Kindsmissbrauch, schwere Körperverletzung oder Vergewaltigung so selten ins Gefängnis kommt wie in der Schweiz.»

Publiziert am 09.10.2016 | Aktualisiert am 05.01.2017
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  • Marion  Jost aus Schönenwerd
    10.10.2016
    Es liegt nicht am Gesetz selber sondern an den Richtern!! Wenn diese die Möglichkeiten wirklich ausschöpfen würden, sähe es ganz anders aus!! Das gilt auch für das Tierschutzgesetz, man kann dort viel härtere Strafen vergeben aber man tut es nicht!! Die Richter sind hier die Luschen und dort muss man ansetzen!
  • Albert  Eisenring 09.10.2016
    Klar ein weiteres Kennzeichen linker Politik. In ihrer verschrobenen Sicht sind Betrüger rücksichtslose, kapitalistische Egoisten – wobei die Allerschlimmsten Steuerbetrüger sind, da sie die Allgemeinheit und speziell Staatsbedienstete, wie Politiker, betrügen. Bei Gewalttätern hingegen liegt aus linker Sicht die Schuld in der Erziehung und vor allem in der rücksichtslosen, kapitalistischen Gesellschaft, welche für dieses Verbrechen mit immer höheren Steuern und Abgaben zu bestrafen ist.
  • Annemarie   Setz 09.10.2016
    Natürlich werden Vergewaltiger so milde beurteilt in der Schweiz, schliesslich verdienen ihre Verteidiger genug Geld mit deren Verteidigung, und die Gerichte scheffeln Arbeitsstunden noch und noch. Und zudem gibt es hat zu wenig Platz in den Gefängnissen. Also lässt man sie nach Gutdünken wieder ihrem Hobby nachgehen, die Sexualtäter.
  • Gian  Schumacher aus Köniz
    09.10.2016
    die Sache ist doch logisch, oder? Bei den Opfern handelt es sich mehrheitlich "nur" um Schweizerinnen. Wären die Opfer Flüchtlingsfrauen dann würde Frau Sommaruga blitzartig handeln. Und die SVP beschuldigen.
  • Danni  Stufer 09.10.2016
    Ist doch logisch, es braucht im Knast Platz für Leute, die auf völlig freier Autobahn etwas zu schnell fahren, ohne konkrete Gefährdung, geschweige denn jemanden zu verletzen oder zu töten. Arme Schweiz!