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Beatrice Tschanz war Swissair-Sprecherin beim Unglück von Halifax 1998. (Blick / Philippe Rossier)
Frau Tschanz, Sie mussten selbst ein schlimmes Unglück managen – was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von Flug AF 447 hörten?
Beatrice Tschanz: Da kommen natürlich Erinnerungen hoch. Es berührt mich sehr. Vor allem weil ich weiss, dass den Angehörigen und der Fluggesellschaft eine schlimme Zeit bevorsteht.
Was ist das Schlimmste daran?
Die Angehörigen können nicht Abschied nehmen von ihren Liebsten. Sie haben keinen Körper, keine Leiche. Denn dass die Passagiere noch gefunden werden, ist sehr unwahrscheinlich.
Wie verarbeiten die Angehörigen diese Trauer?
Wichtig ist für sie, dass sie an den Unglücksort reisen können. In Halifax kamen diese Forderungen der Angehörigen nach zwei Tagen. Ich denke an die bewegenden Szenen, als die Menschen Blumen ins Wasser warfen.
Das ist bei diesem Unglück kaum möglich.
Eben. Und das ist so schwierig für die Angehörigen. Sie können mit dem Flugzeug über den Atlantik fliegen, können hinausschauen, aber nicht das Meer berühren.
Wie bringt man dies den Angehörigen bei?
Ich hatte damals ein hervorragendes Team, das Swissair Care Team, und wir mussten die richtige Mischung aus Anteilnahme, Sachlichkeit und Mitgefühl finden.
Warum ist diese Mischung so wichtig?
Die Angehörigen brauchen natürlich Mitgefühl, aber vor allem brauchen sie eine Stütze nach dem ersten schlimmen Schock.
Was folgt dann? Wut?
Das kann vorkommen. Man sucht als Betroffener irgendwo einen Schuldigen – das richtet sich dann gegen die Fluggesellschaft.
Aber noch weiss man nicht, was zum Absturz geführt hat.
Und das wird auch noch einige Monate dauern. Vielleicht ist es in einem halben Jahr ermittelt. Da kommt zwischendurch bei den Angehörigen der Opfer der Frust hoch.
Wie kommuniziert man da als Fluggesellschaft?
Sachlich und offen. Aber keine Spekulationen, das darf man sich als Fluggesellschaft nicht erlauben.