Sperre aufgehoben Beamte dürfen wieder auf Facebook surfen

BERN - Mehr als zwei Jahre lang war Facebook für die meisten Angestellten des Bundes gesperrt. Jetzt können die Beamten aufatmen: Mancherorts wird die Seite wieder freigegeben.

  • Publiziert: 16.11.2011, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Georg Nopper
Facebook vertieft die Zusammenarbeit mit eBay (Archiv) play Ein Bild, das in den Büros des Bundes bald wieder zum Alltag gehören wird: Geöffnete Facebook-Internetseite auf einem Computerbildschirm. (sda)

Wer beim Bund beschäftigt war, konnte seit September 2009 bei der Arbeit seine sozialen Kontakte nicht mehr über Facebook pflegen. Damals wurde den Beamten der Zugriff auf die Social-Networks-Seite gekappt. Eine Sonderlizenz zum Facebook-Surfen war allenfalls noch mit einem begründeten Antrag zu kriegen.

Frohe Kunde kam per E-Mail

Damit ist jetzt Schluss: Mehrere Departemente öffnen die Facebook-Pforten wieder für ihre Mitarbeiter. «Die Generalsekretariate der Departemente haben die Angelegenheit nochmals diskutiert», sagt Vizekanzler André Simonazzi gegenüber Blick.ch. Dabei wurde offenbar klar, dass die Bedürfnisse nach Facebook gewachsen waren.

«2009 wurde Facebook grundsätzlich gesperrt, ausser für die Stellen in den Departementen, die das brauchten», sagt Simonazzi. «Heute entscheiden die Departemente frei, ob sie die Seite ihren Mitarbeitern generell öffnen wollen oder nicht.»

Am schnellsten reagierte das Departement von Bundesrätin Doris Leuthard: Beim Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK wurde der Bann jetzt aufgehoben. «Facebook ist für das ganze UVEK freigegeben», heisst es dort. Den Mitarbeitern wurde dies in einem entsprechenden E-Mail mitgeteilt.

EVD folgt per Ende November

Eine Sonderstellung betreffend Facebook hatte seit jeher das Departement von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey. Beim Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA wurde die Sperre gar nie vollzogen – zu wichtig ist die Plattform für die auf der ganzen Welt verteilten Mitarbeiter.

«Zum jetzigen Zeitpunkt ist Facebook im EDA und im UVEK freigeschaltet», sagt Claudio Frigerio zu Blick.ch. Mit dem Volkswirtschaftsdepartement EVD ist schon bald ein drittes Departement mit von der Partie. «Das EVD folgt per 30. November», so der Sprecher des für die Freischaltungen zuständigen Bundesamtes für Informatik und Telekommunikation BIT.

Noch ist nicht überall klar, wie man die Angelegenheit in Zukunft handhaben will. Beim Departement des Innern EDI etwa hat man noch keinen Entschluss gefasst: «Wir klären noch ab, wie wir den Umgang mit Facebook regeln wollen», sagt Sprecherin Katja Zürcher.

Neuer Leitfaden

Als Begleit-Massnahme zur Facebook-Freigabe erarbeitete das Eidgenössische Personalamt in Zusammenarbeit mit der Bundeskanzlei und dem Informatikstrategieorgan Bund einen neuen Leitfaden zum Umgang mit Social Media.

«Geben Sie niemals geheime, vertrauliche oder interne Informationen sowie Personendaten auf Social Media preis und vermeiden Sie Aussagen zu Informationen, die (noch) nicht öffentlich publiziert worden sind», heisst es in der Broschüre.

VBS will nicht

Für einige ist der Appell an die Mitarbeiter offenbar aber nicht sicher genug: Im Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS beissen Social-Media-Freaks auch nach der neuen Regelung auf Granit.

Für die unnachgiebige Haltung wird geltend gemacht, dass sich die Sicherheitsbestimmungen in Ueli Maurers Departement von jenen in den anderen Departementen unterscheiden.

Personalverband: Vorgesetzte gefordert

Jürg Grunder, Verbandssekretär beim Personalverband des Bundes, ist froh über den Gesinnungswandel in Bern: «Wir sind für eine Öffnung von Facebook für Bundsangestellte.»

Was, wenn die neue Freiheit missbraucht wird? Facebook einfach zu sperren, ist für Grunder jedenfalls keine Lösung: «Bei allfälligem Missbrauch ist es Aufgabe der Vorgesetzten, dies bei den Betroffenen zu unterbinden.»