BASEL - Gegen Christoph Eymann (LDP) wurde eine Untersuchung im Zusammenhang mit Schweigegeld eingeleitet. Dieser und ähnlich diffusen Anschuldigungen sieht sich der Basler Erziehungsdirektor schon lange ausgesetzt. Wer steckt dahinter?
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Zielscheibe anonymer Angriffe im Netz: Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann. (sda)
Christoph Eymann soll Schweigegeld gezahlt haben, um seine Ex-Frau vor einer Strafanzeige zu schützen. Ein ausserordentlicher Staatsanwalt ermittelt seit Dienstag in der Sache (siehe Box). Auslöser sind zwei CDs mit angeblich belastendem Material, abgegeben von einer Person, die zurzeit in Haft sitzt.
Wie die «Baz» heute berichtet, behauptet diese Person weiter, insgesamt 150 000 Franken von Eymann für sein Schweigen erhalten zu haben. Dies im Wissen darum, dass er das Geld in eine Hanfplantage investiere.
Der Basler Erziehungsdirektor nennt die Vorwürfe zwar «absurd», ist aber dennoch nicht sonderlich überrascht. «Ich werde seit Jahren aus anonymer Ecke verschiedenster Dinge bezichtigt», sagte Eymann gestern vor den Medien. Steuerhinterziehung, Drogengeschäfte, auch ein Alkoholproblem werden ihm in Blogs und in E-Mails angehängt.
Die Verfasser nennen sich jeweils «R. Jauslin», «Anton Unterrainer» oder «Ari Sloterdijk». Letzterer, angeblich ein Investigativjournalist aus Holland, verschickte auch an die Basler Redaktion des Blick am Abend zahlreiche Mails betreffend Eymann. «Unterrainer» behauptet, ein Rentner in Österreich zu sein, der früher in der Basler Chemie tätig war.
Wer sich hinter den Pseudonymen wirklich versteckt, ist unklar. «Die Mails werden teils von offenen WLANs in Basel verschickt oder führen zu Servern in Südamerika», sagt Eymann.
Ist es Lehrer H.*? Dieser verlor vor einigen Jahren seine Stelle in Basel und bezichtigte Eymann in der Angelegenheit des Amtsmissbrauchs. Auch in diesem Fall wurde vor einigen Monaten eine Untersuchung durch einen ausserordentlichen Staatsanwalt eingeleitet. Das Verfahren wurde jedoch Ende April eingestellt. «Der Mann ist möglicherweise in die Mails verwickelt», sagt Eymann.
Eymann hat seinerseits bereits vor vier Jahren wegen der Verleumdungen eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet. In diesem Zusammenhang untersucht die Basler Staatsanwaltschaft nun unabhängig von der Untersuchung gegen Eymann, ob zwischen dem Urheber der Mails und Blogs und der inhaftierten Person, die angeblich belastendes Material besitzt, eine Verbindung besteht.
Interessant: Wie die inhaftierte Person behauptet auch «Ari Sloterdijk» in einem Mail vom 22. Januar, CD's mit belastendem Material zu besitzen.
«Für mich ist die ganze Sache unangenehm», sagt Eymann. Wegen der anonymen Angriffe musste er auf Anraten von Experten auch schon Personenschutz in Anspruch nehmen. (rrt)
Die Basler Regierung hat am Dienstag einen ausserordentlichen Staatsanwalt eingesetzt. Dieser soll Vorwürfen nachgehen, die Dritte gegenüber Erziehungsdirektor Christoph Eymann erheben. Die Vorwürfe stehen in Zusammenhang mit dem lange zurückliegenden Betrugsfall «Cosco». Eymann hofft auf eine rasche und umfassende Klärung der Angelegenheit, wie das Erziehungsdepartement am Mittwoch mitteilte. Welcher Sachverhalt ihm konkret zur Last gelegt werde, sei ihm nicht bekannt, weshalb er auch nicht dazu Stellung nehmen könne, liess der Erziehungsdirektor Verlauten. Jedenfalls sei er sich keines Fehlverhaltens bewusst, versicherte Eymann. Die Vorwürfe stehen gemäss der Mitteilung offenbar in Zusammenhang mit der Betrugsaffäre «Cosco», die bald 20 Jahre zurückliegt. Der Hauptangeklagte Raffaele Klages war 2001 zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden. Eine Ex-Frau von Eymann war kurzzeitig in die Geschäfte Klages involviert, es kam jedoch nie zu einer Anklage gegen sie. In Zusammenhang mit dem Fall «Cosco» kursieren nach Angaben des Erziehungsdepartements in anonymen Blogs und E-Mails schon seit längerem «diffuse Vorwürfe» gegen Eymann. Dieser habe rechtliche Schritte gegen den oder die anonymen Urheber unternommen. (rrt/sda)