Weil Basel Luxuswohnungen baut Nach 50 Jahren wirft man uns raus!

BASEL - Die Mieter der 22 Wohnungen an der Mülhauserstrasse 26 in Basel wohnen zum Teil seit 50 Jahren dort. Jetzt haben sie alle die Kündigung bekommen.

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Urs (73) und Ursula Wiget (74) sind verzweifelt. Seit 48 Jahren wohnen sie in ihrer 4,5-Zimmer-Wohnung an der Mülhauserstrasse 26 in Basel – jetzt haben sie die Kündigung bekommen.

Weil das Haus komplett umgebaut werden soll, müssen die alten Mieter raus. Doch so schnell will das Paar nicht aufgeben. «Wir kämpfen bis zum letzten Tag für unsere Wohnung», sagt Urs Wiget. 

Bis Mai 2017 sollen alle Parteien ausgezogen sein, wie die Basler «TagesWoche» recherchierte. Neun sind bereits weg. Die restlichen 13 wehren sich gegen den Rausschmiss.

Die Liegenschaft gehört der Pensionskasse Basel-Stadt. Die kantonale Verwalterin Immobilien Basel-Stadt will mit Luxuswohnungen mehr Geld machen. 

Höhere Mieten wegen Novartis-Campus?

Davon erfuhren die Mieter an einer Informationsveranstaltung. «Wir dachten, man würde uns mitteilen, was alles saniert wird», sagt Margrit Benninger (91). «Stattdessen sagte man uns, dass wir alle rausmüssen.»

Auch Benninger wohnt seit 48 Jahren in ihrer Wohnung. Sie ist sicher: «Es geht Basel-Stadt nur um den Profit.»

Mülhauserstrasse 26 play
Das Haus an der Mülhauserstrasse in Basel soll komplett umgebaut werden.  Stefan Bohrer

Denn: Novartis betreibt in umliegender Nähe seinen Campus. Die Mieter sind davon überzeugt, dass die Stadt dies ausnützen will. «Für mich und meinen Mann ist der Rauschmiss eine Katastrophe», sagt Isabel Fernandez (59), die seit 30 Jahren in ihrer Wohnung lebt. «Wir haben uns frühpensionieren lassen und wollten nun unseren Lebensabend in Basel und Spanien verbringen.»

Mit 800 Franken Miete pro Monat ging das. «Nun wissen wir nicht weiter», sagt Fernandez. «Weil wir Enkelkinder in Basel haben, wollen wir nicht permanent in Spanien leben.»

Miete fast verdreifacht

Alle Mieter haben früher für den Staat gearbeitet. Das war eine Grundvoraussetzung für einen Mietvertrag. Die neuen Luxuswohnungen kann sich niemand von ihnen leisten.

«Wir bezahlen für unsere 4,5-Zimmer-Wohnung 970 Franken», sagt Urs Wiget. Nach der Renovation steigt die Miete auf 2600 Franken.

Der Mann von Eliette Pillonel (79) starb vor einem Monat. «Jetzt muss ich auch noch die Wohnung verlassen. Ich weiss nicht, wie es weitergeht.» Auch Pillonel wohnt seit 48 Jahren in ihrer Wohnung. «Hier habe ich Freunde fürs Leben gefunden. Ich habe Angst, allein zu sein.»

Bei Immobilien Basel-Stadt bedauert man die Situation. Die Massenkündigungen seien wegen einer Totalsanierung aber unausweichlich, heisst es in einer Stellungnahme.

Publiziert am 11.11.2016 | Aktualisiert am 18.11.2016
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24 Kommentare
  • marc  klauser aus schmitten
    12.11.2016
    Enkelkinder würden Euch gerne besuchen in Spanien, das ist ja nicht am Ende der Welt.
  • Frowin  Würmli aus Nicht-Ecopop-Schweiz
    12.11.2016
    Diese Rentenfresser sollen dankbar sein, 50 Jahre lang für einen unverschämten Mietzins gewohnt haben zu dürfen. 4,5 Zimmer für weniger als 1000 Stutz mitten in der Stadt: Das ist eine Frechheit! Da subventioniert die Allgemeinheit also jahrelang solche Jammerknochen. Es ist nichts als recht - insbesondere in Zeiten des Trumpinismus - dass man nichts mehr verschenkt. Schon gar nicht an Null-Leister. Raus mit denen, renovieren und endlich faire Mieten verlangen! Der arbeitende Steuerzahler dankt.
  • Roland  Meier aus St.Gallen
    12.11.2016
    Auch staatliche Pensionskassen müssen für ihre Rentabilität sorgen, denn die Sanierungen zahlt immer die Allgemeinheit mit Steuregeldern.
  • Rocco  Martignoni , via Facebook 12.11.2016
    Sie sind auch ein Geldgieriges Person , ein Vermieter legt normal vom Mietzins Geld zurück für Renevationen , aber ein Glück haben Sie wie alle Menschen , mit viel oder ohne Geld sterben sterben alle einmal.
  • Klaus  Fitzgerald 12.11.2016
    Ich kann gut verstehen, dass der Rauswurf aus der langjährigen Schnäppli-Wohnung für die älteren Bewohner ein Schock ist. Doch es ist nicht fair, wenn Langzeitmieter derart marktfremde Mietzinsen bezahlen. Im Endeffekt ist es das Gleiche wie überall: die Jungen subventionierten mit ihren dreimal höheren Mieten die Älteren. Das darf auch nicht sein. Als kleiner Trost bleibt diesen Mietern die Gewissheit, dass sie in den letzten 20 Jahren 10000ende an Mietzinsen gespart haben. Glück gehabt!
    • Nahuiollin  Scherrer , via Facebook 12.11.2016
      OK? auch eine SIchtweise. Nicht die überhöhten Mieten und überrissene Preise sind das Problem, sondern die niedrigen Mieten derjenige, welche die Schweiz aufgebaut haben sind das Problem. Als diese "Alten" Kidner waren, war die CH noch ein Armenhaus! Die Jugnen verdanken Ihnen alles und nicht umgekehrt, nicht da subventionieren. ALV, 5 TAge Woche etc. alles gäbs nicht ohne diese Generation...
    • Remo  Albrecht aus Höri
      12.11.2016
      Ist das wirklich ihre reale Denkensart? Kein Vermieter macht Quersubventionen, die Maxime der Zitruspresse zählt! Junge zahlen für Alte Miete? Schön wäre es, wenn dieses System wie bei der AHV gehen würde....
      Das tragische ist doch, dass diese Bewohner alle für die Stadt gearbeitet haben. Mit Lohn von der Stadt bezahlten sie dieser wieder mittels Mietzins Geld zurück. Denke ihnen wurden keine Alternativen angeboten anhand der Reaktionen. Tragisch was sich Basel erlaubt. Kein Platz für Alte!