Früherer Leiter des RAV-Aussendienstes Basel Vater erstickt Bub

  • Publiziert: 18.12.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Karin Baltisberger und Martin Meier
play Spurensicherung: Der Tatort, eine Parterre-Wohnung an der Thiersteinerallee, wird untersucht. (Stefan Bohrer)

Yven W. (11) ist tot. Erstickt von seinem Vater. Fand dieser keinen Ausweg aus den Schulden?

Tragisches Familiendrama in Basel an der Thiersteinerallee. Am Mittwochabend nach 23 Uhr meldet sich ein Mann bei der Polizei. Er sagt: «Ich habe meinen Buben getötet. Bitte kommen Sie.»

Streifenwagen rücken aus. Thomas W.* (42) empfängt die Beamten im Hauseingang. Sie finden in der Parterre-Wohnung die Leiche von Yven W.* († 11). «Nach ersten Erkenntnissen wurde das Kind erstickt», sagt Kriminalkommissar Markus Melzl.

Thomas W. wird festgenommen und ins Spital gebracht. Denn er hat versucht, sich mit einem Messer selber zu töten. «Er hatte leichte Verletzungen am Arm, konnte das Spital aber inzwischen verlassen», so Melzl.

Noch in der gleichen Nacht informiert die Polizei die Mutter des Buben. Sandra H.* und Thomas W. sind geschieden. Yven lebte bei seinem Vater.

«Er hat dieses Kind so sehr geliebt»

Der 11-Jährige war ein grosser Wrestling-Fan. Seinem Idol, dem US-Wrestler Jeff Hardy, schrieb Yven über Facebook: «Hallo Jeff, du bist der beste Mann auf der Welt. Bitte komm in die Schweiz.»

Mutter Sandra H. steht unter Schock. «Ich bin überzeugt, dass mein Ex-Mann unseren Sohn nicht getötet hat. Er hat dieses Kind so sehr geliebt», sagt sie. Sandra H. vermutet, dass ihr Ex-Mann im Schock sich als Täter ausgegeben hat. Das habe sie auch bei der Polizei ausgesagt.

«Wir schliessen Dritttäter aus», sagt Kriminalkommissar Markus Melzl zu den Aussagen der Mutter.

Was hat Thomas W. zu dieser schrecklichen Tat getrieben? Seit der Heirat mit Sandra H. 1998 kämpft der 42-Jährige mit Schulden, Betreibungen und Pfändungen. Die Liste der Gläubiger ist lang.

«Unsere Finanzabteilung warnte vor ihm»

Thomas W. war zuletzt Leiter Aussendienst beim RAV Basel, dann betrieb er eine Event-Agentur, die Tanzshows und Modeschauen organisierte.

Die Model-Agentur «Look Model Agency» in St. Gallen machte keine guten Erfahrungen mit der Firma von Thomas W. «Nach einer Prüfung seiner Bonität warnte uns unsere Finanzabteilung vor ihm», sagt Look-Geschäftsführer Marcel Weingartner zu BLICK. «Sie würden ihm jedenfalls keinen Vorschuss geben, sagten sie.

Wir setzten ihm eine Frist, und innerhalb dieser hat er dann auch bezahlt.»

Musste Yven sterben, weil sein Vater keinen Ausweg aus den Schulden fand? Die Polizei befragte Thomas W. gestern Nachmittag im Gefängnis. Markus Melzl: «Das Motiv ist noch unklar.»

* Namen der Redaktion bekannt

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