Schlauchboot-Drama Unteroffiziere jagen Rambos

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Adrian Schulthess
Vorwärts, marsch!: Das VBS unterstützt auch «ausserdienst­li­che Tätigkeiten», ­ab­er nur «vernünftige».- Keystone

Fertig lustig in der Armee für durchgeknallte Militärfreaks wie Unglückskadi Yves M.* (29). Die Armee will gnadenlos aufräumen.

Sie verbringen ihre Freizeit auf der Kampfbahn, reden lieber über Waffentypen als über Autos und Frauen, unternehmen zum Spass 100-Kilometer-Märsche und schwärzen sich zum Schutz vor dem Feind das Gesicht, wenns der Weekendausflug erfordert: Mitglieder privater paramilitärischer Vereine. Oder – wie sie Armeechef Roland Nef im «Club» des Schweizer Fernsehens nannte: «Wildwuchs.»

«Da sagt jemand: Jetzt machen wir ein bisschen Militär am Wochenende. Das unterstützen wir nicht», sagt Nef. Er wolle keine Rambos in der Armee.

Keine militärischen Plausch-Vereine wie die Swiss Army Group, gegründet und präsidiert von Hauptmann Yves M. Der beim Schlauchboot-Unglück auf der Kander fünf Wehrmänner in den Tod führte.

Zwar unterstützt das VBS laut Armeechef Nef «ausserdienstliche Tätigkeiten». Mit Geld und Armeematerial. Aber nur die «vernünftigen». Solche, die «Kameradschaft» und «Kitt» fördern. «Vor allem in der Krise haben wir nur eine Chance, wenn sich die Köpfe kennen», sagt Nef.

«Unvernünftige» Vereine will auch der Schweizerische Unteroffiziersverband in Zukunft nicht mehr dabeihaben. Und schon gar keine Rambotypen. «Unsere Meinung dazu ist absolut im Einklang mit Roland Nef», sagt SUOV-Zentralpräsident Rolf Homberger. «Solche Leute wollen wir nicht.»

Die Sektionen des Unteroffiziersverbands sollen jetzt jedes ihrer Mitglieder unter die Lupe nehmen: Gehen die Rambotypen nicht selbst, werden sie rausgeschmissen. «Derzeit haben wir keinen Einfluss darauf, wer in den Sektionen mitmacht. Das wollen wir ändern: Die falschen Leute müssen gehen», sagt Homberger. Das Vorgehen soll an der nächsten Vorstandssitzung besprochen werden.

Speziell auf der Traktandenliste: die Swiss Army Group. Gründer Yves M. war selbst «Chef Sicherheit» der SUOV. Einer der letzten offiziellen SAG-Anlässe war die Schlauchboot-Probefahrt «Tonus 08» auf einem ungefährlichen Teil der Kander. «Umgang im und am Wasser, Verhalten im Schlauchboot», so der Zweck der Übung.

Rund zehn Tage später ist Yves M. erneut mit Schlauchbooten auf der Kander. Dort, wo der Fluss am gefährlichsten ist. Diesmal mit WK-Teilnehmern. Eine Wasserwalze reisst fünf von ihnen in den Tod.

M.s Club habe nie Anlass zu Beanstandungen gegeben, sagt SUOV-Zentralpräsident Homberger. «Jede Übung wurde anstandslos bewil-ligt.» Trotzdem sucht man beim Verband fieberhaft nach einer Lösung: «Die Swiss Army Group ist für die nächste Vorstandssitzung ebenfalls schon traktandiert».

Jetzt sind gute Ideen gefragt: Einfach ausschliessen lässt sich die Rambo-Truppe nämlich nicht: «Aufnahme und Ausschluss ist Sache der Delegierten», sagt Homberger. «Und die nächste Delegiertenversammlung findet erst im Mai 2009 statt.»

*Name der Redaktion bekannt

VBS stoppte Übung der Swiss Army Group

Der private Militärclub von Yves M. hatte von Anfang an nicht immer ein glückliches Händchen bei der Ausflugsplanung: Im Gründungsjahr 2003 musste eine Übung der Swiss Army Group wegen eines VBS-Vetos ausfallen. Neben Freizeitaktivitäten wie einem 100-Kilometer- und vielen weiteren Märschen, einem Security-Einsatz am Open Air St. Gallen und der berüchtigten «Aufnahmeprüfung» wollte das Grüppchen angefressener Militaristen damals auch in die Berge. «20. bis 22. Juni: Ausbildung ‹Verhalten im Gebirge›» stand auf dem Jahresprogramm. Bis der Bund den Ausflug stoppte — «Nichtgewährung von Ausbildungsmaterial», notierte Yves M.

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