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Basel, Montag, 17 Uhr: Auf dem Bartresen des altehrwürdigen Restaurants Schlüsselzunft hat ein älterer Herr sein Bier abgestellt. Im Fasnachtskostüm plaudert er fröhlich mit den Kumpels aus seiner Clique. Immer in Reichweite: Glimmstängel der Marke Philip Morris.
Die Clique heisst «Revoluzer», ihr Sujet lautet «Ver-lumpe». Es bezieht sich auf das diesjährige Kostüm der «Revoluzer», die für die Fasnacht 2010 wieder alte Gewänder ausgegraben haben. Sie selbst sind auf Rosen gebettet – vor allem der Mann mit dem Bier, Ex-UBS-Präsident Marcel Ospel (60).
Der Aufsteiger aus Kleinbasel musste sich nach seinem Abgang zwar im April 2008 von den Insignien der Macht und sämtlichen Mandaten trennen: Als gescheiterter Manager gilt Marcel Ospel in der Geschäftswelt als Geächteter. Geblieben aber sind ihm seine Millionen – Boni aus vielen Jahren. Heute betätigt er sich still und leise als Investor.
Plaudern, lachen und trommeln: Das lässt sich Ospel nicht nehmen. An der Fasnacht in Basel tauchte er auch dieses Jahr auf – wie in allen Jahren zuvor. Der Absturz seiner Grossbank mit einem 50-Milliarden-Abschreiber, die kriminellen Machenschaften von UBS-Vermögensverwaltern in den USA – all dies scheint für Ospel heute kein Thema mehr. Schon gar nicht an der Fasnacht. Auch, ob er sich den drängenden Fragen der Politik im Bundeshaus stellen will, möchte der Gescheiterte nicht beantworten.
Die Mitstreiter von damals dagegen verstecken sich nicht: Sein Nachfolger, Ex-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer, und auch Ex-Konzernchef Marcel Rohner haben versichert, sich den Fragen der GPK oder einer Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zu stellen. Das bestätigten sie vor einer Woche dem SonntagsBlick. Kurer wünscht sich gar einen Auftritt vor TV-Kameras, wie das bei Polit-Hearings in den USA üblich ist.
Noch nicht entschieden hat sich Rohners Vorgänger Peter Wuffli, der die Bank im Juli 2007 verliess. Auf Anfrage sagt er nur: «Im Fall einer Aufforderung würde ich das sorgfältig prüfen.»
Inzwischen fordern Vertreter aller Regierungsparteien immer lauter, dass Marcel Ospel ebenfalls zu befragen sei (siehe Box unten). «Er war für die Gesamtstrategie der UBS zuständig», sagt CVP-Präsident Christophe Darbellay. Und: «Ospel darf als ‹Auslöser› der Krise betrachtet werden.» Darum soll der Banker von der GPK oder einer allfällig einzusetzenden PUK befragt werden, so Darbellay.
Früher präsentierte sich Ospel gern mit Kostüm und Trommel.Diesmal genoss er die Fasnacht nach Möglichkeit abseits der Kameras und versteckte sich meist hinter seiner Larve, wie die Basler ihre Fasnachtsmasken nennen.
Vielleicht muss Ospel sein Versteck aber bald verlassen. Das Parlament berät in der nächsten Session über die Einsetzung einer PUK. Vor der müssen Zeugen wahrheitsgetreu aussagen – sonst können sie bestraft werden. SVP-Politiker Alfred Heer: «Genau deshalb braucht es eine PUK.»
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<b>Musikant</b> In früheren Jahren zeigte sich Marcel Ospel an der Basler Fasnacht noch als stolzer Trommler. (RDB/Blick/Toini Lindroos)