Politiker fordern: UBS-Ospel muss auspacken!

  • Publiziert: 27.02.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Iso Ambühl, Marcel Odermatt, Roman Seiler und Joël Widmer

Versinkt Basel im Fasnachtstrubel, taucht Marcel Ospel auf. Doch auch an den «drey scheenschte Dääg» verliert der Ex-Präsident der UBS kein Wort über sein Versagen.

Basel, Montag, 17 Uhr: Auf dem Bartresen des altehrwürdigen Restaurants Schlüsselzunft hat ein älterer Herr sein Bier abgestellt. Im Fasnachtskostüm plaudert er fröhlich mit den Kumpels aus seiner Clique. Immer in Reichweite: Glimmstängel der Marke Philip Morris.

Die Clique heisst «Revoluzer», ihr Sujet lautet «Ver-lumpe». Es bezieht sich auf das diesjährige Kostüm der «Revoluzer», die für die Fasnacht 2010 wieder alte Gewänder ausgegraben haben. Sie selbst sind auf Rosen gebettet – vor allem der Mann mit dem Bier, Ex-UBS-Präsident Marcel Ospel (60).

Der Aufsteiger aus Kleinbasel musste sich nach seinem Abgang zwar im April 2008 von den Insignien der Macht und sämtlichen Mandaten trennen: Als gescheiterter Manager gilt Marcel Ospel in der Geschäftswelt als Geächteter. Geblieben aber sind ihm seine Millionen – Boni aus vielen Jahren. Heute betätigt er sich still und leise als Investor.

Plaudern, lachen und trommeln: Das lässt sich Ospel nicht nehmen. An der Fasnacht in Basel tauchte er auch dieses Jahr auf – wie in allen Jahren zuvor. Der Absturz seiner Grossbank mit einem 50-Milliarden-Abschreiber, die kriminellen Machenschaften von UBS-Vermögensverwaltern in den USA – all dies scheint für Ospel heute kein Thema mehr. Schon gar nicht an der Fasnacht. Auch, ob er sich den drängenden Fragen der Politik im Bundeshaus stellen will, möchte der Gescheiterte nicht beantworten.

Die Mitstreiter von damals dagegen verstecken sich nicht: Sein Nachfolger, Ex-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer, und auch Ex-Konzernchef Marcel Rohner haben versichert, sich den Fragen der GPK oder einer Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zu stellen. Das bestätigten sie vor einer Woche dem SonntagsBlick. Kurer wünscht sich gar einen Auftritt vor TV-Kameras, wie das bei Polit-Hearings in den USA üblich ist.

Noch nicht entschieden hat sich Rohners Vorgänger Peter Wuffli, der die Bank im Juli 2007 verliess. Auf Anfrage sagt er nur: «Im Fall einer Aufforderung würde ich das sorgfältig prüfen.»

Inzwischen fordern Vertreter aller Regierungsparteien immer lauter, dass Marcel Ospel ebenfalls zu befragen sei (siehe Box unten). «Er war für die Gesamtstrategie der UBS zuständig», sagt CVP-Präsident Christophe Darbellay. Und: «Ospel darf als ‹Auslöser› der Krise betrachtet werden.» Darum soll der Banker von der GPK oder einer allfällig einzusetzenden PUK befragt werden, so Darbellay.

Früher präsentierte sich Ospel gern mit Kostüm und Trommel.Diesmal genoss er die Fasnacht nach Möglichkeit abseits der Kameras und versteckte sich meist hinter seiner Larve, wie die Basler ihre Fasnachtsmasken nennen.

Vielleicht muss Ospel sein Versteck aber bald verlassen. Das Parlament berät in der nächsten Session über die Einsetzung einer PUK. Vor der müssen Zeugen wahrheitsgetreu aussagen – sonst können sie bestraft werden. SVP-Politiker Alfred Heer: «Genau deshalb braucht es eine PUK.»

Keine Lust auf Fotografen

Früher zeigte Marcel Ospel gern, wie gut er an der Basler Fasnacht trommeln kann. Die Medien durften an seinem Hobby teilhaben und das stolze Cliquen-Mitglied fotografieren. «Die Fasnacht ist für mich einer jener raren Momente, in denen ich mich fast völlig aus den grösseren und kleineren Problemen meiner Arbeit ausklinken kann», liess er 2002 verlauten. An die Fasnacht geht Ospel immer noch – Fotografen aber meidet er.

Und: Sein Engagement für die Schnitzelbänggler lässt etwas nach. Nach sieben Jahren gibt er den «Schnaabelbryys» auf. Der von Ospel begründete Preisgeld-Wettbewerb für Schnitzelbänggler werde eingestellt, bestätigt Obman Armin Faes. An seiner Stelle plane die von Ospel gegründete Schnitzelbangg-Stiftung, künftig verstärkt mit Seminaren in die Qualität der «Bängg» zu investieren. Auch den Nachwuchs wolle man gezielt fördern.

Das sagen die Politiker

Christophe Darbellay, CVP-Präsident: «Auch Marcel Ospel muss von der GPK oder allenfalls der PUK befragt werden.»

Nationalrat Hans Grunder, BDP-Präsident: Der Bund ist wegen des Rettungspakets mit der UBS verbunden. Das legitimiert die GPK, Marcel Ospel zur Befragung aufzubieten.

SP-Präsident Christian Levrat: Das Parlament muss Marcel Ospel befragen und auch den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen überprüfen. Das kann nur eine PUK.

Christoph Blocher, SVP-Vizepräsident: Die SVP ist im Fall der UBS für eine PUK. Wenn es nötig ist, sollen die UBS-Verantwortlichen inklusive Marcel Ospel angehört werden.

Nationalrätin Gabi Huber, FDP-Fraktionschefin: Wenn die GPK es für nötig hält, soll sie die früheren und aktuellen UBS-Chefs einladen.

Hickhack um die PUK

Mit Hochdruck arbeitet eine Arbeitsgruppe der Geschäftsprüfungskommissionen (GPK) am Bericht zum Verhalten der Behörden auf dem Höhepunkt der Finanz- und UBS-Krise. SP und SVP wollen in der am Montag startenden Session gar eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) einsetzen. Ob dem auch die CVP zustimmt, ist noch offen. Ihre Ständeräte könnten die Einsetzung blockieren. Ein längeres Seilziehen zwischen den beiden Räten ist also zu erwarten.  
play <b>Musikant</b> In früheren Jahren zeigte sich Marcel Ospel an der Basler Fasnacht noch als stolzer Trommler. (RDB/Blick/Toini Lindroos)

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