FCZ-Fans schmeissen Basler Tagi-Journi aus Zug

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Simon Hehli
FCZ-Fans bei einem früheren Spiel in Basel: nicht immer gut aufgelegt (Symbolbild).- Blicksport

BASEL – Die 1:2-Pleite gestern in Basel brachte die Gemüter der Zürcher Fans zum Kochen – ausbaden musste dies ein Journalist, der sich in den Extrazug gewagt hatte.

Siegessicher waren die treuen FCZ-Fans aus der Südkurve gestern nach Basel gefahren. Ein Zürcher Erfolg im «Joggeli» – und der FCB hätte sich den Meistertitel abschminken können. Doch es kam anders, die Heimmannschaft gewann 2:1. Dementsprechend mies war die Stimmung bei den Zürcher Anhängern, als sie endlich aus ihrem Sektor im Stadion raus konnten und zum Extrazug geschleust wurden.

Mitten drin in der Masse gefrusteter Teenies und Twens: Jean-Martin Büttner (49), Reporter des «Tages-Anzeigers». Er wollte eine Beitrag schreiben über die Stimmung unter den Zürcher Fans an diesem Sonntagnachmittag. Im Extrazug angekommen, klappte der Journalist seinen Laptop auf, um erste Eindrücke festzuhalten. Das hätte er besser bleiben lassen.

Im falschen Wagen

Denn dummerweise war er im selben Wagen mit den aggressiven Hardcore-Fans gelandet – und die sind auf die schreibende Zunft gar nicht gut zu sprechen. Was er über sich ergehen lassen musste, beschreibt Büttner im heutigen Tagi folgendermassen: «Drei vermummte Typen treten auf einen zu, man wird angeherrscht, hochgerissen und durch den Wagen gestossen. Die einen stehen da und johlen, andere versuchen die Lage zu beruhigen.»

Er kassierte einen Faustschlag, zwei Fusstritte und fand sich in eisiger Kälte auf dem Perron wieder. Einfach aus dem Wagen geschmissen. Aufbauschen will Büttner seine unerfreulichen Ereignisse von gestern nicht: «Ich wurde ja nicht verletzt und bin mit dem Schrecken davon gekommen», sagte er gegenüber Blick.ch. Immerhin habe er seinen Laptop zurück bekommen und einige besonnere Fans hätten ihn davor bewahrt, wirklich übel verprügelt zu werden.

Schockiert sei er hingegen gewesen, dass es schon reiche, Journalist zu sein, um die Wut der Fans auf sich zu ziehen. Schon erstaunlich: Die Berichterstattung des «Tages-Anzeigers» ist gewiss nicht FCZ-feindlich – und Büttner ist nicht mal Sportjournalist, sondern Reporter im Inland-Ressort der Zeitung.

Basler Dialekt als Verhängnis?

Doch er stammt aus Basel. Wurde ihm also sein Dialekt zum Verhängnis? «Ich glaube nicht, dass das ein Problem war», sagte er. «Es ging alles so schnell, die haben gar nicht gemerkt, was für einen Dialekt ich habe». Die Stimmung sei wegen der FCZ-Pleite eben enorm angeheizt gewesen – und das habe er dann zu spüren bekommen, meinte Büttner.

Er ist nicht der erste Tagi-Journalist, für den die Fussball-Berichterstattung in diesem Monat unschöne Folgen hatte: Anfangs Februar ging ein Spielervermittler am Rande eines GC-Testspiels in Niederhasli wie eine Furie auf einen Reporter los und verletzte ihn mit Faustschlägen und Fusstritten.

Büttner kam gestern übrigens noch wohlbehalten nach Zürich – nur eben in einem normalen Intercity statt im Extrazug voller Testosteron und Alkoholfahnen.

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