Zivilcourage Der vergessene Held von Basel kann wieder lachen

  • Publiziert: 24.12.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Monica Fahmy
play Marc freut sich über den iPod, den ihm die BLICK-Reporterin übergeben hat. (Stefan Bohrer)

BLICK schenkt Marc Hofmann (23) für seinen Mut einen iPod. Der Autist ging beim Überfall einer Schlägerbande dazwischen. Und kam selber drunter.

Marc Hofmann (23) ist Autist. Trotz seiner Behinderung hat der junge Mann unglaublichen Mut bewiesen, als er beim Überfall einer Schlägerbande auf zwei Opfer dazwischenging. Für seine Zivilcourage schenkte ihm BLICK gestern einen iPod.

«Danke schön, das freut mich sehr», sagt Marc und strahlt. Er sucht nach Worten. «Ich sitze nachher an den PC und schaue, was ich für Musik habe.» Er liebt Musik, Hip-Hop, ACDC, Pur.

Angst hatte Marc keine, als er den Schlägeropfern half. «Ich helfe jedem», sagt er. Vor vier Wochen sieht Marc, wie der Zahnarzt Hanspeter S. (53) und seine Freundin, die Sängerin Theresa S.* (55) in der Basler Innenstadt von vier Jugendlichen bös verprügelt werden. Marc mischt sich ein. Die Schläger verziehen sich.

Als die Opfer von der Polizei und Sanität betreut werden, geht Marc weiter. Sein Pech: Am Theodorskirchplatz begegnen ihm die Schläger wieder, erkennen ihn sofort. Sie verfolgen ihn, schlagen wie wild auf ihn ein. Dabei brechen sie ihm Nase, Kiefer und die untere und obere Augenhöhle (BLICK berichtete).

Erst als Marc sich bewusstlos stellt, lassen sie von ihm ab. Marc fühlt sich benommen, greift sich ins Gesicht, merkt, dass etwas nicht stimmt. Er weiss nicht, was tun, also geht er heim und versucht, seine Mutter telefonisch zu erreichen. Es ist immer noch Nacht, sie hört das Telefon nicht. Marc legt sich hin.

Am Morgen sieht Monica Ugazio, dass ihr Sohn angerufen hat und fährt zu ihm. «Er sah schrecklich aus», sagt sie. Marc kommt ins Spital, muss neun Tage lang hospitalisiert bleiben.

Noch heute ist Marcs Nase geschwollen. «Er braucht auch psychologische Hilfe beim Aufarbeiten», sagt seine Mutter. «Der Autismus bewirkt, dass er das Erlebnis als nichts abtut. Aber im Inneren gärt es.»

Besonders getroffen hat es Marc, dass ihn die Opfer erst für einen Täter hielten. «Die Kommunikation der Polizei hätte besser sein können», sagt Mutter Monica Ugazio. Die Opfer haben sich inzwischen bei Marcs Grosseltern gemeldet und herzlich für Marcs Hilfe bedankt.

«Wenn alle gegen solche Schläger zusammenstehen, könnte man mehr gegen sie machen», sagt Marcs Mutter.

Doch die Täter – zwei Männer und Frauen im Alter zwischen 19 und 22 Jahren – sind bereits wieder auf freiem Fuss.

* Name der Redaktion bekannt

play Marc freut sich über den iPod, den ihm die BLICK-Reporterin übergibt. (Stefan Bohrer)

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