30 Jahre nach der Sandoz-Katastrophe Das Gift ist noch da

Vor 30 Jahren kam es in einer Lagerhalle des Basler Pharmariesen Sandoz zur Brandkatastrophe. Die Umwelt litt, die Politik handelte. Doch die Chemikalien von Schweizerhalle stecken noch heute im Rheinufer.

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In der Nacht auf den 1. November 1986, kurz nach Mitternacht, ereignete sich die schlimmste Katastrophe in der Geschichte der Basler Pharmaindustrie: In der Lagerhalle 956 des Chemiekonzerns Sandoz (heute Novartis) brach ein riesiges Feuer aus.

Am Morgen heulten die Katastrophensirenen in Basel zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Menschen durften ihre Häuser nicht verlassen und wurden mit Polizeidurchsagen aufgefordert, ihre Fenster zu schliessen und Radio zu hören. Schweizerhalle – der Name des betroffenen Industrieareals im Kanton Basel-Land – prägte sich tief ins nationale Kollektivgedächtnis ein.

Apokalyptische Bilder aus der Brandnacht 

Über 1300 Tonnen hochgiftige Chemikalien verbrannten in jener Nacht. Die Flammen und der orangegefärbte Himmel waren in der ganzen Region sichtbar. Bald bildete sich eine riesige, stinkende Rauchwolke über Basel. Vor Ort sahen Feuerwehrleute und Journalisten, wie Fässer explodierten.

Um 5 Uhr am Morgen hatten die Feuerwehrleute den Brand im Griff. Es wurde Endalarm ausgelöst. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, wie schlimm die Folgen sein würden.

Der Rhein war rot

Das Löschwasser wurde vom Brandort mitsamt 20 Tonnen Chemikalien direkt in den Rhein geschwemmt. Der Fluss verfärbte sich rot, es kam zum grossen Fischsterben. Bis zur Nordsee war das Wasser vergiftet. Die gesamte Aalpopulation auf einer Länge von 400 Kilometern wurde ausgelöscht.

Die Tatsache, dass ein solcher Brand in der Schweiz möglich war, überraschte die Menschen. Reagiert wurde mit Protestaktionen und Forderungen nach mehr Sicherheit. Das Unglück ereignete sich nur wenige Monate nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl.

Zum Glück kamen bei der Katastrophe keine Menschen zu Schaden. Und dank dem Oberlauf und den vielen Zuflüssen erholte sich der Rhein überraschend schnell. Das frische Wasser aus den Alpen spülte den Strom durch und die meisten Organismen konnten sich innerhalb einiger Monate erholen.

Das Vertrauen in die «Chemischen» war erschüttert

Doch das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Selbstkontrolle der chemischen Industrie war nach dem Grossbrand von Schweizerhalle nachhaltig erschüttert. In Folge des Brandes trafen die Behörden deshalb Massnahmen, um den Gewässerschutz zu verbessern. So wurden beispielsweise die Lagerhaltungsvorschriften verschärft: Heute sind für anfallendes Löschwasser Rückhaltebecken vorgeschrieben.

Auch das Abwasser-Management und die Organisation der Chemikalien-Lager wurden stark verbessert, der Boden nach der Katastrophe bis in 11 Meter Tiefe ausgehoben und gewaschen.

Immer noch sind Schweizerhalle-Pestizide im Boden

Doch der Dreck ist immer noch da. Nach 30 Jahren sind immer noch Spuren des Pestizides Oxadixyl im Boden messbar, wie Alberto Isenburg, Leiter des Baselbieter Amtes für Umweltschutz und Energie, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte.

2017 soll entschieden werden, ob die Messungen weitergeführt oder abgeschlossen werden, oder ob zusätzliche Massnahmen zur Bodensanierung vorgenommen werden müssen. (SDA/pfr)

Publiziert am 01.11.2016 | Aktualisiert am 02.11.2016
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9 Kommentare
  • Gerhard  Krenn aus Aix en Provence
    01.11.2016
    Es sollte doch eine grundsätzliche Frage erlaubt sein, auch wenn es den Chemiekonzernen so gar nicht gefällt: Was hätte den die Entsorgung dieser 1300 Tonnen gekostet?
    • Susanne  Reich 01.11.2016
      In diesem Falle glaube ich weniger an diese Möglichkeit, welche Sie andeuten. In anderen Fällen hat es mich schon ein paar Mal erstaunt, wie plötzlich ein volles "Lager" eines Abfallprodukts, welche hätte korrekt entsorgt werden sollen, durch irgendeinen Defekt in das nahegelegene Wasser geriet... Das ganze Ausmass von Schweizerhalle wurde mir erst bewusst, als ich zufälligerweise mit Baslern darüber sprach und ihr Blick sprach Bände. Es muss sehr schlimm gewesen sein. Möge es nie mehr geschehen
  • Olaf  Plex 01.11.2016
    Bitte besser recherchieren:
    Auch damals gab es schon Rückhaltebecken für das Löschwascher. Nur sind diese übergelaufen ob des vielen Löschwassers. Zudem ist der Chemie-Teil der ehemaligen Sandoz heute Clariant und nicht Novartis (welche das Pharma Geschäft übernommen hat).
  • Zara  Wyss 01.11.2016
    Was nicht ist das darf nicht sein... oder sagen wir lieber - diese Mono/ Oligopolisten, killen für Ihr Machtgehabe! Eben alternativen darfs nicht geben (alternative Medizin wird noch heute aufs schärfste Kritisiert), auf gedeih und vederb! dafür wird belohnt mit Boni, Schmiergeld und übertriebenen Löhnen.
  • rolf  sulzer 01.11.2016
    wie im US-Wahlkampf, da wird beschönig, behauptet gelogen was das Zeugs hält. Um immer die selbe Leier, in ein paar Wochen sind diese Sprüche bereits wieder vergessen und man geht zum nächsten Thema über. Politik Ehrlichkeit und Wahrheit sind einfach nicht kompatibel.
  • Joe  Black 01.11.2016
    Die Lagerung von Chemikalien war damals weltweit auf diesem Stand und diese Katastrophe hat immerhin dazu geführt, dass weltweit ein Umdenken sowohl bei den Behörden als auch bei der Bevölkerung stattfand. Davor traute sich ja niemanden gegen die Basler heilige Kuh Sandoz etwas zu sagen...ohne diese tote Fische wäre dies Heute noch so und nachfolge Firma Novartis wäre noch arroganter und erbarmungsloser.
    Jeder Fortschrit fordert nun mal seine Opfer seien wir dankbar, dass er keine Menschen waren