Kommentar Bankgeheimnis: Realismus tut uns gut

  • Publiziert: 03.02.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Clemens Studer

Das waren ganz neue Töne! Kein Wort von Rache-Plänen an den Deutschen. Keine Kraftmeiereien mit sistierten Verhandlungen. Keine «Die ganze Welt kann uns mal»-Rethorik.

Finanzminister Hans-Rudolf Merz hat gestern hinbekommen, was ihm in den vergangenen Monaten nie gelingen mochte: ein staatsmännischer Auftritt.

Wir sahen einen ganz anderen

Merz als bei seinen Auftritten im US-Steuerstreit, beim Krach um die italienische Steueramnestie und der Daten-Affäre mit den Franzosen.

Auch wenn er wohl von seinen Kollegen beim Sinneswandel massiv «unterstützt» wurde, darf man den Vielgescholtenen für einmal loben.

Realistisch gesehen, ist dem Bundesrat allerdings auch nicht viel anderes übrig geblieben.

Die Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug war längst nicht mehr aufrechtzuerhalten. Im Ausland hat sie niemand verstanden – ausser den Steuerbetrügern. Und im Inland wurde unübersehbar, dass diese Schlaumeierei nur einem Teil der Finanzindustrie nutzt, dem Land aber schadet.

Die neue Konstellation im Bundesrat hat den öffentlichen Sinneswandel sicher ebenso befördert, wie die neue Affäre um die geklauten Bankdaten. Selbstverständlich war der gestrige Entscheid des Bundesrates noch nicht der grosse Befreiungsschlag.

Aber es ist ein Anfang.

Der Anfang einer hoffentlich breiten Debatte, wie die Nation Schweiz in der Welt gerne wahrgenommen werden möchte.