Bald doppelt so viele Jugendliche arbeitslos?

  • Publiziert: 28.04.2009, Aktualisiert: 13.01.2012

BERN – Die Wirtschaftskrise trifft die Jungen am härtesten: Nach ihrem Lehrabschluss könnten hunderte auf der Strasse stehen. Doch Bundesrätin Leuthard macht nun mobil.

Ab Sommer 2009 dürfte es für Jugendliche nach dem Lehrabschluss schwieriger werden, eine Stelle zu finden. Das Volkswirtschaftsdepartement und die Sozialpartner wollen darum ihr Aus- und Weiterbildungsangebot ausbauen und Lehrabgänger weiter beschäftigen.

Jugendliche sind von konjunkturellen Einbrüchen überdurchschnittlich betroffen, weil ihnen oft die von Firmen geforderte Erfahrung fehlt. So waren im März in der Schweiz 5,1 Prozent Jugendliche (20-24 Jahre) ohne Stelle, während die durchschnittliche Arbeitslosigkeit 3,4 Prozent betrug.

Fokus Jugendarbeitslosigkeit

Bundesrätin Doris Leuthard rief die Sozialpartner heute zu einem gemeinsamen Handeln gegen die Jugendarbeitslosigkeit auf. Wenn Staat und Wirtschaft nichts unternähmen, könnte die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen bis Ende Jahr bei 6 Prozent liegen und im kommenden Jahr sogar auf 9,3 Prozent ansteigen.

Die Volkswirtschaftsministerin rief die Sozialpartner dazu auf, die Gelder zu nutzen, die der Bund für Praktika und Übungsfirmen bereitstellt. Für das laufende Jahr seien dafür 494 Mio. Fr. budgetiert. Die Kosten dürften allerdings aufgrund der Wirtschaftslage auf 636 Mio. Fr. steigen. Doch der Bund will nicht knausern, die nötigen Mittel sind gemäss Leuthard vorhanden.

Keine Lehrstellen auf Vorrat abbauen

Die CVP-Magistratin appellierte an die Privatwirtschaft und die öffentliche Verwaltung in den kommenden Monaten nicht Lehrstellen auf Vorrat abzubauen und Jugendliche nach ihrer Ausbildung weiter zu beschäftigten.

Mit ihrem Anliegen stiess Leuthard bei Gewerkschaftsbund (SGB), Gewerbeverband und Arbeitgeberverband auf offene Ohren. Es liege im eigenen Interesse der Arbeitgeber, die Anstrengungen im Ausbildungsbereich und die rasche Integration junger Fachleute in den Arbeitsmarkt zu fördern, sagte Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. Langfristig werde sich die Wirtschaft nämlich eher mit Fachkräftemangel als mit Jugendarbeitslosigkeit zu befassen haben.

Auch für den SGB steht die Weiterbeschäftigung von Lehrabgängern im Betrieb im Vordergrund. Lehrabgängerinnen, die nach der Lehre keine Stelle fänden, sollten eine Zusatzausbildung machen können, sagte Chefökonom Daniel Lampart. Praktika müssten aber eine Zusatzqualifikation bieten. (SDA/hhs)

Genug Lehrstellen

Entwarnung gab es heute für die Lehrstellenfront: Bundesrätin Leuthard bezeichnete die Lehrstellensituation als stabil. In der deutschsprachigen Schweiz seien bereits viele Lehrstellen vergeben. Die Romandie beginne erst jetzt mit der Rekrutierung. Die Zahl der Schulabgänger sei rückläufig und im Vergleich zum Vorjahr meldeten die Kantone ein leicht grösseres Lehrstellenangebot. Mühe bekunden jedoch Jugendliche mit sozialen oder schulischen Defiziten.