Schweinegrippe Babys sind völlig schutzlos

  • Publiziert: 18.11.2009, Aktualisiert: 14.01.2012

ZÜRICH – Die Schweiz beklagt das erste Todesopfer der Schweinegrippe: Ein 5 Monate altes Baby. Gerade Neugeborene und Babys unter einem Jahr sind dem H1N1-Virus schutzlos ausgeliefert – denn die Ärzte stehen vor einem Dilemma.

Bei unseren Nachbarn steigt die Zahl der Schweinegrippe-Toten rasant an: In Deutschland starben bis jetzt 22 Menschen, in Italien 53, in Frankreich fielen sieben Personen der Grippe zum Opfer und in Österreich bislang einer. In der Schweiz liegen wegen der neuen Grippe bislang zwölf Menschen auf der Intensivstation.Auch Deutschland beklagt heute sein jüngstes Opfer der Schweinegrippe: Ein sieben Monate altes Mädchen. Das Kind litt an einer chronischen Vorerkrankung. Auch ein 21 Monate alter Junge mit Herzfehler starb. Es wird untersucht, ob die Impfung gegen die Grippe sich bei ihm tödlich auswirkte.Medi-Folgen ungewiss, keine ImpfungTatsächlich gehören Babys zur allergrössten Risikogruppe. Denn sie sind den Schweinegrippe-Erregern schutzlos ausgeliefert: Eine Impfung für die Kleinsten gibt es keine, und die Ärzte haben praktisch keine Erfahrung mit dem Grippe-Medikament bei Säuglingen. Tamiflu etwa ist nicht für Neugeborene und Babys unter einem Jahr zugelassen.Doch erkrankt ein Baby, setzen Ärzte das Medikament dennoch ein, allerdings «mit Bauchschmerzen», wie Professor Reinhard Berner von der Uniklinik Freiburg im Breisgau gegenüber dem «Hamburger Abendblatt» sagt. Das Dilemma der Ärzte: Es gibt keine belegten Untersuchungen, welche Dosis man einem Neugeborenen oder einem Säugling von drei Monaten geben kann. «Wenn ein Säugling 40 Grad Fieber hat, muss man als Arzt abwägen, ob man Tamiflu gibt, obwohl es dazu bisher keine belastbaren Daten gibt – oder ob man Tamiflu nicht gibt und in Kauf nimmt, dass es zu einem schweren Verlauf mit möglicher Todesfolge kommt», sagt Berner.Schützen das WichtigsteVorbeugen ist damit das einzige sichere Mittel, das ihr Kleinkind vor der Schweinegrippe schützt: Impfen Sie sich, um ihr Kind nicht anzustecken. Babys sollten nicht von jedem Bekannten geherzt und geküsst werden. Manche empfehlen auch das Tragen eines Mundschutzes – was im alltäglichen Familienleben aber etwas merkwürdig anmuten dürfte. (gux)
play In Zeiten der Schweinegrippe droht den Kleinsten von aussen die grösste Gefahr. (Reuters)