Auf Druck von Aktivisten Schweizer Firmen boykottieren Trump-Portal

Hunderte von Unternehmen entziehen dem umstrittenen US-Portal Breitbart die Werbegelder. Dahinter steckt eine Online-Kampagne, bei der die Schweiz eine wichtige Rolle spielt.

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Breitbart galt als Donald Trumps mediale Speerspitze im US-Wahlkampf. In unzähligen Berichten warb das konservative Online-Portal für den Republikaner. Die Plattform hetzt zudem gegen Minderheiten und nimmt es mit der Wahrheit nicht immer so genau. Mittlerweile ernannte Trump den Breitbard-Ex-Chefredaktor Steve Bannon zu seinem Chefstrategen.

Aktivisten wollen Breitbart den Geldhahn zudrehen, indem sie Werbegelder stoppen. Dazu machen sie Unternehmen darauf aufmerksam, dass diese auf dem Hass-Portal werben. Da das Google-Ads-Netzwerk Werbung automatisch im ganzen Netz ausliefert, haben Firmen oft gar keinen Überblick.

Mehr als 600 Unternehmen haben bereits versprochen, nicht mehr auf Breitbart zu werben. Fast jedes zehnte davon stammt aus der Schweiz. Darunter Coop, Migros, Post, SBB und UBS. Es sind so viele wie aus keinem Land ausserhalb der USA.

Das ist kein Zufall, denn der europäische Widerstand gegen Breitbart wird von der Schweiz aus koordiniert. Der Schweizer U. G.* hat den Twitter-Account «Sleeping Giants Europe» eröffnet, den er mit Hilfe von mehreren anderen Personen betreibt. Sie führen seit letzten Dezember eine gleichnamige Kampagne aus den USA in Europa fort. «Wir wollen sensibilisieren», sagt der Online-Aktivist zu BLICK. «Viele Unternehmen wissen nicht, dass sie auf Breitbart werben. Die meisten sind überrascht, wenn man sie darauf aufmerksam macht.»

Breitbart kommt nach Europa

Das Vorgehen ist einfach, mitmachen können alle: Man geht auf Breitbart und macht einen Screenshot der Werbeanzeigen. Dann schreibt man das betreffende Unternehmen öffentlich, meist auf der Kurznachrichtenplattform Twitter an. Firmen haben die Möglichkeit, Breitbart auf eine sogenannte Blacklist zu setzen, so dass ihre Anzeigen dort nicht mehr erscheinen. Wer zusagt, kommt auf eine öffentlich einsehbare Liste von «Sleeping Giants».

Mit kurzen Statements werden die Firmen auf ihre Anzeigen aufmerksam gemacht. play
Mit kurzen Statements werden die Firmen auf ihre Anzeigen aufmerksam gemacht. Twitter

U. G. hat einen bestimmten Grund, warum er die Kampagne über den Atlantik geholt hat. «Breitbart will nach Europa expandieren», sagt er. «Dafür scheinen sie Länder mit starken rechtsextremen Kräften ins Auge zu fassen. Möglicherweise will das Portal den Wahlkampf in Deutschland und Frankreich anheizen.» Tatsächlich sollen in den beiden Ländern bereits Verhandlungen für eine Lancierung stattfinden. «Wenn wir etwas dazu beitragen können, dass sich Breitbart nicht wie eine Krake über Europa ausbreitet, freut uns das», sagt der Aktivist.

In der Schweiz haben seinen Angaben zufolge rund 20 Personen mitgemacht und Firmen angeschrieben. Mittlerweile gebe es europaweit zahlreiche Aktivisten. 

«Sonst rufen Neonazis zur Hetzjagd auf»

Wie ihre Vorbilder in den USA, mit denen sie in «losem Kontakt» stehen, operieren auch die europäischen Koordinatoren anonym – um ihr Anliegen in den Vordergrund zu stellen, wie sie sagen. U. G. verweist auf den Fall eines deutschen Werbers, der unter dem Namen «Kein Geld für Rechts» vor Weihnachten eine ähnliche Aktion gestartet hat. «Rechtskonservative Publizisten nutzten sie zum Ego-Marketing und Neonazis zur Hetzjagd auf ebendiese Person. Die Sache ging dabei völlig unter. Das möchten wir vermeiden.»

Im letzten November begann die Kampagne «Sleeping Giants» in den USA. «Wir probieren, rassistische Websites zu stoppen, indem wir ihre Werbeeinnahmen stoppen», sagt der Gründer zur «New York Times». Man konzentriere sich momentan auf Breitbart, weil es mit monatlich 85 Millionen Lesern der «grösste Fisch» sei. Später wolle man die Aktivitäten auf weitere Portale ausweiten.

Der Schweizer U. G. betont, dass es ihm nicht darum gehe, die Plattform mundtot zu machen: «Breitbart soll seinen unterirdischen Journalismus verbreiten dürfen. Es geht uns nicht um Boykott. Nur sollten Firmen und deren Kunden ihnen nicht auch noch den Lautsprecher finanzieren.»

* Name geändert

Publiziert am 13.01.2017 | Aktualisiert am 14.01.2017

Immer wieder werden Vorwürfe laut, die Nachrichten-Website Breitbart würde Unwahrheiten verbreiten. Kürzlich berichtete das Portal etwa, in der Silvesternacht hätte ein Mob aus 1000 Männern in Dortmund (D) eine historische Kirche in Brand gesteckt und dabei «Allahu akbar» gerufen.

Stark überzeichnet

Viele Einzelheiten in dem Fall wurden so stark überzeichnet, dass ein falscher Gesamteindruck vermittelt wurde. Die Dortmunder Polizei sah sich nach dem Breitbart-Bericht gezwungen, einen detaillierten Einsatzbericht zu veröffentlichen, um den Sachverhalt richtigzustellen.

Es habe zwar ein kleines Feuer gegeben, doch dieses sei nach wenigen Minuten gelöscht gewesen. Es gebe keine Hinweise, dass die Rakete absichtlich auf die Kirche gefeuert wurde. Am Ende des Berichts heisst es sogar: «Nach Einschätzung des eingesetzten Polizeieinsatzleiters war dies für eine Silvesternacht in Dortmund ein eher durchschnittlicher bis ruhiger Verlauf.»

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10 Kommentare
  • Berkin  Baser 14.01.2017
    Leute - es geht hier nicht um politische Überzeugungen oder um Boycott, sondern darum, dass Firmen vielleicht keine Hetze gegen Minderheiten mitfinanzieren wollen, weil sie zB Minderheiten als Mitarbeiter oder Kunden haben, oder weil solche geladenen Diskussionen (wie bei breitbart in der Kommentar-Sektion, und abgeschwächt auch bei manchen Blick-Kommentatoren) einfach nicht gut fürs image sind.
    Und diese Firmen haben auch Recht - wütende weisse Männer mit Vorurteilen sind schlecht fürs image.
  • Othmar   Huber 14.01.2017
    Warten wir mal ab, was die lieben Aktivisten tun, wenn die ersten juristischen Klagen eingereicht werden. Hoffentlich wird die amerikanische Justiz tätig! Dann wirds fertig mit lustig. Diese 20 Personen könnten vielleicht sich Millionen Klagen gegenüber sehen. Ich freue mich darauf wenn man solchen Elementen, die mit "so demokratischer" Energie das Internet nutzen wollen.
  • Walter  Price aus Mac Donald Park
    14.01.2017
    Der Luegen Presse und Elite rennt jetzt die Zeit davon , darum der ganze Laerm . In sieben Tagen ist es soweit , von dann an ,sieht die Sache ganz anders aus . Ich hoffe Donald hat alle diese lieben "Fans" in seinem roten Buechlein notiert .
  • Ben  Schwerde , via Facebook 14.01.2017
    Dieses Trumpbashing geht mir mittlerweile sowas von auf den Senkel. Was massen wir uns an, anderen Ländern vorschreiben zu wollen, wer die nächsten vier Jahre in ihrem White House herumwerkelt? Wir wollen ja auch keine Einmischung in unsere Politik. Lasst den Mann doch erstmal arbeiten, wir werden ja sehen, wohin sich das ganze entwickelt. Und seihen wir ehrlich; schlimmer als unter den Kriegstreibern der Bush-Dynastie kanns kaum werden.
    • Peter  Aufdermaur aus St.Gallen
      14.01.2017
      Da bin ich ganz Ihrer Meinung, "Ben Schwerde". Das Paradoxon bei der ganzen Sache: Man wirft per Gerücht Russland vor, auf die Wahlen in den USA Einfluss genommen zu haben und empört sich künstlich darüber, nimmt aber gleichzeitig Einfluss auf den von den US-Bürgern gewählten Präsidenten und diffamiert und behindert ihn, wo nur möglich. Scheint mir eine massiv selbstunreflektierte Truppe zu sein, diese Trumpbasher.
    • Fritz  Frigorr 14.01.2017
      Genau, denn schliesslich verbittet sich ja die Schweiz auch immer Einmischung von Aussen. Oder ist da etwa ein Unterschied ?
  • Peter  Hofer aus zürich
    13.01.2017
    Naja, ich halte nicht viel von dieser Aktion. Sorgen würden mir mehr die 85 Millionen Leser machen. Das ist das wahre Problem und solche Aktionen bewirken da gar nichts. Im Gegenteil. Das zieht sicherlich noch mehr Leser an, die bisher nichts von dieser Seite wussten.